Geiger, R.: Über quantitative Messungen an Inversionsflächen,
Aufstiegsbeobachtungen vorhanden sind, und danach haben sich die Anforderungen
an das Beobachtungsmaterial zu richten. Die Ergebnisse der internationalen
aörologischen Aufstiegstage sind also vielleicht für qualitative, nicht aber für
quantitative Untersuchungen verwendbar. Das mir vorliegende Beobachtungs-
material!) enthält (leider in gekürzten Abschriften) über zwei Jahre täglich zwei
bis drei Aufstiege von allen deutschen Kriegsdrachenstationen; hierzu kommen
zahlreiche Pilotballonaufstiege.
Es soll an einem Beispiel aus der bisherigen Literatur gezeigt werden, wie
das dargelegte Verfahren geeignet ist, Fehler aufzudecken. J. Clössner hat bei
Untersuchung der Tage vom 18. bis 24. Dezember 1917 eine sehr stabile Gleit-
MNäche über dem Beobachtungsgebiet gefunden. Sie hat die Gestalt eines ge-
wölbten Schildes, das seine höchste Höhe innerhalb Deutschlands — an den
einzelnen Tagen örtlich wechselnd — hat und nach ’allen Seiten gleichmäßig
sich senkt. Auf Grund der örtlichen Konstruktion, d. h. durch Zusammensetzen
der Inversionshöhen an einem Morgentermin örtlich auf der Karte, ergibt sich
ein so dauernd gleiches Bild der Inversionsflächengestalt, daß an seiner Richtigkeit
kaum zu zweifeln ist. Anders ist es, wenn man jeweils für eine Station einzeln
die Inversionshöhe zeitlich verfolgt. Für Lindenberg z. B. wurden folgende
Werte zur Konstruktion verwendet:
Dezember 17: 19. 20. 21. 22. 23. 24.
Inversionshöhe: 1620 835 1000 2010 490 375.
Die großen. Schwankungen legen schon die Frage nahe, ob es sich da
wirklich um dieselbe Inversion handeln kann. Wir untersuchen in der dar-
gelegten Weise die Aufstiege graphisch für alle Beobachtungstermine (nicht bloß
für die Morgentermine). Die nachstehende Tabelle gibt von allen Aufstiegen
alle nachweisbaren Inversionen, auf Grund der graphischen Darstellungen reduziert
auf die ideale und durch ihre Seehöhe (H), Mächtigkeit (M) und den Temperatur-
sprung (dt) charakterisiert.
Lindenberg 19.—24, Dezember 1917 *).
Tag
Stunde
ryT
Inversionen
At ’ H
m
Af
At
19. |
öh Vm.
7h Nm.
JLOh Vm.
5b Nm,
2h Vm.
10h Vm.
11b Nm.?
5h Vm.
12h M.
104 Nm. |
7h Vm.
540
170
23
300
160 |
2830
370
80
290
> 1650
1150
930
960
1150
990
770
390
>
“150
1200
„300
200
300
320
500
»90
2,9
10.0
3.3
1,2
42
0.4
13.0 **)
62
30.
22 |
12 |
10 |
21.
22.
44
7.2
! 16
3b Nm, 1090 | 5.0
Jh Vm. ! 9.0
9h Vm. 1260 500 27 | 7.7
*) Die Aufstiege vom 18, standen mir nicht zur Verfügung. Das Zeichen > steht vor den
Zahlen, wenn der Aufstieg die obere Grenze der Inversion nicht mehr oder bestenfalls gerade noch
erreicht hat.
**) Der Temperaturgradient unter und über der Inversion ist besonders groß; deshalb erscheint
der Temperatursprung der idealen Inversion erheblich vergrößert gegenüber dem wirklich beobachteten (6.4°).
In der Tabelle sind zwei Spalten für die Inversionen geführt, um zusammen-
gehörige Inversionen durch Untereinanderstellen in der gleichen Spalte kenntlich
zu machen. Die erste Spalte enthält bis zum 21. nur unbedeutende Boden-
inversionen; die zweite Spalte aber eine mächtige Inversion, welche ihre Charakte-
22010
1600
1540
>
770
L000
80
7,8
30
9
‘80
150
490
350 !
320 *
375
210
60
130
580
380
50
3 Für Überlassung des Beobachtungsmaterials erlaube ich mir auch an dieser Stelle Herrn
Prof. Dr. F, Linke ergebenst zu danken. Dasselbe Beobachtungsmaterial benutzten bereits Georgii
und Clössner zu ihren Untersuchungen. Ich bin bei meinen Untersuchungen von dem bereits durch
Clössner gesichteten Beobachtungsmaterial ausgegangen.