Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1923.
Zeitraum die kontinuierlichen Höhenänderungen der idealen Inversion!). Dadurch
wird erstens die Ungleichheit der Aufstiegszeiten ausgeschaltet, da man aus der
graphischen Darstellung für jede gewünschte Stunde die Inversionshöhe ent-
nehmen kann; es ist nämlich wahrscheinlich, daß eine nicht unbeträchtliche
periodische Tagesschwankung der Inversionshöhe vorhanden ist“). Kürzlich erst
wies Schmauß®) mit Rücksicht auf die Tagesperiode der Wolkenbildung darauf
hin, daß bei Benutzung der Morgeninversionen Vorsicht geboten sei; die Nach-
mittagsaufstiege seien für derartige Untersuchungen wertvoller als die Morgen-
aufstiege. Alle bisherigen Arbeiten über Inversionsflächen verwenden aber fast
ausschließlich die 8h-Morgenbeobachtungen, weil um diese Zeit die meisten Auf-
stiege erfolgten. Von diesem Übelstande wird man also unabhängig; es werden
überdies alle Beobachtungen verwendet.
An Hand des graphischen Bildes werden alsdann einzelne Werte durch Ver-
gleich mit den zeitlichen Nachbarwerten, soweit nötig, ausgeglichen, wobei es
selbstverständlich ist, daB die Abweichung der kontinuierlichen Höhenkurve von
dem vorher errechneten Einzelwert nie größer sein darf, als die Unsicherheit
dieser Einzelbeobachtung beträgt. Der Hauptvorzug der Methode ist aber, daß
sie zu einer strengen Prüfung der Ergebnisse führt. Es ist nämlich bei der Be-
arbeitung der einzelnen Stationen naturgemäß nicht möglich, einen Überblick
über den örtlichen Verlauf der Inversionsfläche zu irgendeinem Zeitpunkt zu
gewinnen; setzt man daher nach Beendigung dieser Einzeluntersuchungen die
Endergebnisse der Stationen für jeden der gewünschten Termine innerhalb des
Zeitraumes auf der Karte örtlich nebeneinander, so ergibt sich ein sicheres Maß
für die Zuverlässigkeit der Ergebnisse in der Art, wie die Beobachtungen nun
räumlich übereinstimmen. Eventuelle Fehler lassen sich leicht finden und unter
Umständen aufklären. Als Beispiel sei angeführt, daß bei einer Beobachtungs-
reihe die Werte der Feldbergaufstiege (Taunus) aus dem Gesamtbild herausfielen.
Nähere Untersuchung zeigte, daß der Feldberg nur im obersten Ende der
Inversionsschicht lag. Wurde die Konstruktion mit Benutzung der Frankfurter
Temperaturen (am Fuße des Taunus!) durchgeführt, so fügten sich die Ergebnisse
aufs beste ein,
Ein wichtiger Umstand bedarf der Erwähnung. Im Gegensatz zur bis-
herigen Handhabung der Gleitflächenkonstruktion halte ich es für falsch, Boden-
inversionen im allgemeinen zur Konstruktion zu verwenden, Bodeninversionen
treten häufig als lokale Erscheinungen auf. Ob sie das Auskeilen einer niedrigen
Gleitfläche darstellen oder lokal durch die Ausstrahlung verursacht sind, ist
schwer zu entscheiden. Ihre Verwendung zur Isohypsenkonstruktion ist daher
nur angängig, wenn die übrige Konstruktion das Auskeilen der Gleitfläche in
der Gegend der betreffenden Station mit Sicherheit erwarten läßt und der Charakter
der Inversion vermuten läßt, daß es sich nicht um eine bloß lokale Erscheinung
handelt, In gleicher Weise ist es falsch, aus dem Nichtvorhandensein einer Inversion
an einer Station den Schluß zu ziehen, die Gleitfläche berühre vorher den Boden;
denn die Inversion kann ja so gering geworden sein, daß sie nicht mehr fest-
gestellt oder ihre Beobachtung nicht mehr mitgeteilt wurde; sie kann, um den
Ausdruck von V. Bjerknes zu gebrauchen, einen „freien Rand“ haben,
Erst wenn auf diese Weise die Isohypsenkonstruktion in ihren Grundzügen
festgelegt ist, können die anderen Merkmale zur Ergänzung der Konstruktion
verwendet werden, nämlich: der Windsprung, der aber nicht stets mit dem
Temperatursprung zusammenfällt, Wolkenbildung, Dunstschichten als Grundlage
der Wolkenbildung, Nebel und der Feuchtigkeitssprung, meist eine Feuchtigkeits-
abnahme,
Das Verfahren ist nur durchführbar, wenn zahlreiche aufeinanderfolgende
1) Über die Möglichkeit solches Ausgleichs vgl. in Köppen, Arch, d. Deutsch, Seew. 1908,
Nr. 1, die graphischen Darstellungen, z. B. vom 22, bis 26, Mai 1905 (Lindenberg), 22, bis 24, Febr,
1905 (Groß-Borstel) u. a.
2) Vgl, d. Untersuchung d. Aufst. vom 25. Okt, 1912 durch W. Peppler (Arb. d. Kgl. Pr.
aeron, Obs, b. Lindenberg, 8, 1912, S. 258 £f.).
3) Ergebn. d. aerol. Tag, Lindenberg 1921, S. 52.