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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 51 (1923)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1923, 
auf die Bewegung Einfluß in entgegengesetzter Richtung ausüben. Von diesen 
Kraftfeldern habe ich in meinen Abhandlungen nur die Wirkung 
des einen, nämlich desjenigen des Meeres beschrieben, und nur 
darauf beziehen sich die von Sandström gezeichneten Diagramme, 
welche also gar nicht das endliche Resultat der Wasserbewegung 
in der Sargasso-See darstellen, sondern die Bewegungstendenz des 
Wassers allein, abgesehen von der Wirkung der Passatwinde usw. 
Ich hielt damals (1913) und halte noch die Frage von der Wirkung des atmo- 
sphärischen Kraftfeldes, d.h. der Winde, in quantitativer Beziehung nicht für 
spruchreif und ‚glaube dies hinreichend deutlich in der Fußnote zu Seite 5191) 
ausgesprochen zu haben mit den Worten: „Über die Bedeutung der Winde für 
die ozeanische Zirkulation wird noch heute lebhaft gestritten. Ich werde diese 
Frage hier gar nicht berühren und mich darauf beschränken, die inneren Be- 
wegungskräfte zu diskutieren, sofern das möglich ist auf Grundlage des von 
Schott gesammelten Observationsmateriales. Es ist wohl kaum nötig voraus- 
zuschicken, daß diese inneren Kräfte sämtlich stetig wirkende sein müssen.“ Da 
die Herren Merz und Wüst von der »Abwegigkeit«*) von O. Petterssons 
Erklärung sprechen, weil ich nicht beachtet haben sollte, „daß das Oberflächen- 
wasser der warmen Subtropen einwärts und nicht auswärts gerichtete Bewegungs- 
komponente hat“, kann ich ihre Aussage nur in der Weise erklären, daß diese 
Autoren meine oben zitierten Worte übersehen haben müssen. 
Schwieriger ist es zu verstehen, warum Merz und Wüst mir die Ansicht 
unterschieben, daß die Warmwasseransammlungen der Subtropen durch die 
Wirkung thermischer Kräfte erklärt werden könnten. Das ist gewiß nicht 
meine Meinung. Die erwähnte Ansammlung ist nämlich durch den Einfluß äußerer 
mechanisch wirkender Kräfte bedingt, welche dem‘ atmosphärischen Kraftfeld 
angehören, das demjenigen des Meeres superponiert ist. Nehmen wir z. B. an, 
daß dieser Einfluß aufhörte, so würde das warme Stauwasser des „Sargasso- 
Hügels“ in der Oberfläche vom 20. Breitengrad äquatorwärts, und vom 30. Breiten- 
grad polwärts abfließen (die oberen Pfeile indemSandströmschen Geschwindigkeits- 
diagramm). Daran wird es aber durch die kombinierte Wirkung des Passates 
und der Erdrotation verhindert. 
Das kältere Auftriebwasser in etwa 200—400 m wird aber durch diese 
Einflüsse nicht verhindert, dem Antrieb des inneren Kraftfeldes des Meeres zu 
gehorchen. Denn das mächtige atmosphärische Kraftfeld, welches von oben wirkt 
und dort die Bewegung des Auftriebwassers von außen nach innen ablenkt, ver- 
liert schon in geringer Tiefe seine Wirkung, wogegen das innere Kraftfeld des 
Meeres auch in der Tiefe wirkt und kälteres Auftriebwasser südwärts in 100—150 m 
Tiefe unter die dünne hocherwärmte äquatoriale Oberschicht einschiebt, wo es 
untersinkt. Noch gewaltiger wirkt dieser Antrieb in 500—1000 m Tiefe (man 
betrachte die Pfeile des Geschwindigkeitsdiagramms in 15° N-Br.), wo der große 
nach Süden gerichtete Unterstrom in dem Meridionalschnitt von Merz und Wüst, 
Seite 18, wurzelt. Ein Vergleich des hydrographischen Schnittes von Merz und 
Wüst (Fig. 1) mit dem dynamischen (Fig. 2) von Sandström, welche ich auf 
den gleichen Maßstab reduziert habe, löst das Rätsel von den Wasserbewegungen 
im Sargasso-Meer. Von oben wird immerfort neues warmes Wasser dem anti- 
zyklonalen Wasserwirbel zugeführt, und von unten dringt kälteres Wasser empor: 
es muß Abfluß stattfinden. An der nördlichen Seite geschieht dieser Abfluß an 
der Oberfläche (Golfstrom); an der südlichen in den unteren Niveaus zwischen 
150 m und 1200 m in 15° Lg., wovon der warme Tiefenstrom nach der Antarktis 
ausgeht. Die große Ausbuchtung der 35% g-Isohaline zwischen 500—1000 m in 
15° Lg. entspricht den kräftig akzelerierenden Bewegungskomponenten in Fig. 2. 
Die Auffassung der Herren Merz und Wüst und ihrer Vorgänger, daß 
von dem Sargasso-Meer der nördlichen Hemisphäre warmes und salzreiches 
Wasser als Unterstrom dem südlichen und sogar antarktischen Teil des Atlantischen 
1) Der Abhandlung: „Bemerkungen zu G&, Schotts Geographie des Atlantischen Ozeans‘, 
Internat. Revue usw. 1913, Bd. V, Heft 5/6. 
2 Merz und Wüstl. e. S. 14.
	        
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