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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 51 (1923)

veuere Veröffentlichunge” 
Um die auf der Erde uns entgegentretende 
verwirrende Fülle von Erscheinungen überblicken 
and ordnen, gewissermaßen in ein System bringen 
zu können, werden ideale Landschaften, sog. Land- 
schaftstypen, aufgestellt. Die Grundlage für 
die weiträumigste Einteilung der Erde, und zwar in 
die großen Klimagürtel, gibt das Klima, das den 
am meisten ausschlaggebenden, das Wesen der 
Landschaft bedingenden Einfluß hat, Die Klima- 
gürtel werden nach der von Temperatur, Nieder- 
schlag usw. abhängigen Vegetation in klimatische 
Pflanzenvereinsgürtel oder Landschaftsgürtel unter- 
geteilt, Z. B. ist der allein nach dem Klima ab- 
gegrenzte „Mittelgürtel“ nach den Pflanzen vereinen 
zu zerlegen in die Landschaftsgürtel der sommer- 
grünen Laubwälder,der Nadelwälder.der ozeanischen 
Wälder, der immergrünen Wiesen und der Steppen 
in den Mittelgürteln, Die Landschaftsgürtel zer- 
fallen weiterhin in zahlreiche typische Landschafts- 
einheiten, sog. Landschaftstypen, bei deren Auf- 
stellung die Höhenlage, die Öberflächenformen, die 
Böschungsverhältnisse, die Gesteinsbeschaffenheit, 
Bewässerung usw. ausschlaggebend sind. Die 
Landschaftstypen sind rein theoretische Gebilde, 
losgelöst von einer bestimmten Örtlichkeit. Erst 
die „räumliche Landschaftskunde“ hat die Aufgabe, 
einen bestimmten Teil der Erde, etwa einen Kontinent 
oder einen politischen Raum, auf die in ihm vor- 
kommenden Landschaftstypen zu untersuchen. Die 
räumliche Landschaftskunde ist also hiernach die 
Grundlage der Landeskunde und die gesamte Land- 
schaftskunde ein wichtiges Glied im ganzen System 
der Erdkunde. 
In Heft 1 der vorliegenden Veröffentlichung 
werden die Methoden der vergleichenden Landschafts- 
kunde und auch ihre Stellung im System der Erd- 
kunde erörtert, im zweiten Heft die Landschafts- 
typen der Kältewüsten und -steppen aufgestellt. 
Unter Kältewüsten sind die Gebiete zusammen- 
gefaßt, in denen das organische Leben durch die 
Kälte sehr herabgemindert oder ganz vernichtet ist. 
Der Lage nach ergibt sich sogleich die Unter- 
scheidung in Polar- und Höhenwüsten, Der sich 
an die Kältewüsten anschließende Gürtel der Kälte- 
steppen, in dem nur niedrig wachsende Pflanzen 
gedeihen, ist ebenfalls in Polar- und kalte Höhen- 
steppen untergeteilt, Von diesen vier Gebieten 
sind die allgemeinen Wesenszüge behandelt, weiter- 
hin die Landschaftstypen herausgearbeitet und auf 
die Einteilung der Landschaftsgebiete der Arktis 
und Antarktis angewandt. Besonders ausführlich 
ist die Beeinflussung des Menschen durch die ver- 
schiedenen Landschaftstypen dargestellt, wodurch 
insbesondere die Bedeutung der Landschaftskunde 
auch für die Völkerkunde hervortritt. 
Diese Behandlung des Menschen hat leider im 
dritten Heft über die Mittelgürtel wegen der zu- 
nehmenden Teuerung stark eingeschränkt werden 
müssen. (Sie ist inzwischen in einer besonderen 
Veröffentlichung: Landschaft und Kulturentwick- 
lung, Hamburg 1922, L. Friederichsen & Co,, 
erfolgt.) Im übrigen sind in gleicher Weise wie 
dei den Kältewüsten und -steppen die Haupt- 
wesenszüge der einzelnen Landschaftsgürtel heraus- 
gearbeitet und Landschaftstypen aufgestellt, — 
Das noch ausstehende vierte und letzte Heft wird 
die heiße Zone behandeln, Bruno Schulz. 
Merz, A,: Meereskunde, Wirtschaft und Staat. 
Heft Nr. 157 (Bd. XIV, 1) der „Meereskunde‘‘. 
Sammlung volkstümlicher Vorträge. 8°. 36 58, 
Berlin o. Jahr (1922 ?). 
Der Vortrag zerfällt in drei Teile, betitelt 
‚Meereskunde und Seeverkehr“, „Meereskunde und 
Fischerei“, „Meereskunde und Landesverteidigung‘‘. 
Zur Besprechung möge hier, im Einklang mit dem 
Yharakter der Zeitschrift, nur der an erster Stelle 
zenannte Abschnitt kommen; in ihm findet sich 
äne Reihe von Behauptungen und grundsätzlichen 
Anschauungen, gegen die Stellung zu nehmen ist. 
Der Verfasser spricht zunächst von der Be- 
leutung der Meeresströmungen für die Schiffswege, 
3rwähnt die deutschen, holländischen und englischen 
Stromkarten und behauptet, alle diese Darstellungen 
seien „wenngleich nach bestimmten Methoden ge- 
»rdnet, doch ohne kritische Verarbeitung wieder- 
zegeben‘“. Das trifft für die deutschen und hollän- 
lischen Kartenwerke sicher nicht zu, für die 
anglischen voraussichtlich auch nicht. Jede einzelne 
Feststellung der Schiffe, die gewiß nicht frei von 
Fehlern ist, wurde bei dem Auszug aus den Schiffs- 
agebüchern Kritisch von erfahrenen Praktikern 
zeprüft. Ergänzungen des Materials aber für un- 
jefahrene Gegenden auf Grund theoretischer Über- 
egungen — sie mögen noch so viel Wahrschein- 
öchkeit in sich tragen — wurden nach wiederholten 
\bereinstimmenden Erwägungen der seemännischen 
and wissenschaftlichen Sachverständigen abgelehnt, 
la die Folgen für Seefahrer, Seeamtsverhandlungen 
ısw. nicht abzusehen und zu verantworten sind. 
Für nautische Kreise berechnete Strömungskarten 
— davon spricht Merz — müssen nicht nur 
nicht ergänzt werden, sondern sie dürfen nicht 
argänzt werden, und Entwürfe, wie das von 
Michaelis im Institut für Meereskunde ge- 
ırbeitete Strombild des Nordwestindischen Ozeans 
m. Januar, sind für die Praxis abzulehnen, Daß 
zeneralisierende Stromkarten im übrigen mannig- 
fachen Wert haben, bleibt natürlich bestehen, 
Die Dampferwege im Gebiete der Neufundland- 
sank (Fig. 8) entsprechen nicht den seit längerer 
Zeit bestehenden festen Abmachungen; in der eis- 
armen Zeit wird 50° W-Lg. auf westwärts be- 
stimmten Schiffen in 44° N-Br., auf Ostkurs im 
13° N-Br. geschnitten. 
Ernster noch sind die Einwendungen, die 
zegen die Darstellung der Segelschiffswege im 
\tlantisehen Ozean erhoben werden müssen. Text 
ınd Figur (für den Sommer!) gehen davon aus, 
laß angeblich der Weg von der europäischen zur 
ımerikanischen Küste auf der Ausreise weit südlich 
zewählt werde, um den Nordostpassat und die 
Nordäquatorialströmung auszunutzen. In Wirk- 
ichkeit ist dies nur ausnahmsweise im Winter und 
ir Häfen südlich von Kap Hatteras auch sonst 
Jer Fall. In mindestens 90%, der Fälle wird der 
Jlirekte Weg im Gebiet der veränderlichen West- 
winde, wie gar nicht anders zu erwarten, gewählt. 
Die in Fig. 5 eingezeichneten Winde stammen 
'n ihrer plastischen Darstellung von dem deutschen 
Meteorologen Köppen, nicht von dem Franzosen 
Angot; allerdings sind die berühmten Köppen- 
schen Kartenbilder allerorts nachgezeichnet worden, 
G. Schott. 
Vegemann, Prof. Dr. G.: Die Seen Ostholsteins, 
ihre Entstehung, Raumverhältnisse und Spiegel- 
schwankungen. 47 S. Kiel 1922. Walter 
G. Mühlau. 
In dem ersten Teil vorliegender Arbeit, die das 
Indergebnis langjähriger Untersuchungen darstellt, 
ribt der Verfasser eine ausführliche Darstellung 
Jes ehemaligen Schwentinesees. Dessen ehemalige
	        
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