5
Stunde
Vm.
38
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1923.
4
5 |
Wind
unter | über
der Inversion
5
Station
Bodenwind
H
“Winddrehung
Boden / Inversions-
fläche unten
Feldberg i. T. NW 2
Hardoncelle C
Saarwaldhof C
Brüssel SW ?
Blankenberghe SW (
Borkum WSW |
Hadersleben WSW |
Lindenberg NW ©
Ruda | W 10
obiger Drachenstationen, und trägt auf dieselbe Karte die aus der Wetterkarte
der Seewarte zu entnehmenden Isogonenzahlen des Bodenwindes ein, Durch
letztere zahlreiche Beobachtungen ist es leicht, zwischen den Werten der Drachen-
stationen den Isogonenverlauf sicher einzuzeichnen, Das Ergebnis zeigt Karte 3
(ausgezogene Linien). Nun bildet man die Werte für die Winddrehung aus
Spalte 3 und 5; das Ergebnis steht in Spalte 7. Für den Feldberg im Taunus
z. B. dreht der Wind von NW (= 56) am Boden nach WNW (= 60) unterhalb
der Gleitfläche, Die Drehung ist also +4. Da der Wind in den mir vor-
liegenden Abschriften der Beobachtungen nur in 16 Richtungen angegeben ist,
so zeigt die Spalte 7 nur Werte von 4 zu 4 Einheiten, ein Mangel, der an Hand
der Originalregistrierungen zu beheben ist. Die Werte der Spalte 7 werden in
die Karte eingetragen, und so entsteht das Feld der Winddrehung, das auf
Karte 3 gestrichelt gezeichnet ist. Die beiden Felder auf Karte 3 werden
graphisch addiert; es entsteht das Isogonenfeld des Windes unterhalb der
Inversionsfläche, Statt dieses selbst darzustellen, sind auf Karte 2 die unmittelbar
daraus mittels des Integrometers erhaltenen Strömungslinien des Windes ge-
zeichnet. In gleicher Weise würde man durch eine Karte der Winddrehung
innerhalb der Inversion zum Strömungsfeld über der Inversionsfläche gelangen.
Die bisherigen Untersuchungen zeigten aber, daß zwischen dem Strömungsfeld
unter und über der Inversion wenig Unterschied ist. Meist erfolgt der in den
unteren Atmosphärenschichten sich vollziehende Übergang zur Westwindströmung
an der Gleitfläche sprunghaft; die Winddrehung ist in ihr von etwas größerem
Betrage als in anderen Höhen. Es steht das in Übereinstimmung mit den Er-
gebnissen A. Pepplers‘), der als erster Strömungsfelder der freien Atmosphäre
zeichnete und dabei fand, daß in den unteren Kilometern der Atmosphäre sich
das Strömungsfeld wenig ändert, .
Die bisherigen Untersuchungen zeigten, daß der Wind die Inversionsfläche
wie ein Gebirge behandelt. Er hat die Tendenz, vor steilen Hängen auszubiegen,
sich schraubenförmig an ihnen emporzuwinden und, wie in dem Beispiel auf
Karte 2 gut erkennbar ist, in Talmulden Konvergenzlinien zu bilden und häufig
(aber nicht stets) nach Überschreiten eines Kammes senkrecht zu den Isohypsen
abwärts zu strömen. Einen interessanten Fall bietet der 16. April 1918: An
einem nach NO geneigten Hang (@« == 7.2’) weht Wind aus nordwestlichen Richtungen
von oben herab, Wind aus nordöstlichen Richtungen von unten herauf; beide
vereinigen sich zu einer gut erkennbaren Konvergenzlinie, die am Hang an-
nähernd parallel den Isohypsen verläuft.
Wir haben von den Hochdruckgebieten die Vorstellung, daß über der
trennenden Gleitfläche die Luftmassen aus der höheren Atmosphäre herabfließen
und sich längs der Gleitfläche nach den Seiten ausbreiten. Es soll nicht un-
erwähnt bleiben, daß dieses Auswärtsströmen von der Mitte des Hochs, wenn es
überhaupt stattfindet, so gering ist, daß es in den Strömungskarten nicht zutage
tritt, sondern als eine nicht mehr nachweisbare Komponente sich über das all-
gemeine Strömungsfeld lagert.
‘) Beitr, z. Phys. d. fr. Atmosph., 6, 1913, S. 73 ff