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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 51 (1923)

Pettersson, O.: Bemerkungen zu der Abhandlung: Die atlantische Vertikalzirkulation usw, 65 
Ozean dargelegt, wozu mir das von der deutschen „Valdivia“-Expedition heim- 
gebrachte Observationsmaterial die nötigen Anhaltspunkte lieferte. Der damalige 
Assistent unserer Kommission, Herr J. W. Sandström, der sich bekanntlich in 
hervorragender Weise an der Entwicklung der sogenannten Solenoiden-Theorie 
von W, Bjerknes beteiligt hatte, erhielt von mir den Auftrag, die hydrographische 
Sektion längs dem 30. Meridian W-Lg. nach G, Schotts Angaben im „Valdivia“- 
Werk nach Bjerknes Prinzipien hydrodynamisch zu behandeln, wobei nicht nur 
die im Meer wirkenden Kraftfelder (das Solenoidennetz) sondern auch die Richtung 
(horizontale und vertikale) und Größe der akzelerierenden inneren Kräfte im 
Meer von der Oberfläche bis zu einer Tiefe von etwa 2000 m in absolutem Maß 
angegeben werden sollte. Sandström hat diesen Auftrag in genialer Weise ge- 
löst!), wodurch man zum erstenmal einen quantitativen Begriff von den be- 
wegenden Kräften im Inneren des Ozeans erhielt, ein Begriff, welcher natürlich 
unseren damaligen Kenntnissen (1904) entsprach und durch spätere Unter- 
suchungen erweitert und korrigiert werden sollte, 
Eine solche Ergänzung und Korrektion ist möglich durch die hydro- 
graphischen Beobachtungen von W. Brennecke, welche er in den beiden Ab- 
handlungen „Forschungsreise S.M.S. »Planet« 1906/07“ und „Die ozeanographischen 
Arbeiten der deutschen antarktischen Expedition 1911—1912“ zusammengestellt 
hat. Die Fülle von exakten Beobachtungen, ausgeführt mit der modernen hydro- 
graphischen Präzisionstechnik, welche in den genannten Werken enthalten sind, 
bildet, zusammen mit den früher durch die Fahrten mit dem „Gauß“, der „Gazelle“, 
der „Valdivia“ und anderen deutschen Expeditionen erhaltenen Resultaten, eine 
Grundlage für den Aufbau einer dynamischen Auffassung der :ozeanischen 
Zirkulation, wozu ich 1904 in den eben zitierten Abhandlungen mich bemühte, 
eine vorläufige Skizze zu entwerfen. Ich glaube, daß der Weg, den ich dabei 
einschlug, zum Ziele führen wird. Das Ziel derartiger Untersuchungen ist nicht 
nur die horizontalen Bewegungen der Wassermassen, die man sogar direkt 
experimentell bestimmen kann, sondern die Vertikalzirkulation im Ozean zu 
eruieren, der wir wohl niemals auf empirischem Wege sondern‘ nur rechnerisch 
beikommen können.. Dazu hat man gegenwärtig kein anderes, oder wenigstens 
kein besseres, Mittel als die von W. Bjerknes angegebene und von Sandström 
weiter ausgebaute hydrodynamische Methode. , Die Resultate, welche damit im 
Jahre 1904 erhalten wurden, müssen zwar als vorläufige und orientierende an- 
gesehen werden, weil Sandström von den Temperaturangaben Schotts ausging, 
unter der Annahme, daß die Temperatur ausschlaggebend bei den Dichte- 
veränderungen des Meerwassers sei. Die Verfasser der neulich publizierten 
Abhandlung „Die atlantische Vertikalzirkulation“?), Professor A. Merz und 
Dr. G. Wüst, machen hierzu die richtige Bemerkung, daß das allerdings zu- 
trifft für die wärmeren oberen Wasserlagen, welche Sandström behandelt hat, 
daß man aber, wenn man die Wasserzirkulation des Ozeans im großen und 
ganzen dynamisch berechnen will, auch den Einfluß der Variation des Salz- 
gehaltes auf die Dichte in Betracht ziehen sollte — eine Ansicht, der ich durch- 
aus beistimme. 
Dazu kommt noch ein anderer Umstand, nämlich, daß die meridionale 
Temperatur-Sektion von Schott für den südlichen Teil des Atlantischen Ozeans 
aus zwei meridionalen Sektionen (nämlich derjenigen von 30° W-Lg. und 0° Lg£.) 
zusammengesetzt wurde, was natürlich eine Unsicherheit in der Besprechung 
antarktischer Zustände mit sich führt. Gerade auf diesem Gebiet hat man ja in 
den letzten 18 Jahren durch die Messungen der Expeditionen mit dem „Planet“ 
und der „Deutschland“ neue Ergebnisse von außerordentlich großem Interesse 
erhalten. Ich habe deshalb mit großen Erwartungen die vorläufige Rezension 
der Arbeit Brenneckes von Merz und Wüst durchstudiert, Erwartungen, die 
teilweise erfüllt, zum Teil aber auch unerfüllt geblieben sind. Letztere Be- 
merkung gilt vor allem dem eigentlich, analytischen Teil der Arbeit, welcher in 
1) Pl. XIII—XVI ibid, und Beschreibung zu den dynamischen Schnitten S, 38—40 von 
.J. W, Sandström. 
2 Zeitschr. d. Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin, 1922, Nr. 1/2.
	        
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