Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1923.
wir durch X die Vertikale l, welche c, und c, in C, bzw. C,. schneidet, und ziehen
durch diese Punkte die Parallelen zu g, bzw. g,. Die senkrechten Abstände des
Schnittpunktes X’ derselben von der Horizontalen n und der Vertikalen ] geben
die Verbesserungen 4'g und 4’2; hierbei ist A’g positiv, wenn X” oberhalb u, und
A’) positiv, wenn X’ rechts von 1 liegt, und zwar bedeuten 5 mm eine Minute.
Anmerkung 1. Die Punkte A und B, die beiden Kreise, die Geraden
Say Spy ta, to, ta’ to’ ha, hy und die Kurven c,,c sind nur abhängig von der
Lage der Funkstationen, sie werden ein für allemal in Tusche auf-
gezeichnet. Die wenigen übrigen Geraden, die zu den eigentlichen, jeweiligen
Örtsbestimmungen dienen, werden in Blei gezeichnet und nach Erledigung der
Aufgabe wieder entfernt, damit das Blatt zu einer neuen Ortsbestimmung benutzt
werden kann, Die eigentliche Ortsbestimmung erfordert mithin nur wenige Minuten.
Anmerkung 2. Die Genauigkeit des Verfahrens ist um so geringer, je
weiter die Funkstationen voneinander entfernt sind. Mit Hilfe der Formeln (III)
wird festgestellt, ob etwa diese Entfernung so groß ist, daß unser Verfahren
nicht mehr genau genug ist. Es zeigt sich z.B., daß bei als fehlerlos an-
genommenen Azimuten und einem Azimutunterschied von mehr als 30° der Fehler
noch innerhalb +2’ bleibt, wofern die Längen- und Breitendifferenz der Funk-
stationen nicht größer als 3° ist.
UL
Kleinere Mitteilungen.
Nebel auf dem Roten Meer. Es ist genugsam bekannt, daß dort, wo eine
Wüste an eine von kühler Meeresströmung oder aufquellendem Tiefenwasser bespülte
Küste grenzt, zwar die Regenarmut noch verstärkt ist, aber Nebel sehr häufig sind,
Weniger beachtet ist es, daß auch auf und an rings von Wüste um-
schlossenen Wasserbecken große Luftfeuchtigkeit und Neigung zur Dunst- und
Nebelbildung gewöhnlich ist. Der Gegensatz gegen die äußerste Trockenheit der
Luft der Wüste erklärt sich durch den Unterschied der Temperaturen, ist also
wohl auf den Sommer beschränkt.
In seinem Buche „Das Gesetz der Wüstenbildung in Gegenwart und Vor-
zeit“ (Leipzig 1912) sagt Johannes Walther auf S. 15:
„Jeder Indienreisende wird bei der Fahrt durchs Rote Meer beobachtet
haben, wie zunächst die klare Wüstenluft dem Auge auf beiden Ufern eine
Wandeldekoration malerischer Felsengebirge von berückender Farbenpracht
bietet. Doch sobald wir das Ras Muhammed (Südspitze der Sinai-Halbinsel)
passiert haben, steigen dunstige Nebel über die erhitzte Wasserfläche, und bald
gleitet der Dampfer durch den gespenstigen Glanz lichterfüllter Wolken.
Auf dieses Nebelmeer schauen wir herab, wenn wir 1500 m höher stehend
in die scharf eingeschnittenen Talrisse hinabblicken, durch die der Karawanen-
weg des Uadi Gwod von Suakin nach Berber führt. Nach Westen dehnt sich
das malerische Wüstengebirge, und die durchsichtige Luft läßt uns alle die steil-
wandigen kahlen Felsenberge zählen. Auf der Ostseite aber schauen wir in die
mit weißlicehen Nebeln erfüllte Senke hinab. Wie aus einem kochenden Kessel
steigen die Dunstwolken empor, dann treibt der Wind die Nebelfetzen über den
Kamm nach W, wo sie in der trockenen Wüstenluft rasch verschwinden.“
An der Grenze der feuchten Seeluft findet sich, wohl durch starke nächt-
liche Taufälle bedingt, eine eigentümliche „Zone verrosteter Berge, deren Abhänge
in allen Nuancen des wasserhaltigen Eisenoxyduls getönt“ sind, obwohl sie aus
verschiedenfarbigem Gestein bestehen (S. 109).
In Kairo und im Niltal sind — wohl im Gegensatz zu obigem — Tau und
Morgennebel ziemlich regelmäßige Erscheinungen des Winters. Von der Höhe
der Zitadelle überzeugt man sich leicht, daß der Nebel nur wie ein breiter,
weißer Fluß über dem Gartengebiet des Niltals lagert und am Wüstenrand ab-
schneidet. Eingehende Untersuchung ergab, daß der Tau am Mittelmeer 20 km
landeinwärts reicht und am Rande des Niltals Taufall bis 6 km, in den libyschen
Oasen bis zu 4 km vom Rande des vegetationsreichen Gebiets vorkommt. W.K.