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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 51 (1923)

Neuere Veröffentlichungen. 
Neuere Veröffentlichungen. 
A. Besprechungen und ausführliche Inhaltsangaben. 
Jahrbuch der Hafenbautechnischen Gesellschaft, 
Bd. IV, 1921. 4°% 314 S. Hamburg 1922, 
Boysen & Maasch, 
Aus der Fülle wertvoller in dem Jahrbuch 
enthaltener Abhandlungen mögen für den Leser- 
kreis dieser Zeitschrift besonders zwei herausgegriffen 
werden: Einmal die unter der Überschrift „Die 
wirtschaftliche und technische Umstellung 
der Reichskriegshäfen auf Friedenswirt- 
schaft“ vereinigte Gruppe von Aufsätzen der 
Verfasser Kayser, Krüger, Hermeking, 
Meyer, Kruse (S. 85—138, mit Abb. u. Karten). 
Trotz großer Vorzüge für die Schiffahrt ist den 
seiden Häfen Rüstringen-Wilhelmshaven und Kiel 
doch zu viel versagt, u. a. namentlich ein ergiebiges 
Hinterland, um von Natur ein bedeutender Handels- 
hafen zu werden, ein Umstand, der für die Kriegs- 
marine gerade günstig ins Gewicht fallen mußte. 
Wenn daher der Wille der Bewohnerschaft sich 
gegen ein Zurücksinken in die frühere Bedeutungs- 
[osigkeit kräftig wehrt, so kann er sich nicht so 
sehr auf die natürlichen Bedingungen stützen als 
auf das, was die Marine inzwischen neu geschaffen 
hat. Die Schilderung dieser Anlagen ist in den 
Aufsätzen mit reichem Material belegt, worunter 
hier besonders auf Krügers vier Karten von 
Wilhelmshaven im Jahre 1853, 1873, 1900 und 
1921 hingewiesen werden mag, die man nicht ohne 
Bewegung aus der Hand legen wird. In erster 
Linie sind es in beiden Orten die Werften, ‚an die 
man eine weitere Entwicklung anknüpfen will. 
Außerdem hofft man in Wilhelmshaven namentlich 
auf eine Verwertung der über 20 km betragenden 
Kaianlagen als Industriehafen für solche Gewerbe, 
die ausländische Rohstoffe verarbeiten, und auf 
zine Ausnutzung der umfangreichen Öltankanlagen, 
während man in Kiel außerdem auf die Gunst der 
Lage am Kanal rechnet und es zum künftigen. Um- 
schlaghafen zwischen Ozean- und Ostseeschiffahrt 
zu entwickeln strebt. 
In einer anderen Abhandlung, betitelt „Die 
Jade, das Fahrwasser Wilhelmshavens, 
ihre Entstehung und ihr Zustand‘ (ebenda, 
3. 268—284, m. 2 Karten) bietet W. Krüger in 
gedrängter Kürze eine Frucht jahrzehntelanger Be- 
5bachtungen, Es dürfte nicht viele Meeresteile 
zeben, die so intensiv durchforscht sind; haben 
Joch die Aufwendungen für „Studien, Vermessungen, 
Bauleitung‘ nach Angabe des Verf, von 1594—1918 
2,3 Mill. Mark betragen. An der Hand einer von 
ihm entworfenen geologischen Karte der Gegend von 
der Lauwer See bis zur Elbmündung beschreibt Verf. 
zunächst die geologischen Verhältnisse, die durch 
drei Schnitte weiter erläutert werden. Bevor ihre 
Deutung versucht wird, werden die heute tätigen 
Kräfte erörtert: Der vorwiegende Westwind, die 
Ostströmung und die Wanderung des Sandes, dessen 
Ursprung und Verbleib, Fragen, die auch in. dieser 
Zeitschrift wiederholt erläutert wurden (z. B. von 
Poppen, Jahrg. 1212, S. 273ffi7 Behrmann, 
Jahrg. 1921, S, 79ff). Zu diesen heute wahr- 
nehmbaren Ursachen treten die säkularen, aus 
Bohrungen und Baggerproben zu erschließenden, und 
hier folgt Krüger den Anschauungen Schüttes 
über die wiederholten Senkungen und Hebungen 
Jer Küste nach der Eiszeit, die ja darin gipfeln, 
Jaß das ganze Gebiet auch heute noch stark im 
Absinken begriffen ist. Mit diesen Hilfsmitteln 
ınternimmt es Verf., eine Geschichte des Jade- 
yusens seit der Karolingerzeit zu schreiben und 
Jurch drei Karten (um 800—1000, um 1218 und 
um 1511) zu erläutern; es ist von großem Interesse, 
wie dabei politische und geologische Verhältnisse 
„oneinander abhängig sind. Danach zeigt der 
Tadebusen um 1511 seine größte Ausdehnung und 
ıat sich seitdem fortgesetzt verkleinert. Darin, daß 
lie Insel Wangerooge südostwärts wandert, während 
lie anderen Ostfriesischen Inseln sich ostwärts ver- 
agern, erblickt Krüger einen Beweis dafür, daß 
lie mit dem Einbruch des Jadebusens ausgelösten 
Zräfte auch heute noch nicht ins Gleichgewicht 
sekommen sind, und hat daraus die praktische 
Tolgerung gezogen, dieses Gleichgewicht durch 
3Zuhnenbauten möglichst herbeizuführen, um das 
Fahrwasser der Jade tief zu erhalten, wogegen 
3aggerungen erst als Korrektionen zweiter Ordnung 
vorgenommen wurden; das Verhalten der Jade 
während des Krieges und nachher hat ihm Recht 
zegeben und damit die Verwendung der oben- 
arwähnten verhältnismäßig großen Summe für 
wissenschaftliche Zwecke (2,3 Mill. Mark) gegen- 
iber 7.5 Mill. für Baggerungen und 8.0 Mill, für 
Korrektionsbauten trefflich gerechtfertigt. Krüger 
3rwartet, daß nunmehr die Erhaltung der Fahr- 
vassertiefe künftig keine übermäßigen Mittel mehr 
rfordern wird. H. Thorade, 
Vippoldt, A, Prof. Dr.: Erdmagnetismus, Erd- 
strom und Polarlicht. Kl. 8°,- 135 S., 7 Taf, 
18 Fig. Dritte, verbesserte Auflage. Berlin u. 
Leipzig 1921, Vereinigung wissenschaftlicher 
Verleger Walter de Gruyter & Co. 
Wer sich über die Erscheinungen des Erd- 
nagnetismus und des damit im Zusammenhange 
stehenden Erdstroms und des Polarlichts unter- 
richten will, wird alles Wissenswerte darüber in 
lem kleinen, aber sehr inhaltreichen Büchlein von 
Nippoldt finden, dessen 3. Auflage vor einiger 
Zeit erschienen ist. Der Verfasser hat es ver- 
standen, den Stoff in recht geschickter Weise zu 
»ehandeln. Nach einer kurzen Einleitung werden 
zunächst die Elemente des Erdmagnetismus, ihre 
>estimmung und die Beobachtung ihrer zeitlichen 
Veränderungen erläutert; daran schließt sich eine 
Darstellung des beharrlichen Magnetismus der Erde 
ınd Sonne. Eingehend werden die verschiedenen 
Variationen des Erdmagnetismus und ihre Ursachen 
jesprochen, Der dann folgende Abschnitt enthält 
äne Beschreibung des Erdstroms und der Be- 
ziehungen zwischen Erdstrom und Erdmagnetismus. 
Den Schluß bildet eine Beschreibung der Polar- 
ichterscheinungen und ihrer Ursachen, 
Außer einer kurzen, aber recht brauchbaren 
Literaturübersicht für den, der sich mit dem Gegen- 
stand eingehender beschäftigen will, enthält das 
Buch noch eine Zusammenstellung der westlichen 
Deklination, Horizontalintensität und Inklination 
n Europa für die Epoche 1925. E. Stück.
	        
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