Petterssnn, O,: Bemerkungen zu der Abhandlung: Die atlantische Vertikalzirkulation usw. 67
6 oder 10 cm), daß die Wirkung des hydrostatischen Überdruckes zurücktritt
gegen das in der Kontaktfläche zwischen Ober- und Unterstrom wirkende Kraft-
feld, welches Sandström auf meine Anregung durch Solenoidenschnitte dar-
gestellt und berechnet hat. Aus dieser Rechnung habe ich den Schluß gezogen,
daß der von der Ostsee austretende Baltische Strom bisweilen sogar gegen ein
(durch Windstau) negativ gewordenes Druckgefälle, also „bergauf“, fließt, was
doch natürlich nur so lange dauert, bis das innere Kraftfeld sich erschöpft hat
und die Isobaren und Isosteren im Meere wiederum ihr normales Gefälle ein-
genommen haben, welches nach meinen Messungen im Großen Belt ungefähr 1m
auf eine Entfernung von 90 nautischen Meilen beträgt‘).
Über die eigentliche Vertikalzirkulation im Atlantischen Ozean hat die
Arbeit von Merz und Wüst keine neuen Aufklärungen gebracht, denn die Er-
kenntnis, daß das Wasser in der Sargasso-See eine aufsteigende und unter dem
Aquator eine sinkende Tendenz besitzt, hat sich seit 18 Jahren in der Wissen-
schaft eingebürgert und ist erworben ausschließlich durch Anwendung der
Bjerknesschen Theorie, Denn diese Tatsache steht im Widerspruch mit dem
visuellen Eindruck, welchen man von den hydrographischen Schnitten erhält,
und wurde deshalb früher nicht erkannt.
Auch die Frage, wie das aufsteigende Tiefenwasser zur Oberfläche gelangt,
ist längst erledigt. Die Erklärung, welche Merz und Wüst mit solchem Nach-
druck hervorheben, ist schon von Sandström und mir in mehreren Abhandlungen
gegeben .und lautet in meiner Version folgendermaßen:
Der permanente atmosphärische Wirbel über der Sargasso-See, ebenso wie
der Golfstrom, welcher dieses Meeresgebiet umkreist, treibt die Wasserpartikel
zufolge der Erdrotation nach innen und ‚bildet dort einen „Hügel“?) von stark
erhitztem und verdunstendem Wasser. Durch diese Anhäufung wird die Ober-
flächenschicht immer dicker, was eine mächtige Ausbuchtung der Isohalinen und
Isothermen nach unten verursacht.
Die große linsenförmige Ansammlung von erwärmtem Wasser in der
Sargasso-See, welche immerfort erneuert wird, erhält also durch rein mechanisch
wirkende Kräfte eine sinkende Tendenz, welche in den zentralen Teilen dieses
Gebietes, wo die Überhöhung ihr Maximum erreicht, am stärksten niederdrückend
wirkt. Gegen diese Bewegungstendenz der gesamten Wassermasse macht sich
aber der Einfluß der Kräftekomponente des inneren Kraftfeldes des Meeres
geltend, und zwar am stärksten an der Außenseite, wie die Punktschaaren in 20°
und 40° Lg. des Solenoiden-Diagrammes (auf Tafel XII in meiner Abhandlung
von 1918 in der Internationalen Revue und Tafel XIV in der Abhandlung von
1904 in Heft II der Schriften der Schwed. Kommission) andeuten. Jede Wasser-
partikel in der sinkenden Wassermasse, und besonders diejenigen, welche den
peripherischen Teilen des großen Sargassowirbels angehören, erhält von diesen
inneren Kraftfeldern einen Auftrieb, welcher sie allmählich nach oben und seit-
wärts zu führen strebt, so wie es die Pfeile in dem Geschwindigkeitsdiagramm
andeuten, Dieser Auftrieb wird um so kräftiger, je näher die Partikel an die
Oberfläche kommt, aber eben in der Nähe der Oberfläche kommt sie in
den Bereich eines anderen noch mächtigeren Kraftfeldes, nämlich
desjenigen der atmosphärischen Zirkulation, das die nach außen ge-
richtete Kraftkomponente ablenkt und umkehrt, den Abfluß des Ober-
wassers auswärts verhindert und sie zwingt, dem zentripetal ge-
richteten Drang der oberen Schichten des Sargasso-Sees zu folgen.
Daß eine aufsteigende und in dieser Weise abgelenkte Wasserpartikel eine
spiralisierende Bahn beschreibt, erscheint mir natürlich.
Der Vorgang wird natürlich ein komplizierter, da hier zwei Kraftfelder
1) Strömstudier vid Östersjöns portar. Von O. Pettersson. Gedr. in den Schriften der
Schwedischen Kommission. N ; ; .
*) Auf Seite 30 der zitierten Abhandlung „Über die Wahrscheinlichkeit usw.“ findet man eine
graphische Konstruktion der Geoide des Atlantischen Ozeans längs dem 30, Meridian von 60° N bis
60° S. Die Überhöhung der subtropischen Wasseroberfläche würde demnach für die Sargasso-See etwa
S0—90 cm betragen.