Sterneck, R.: Zur Praxis der harmonischen Analyse der Gezeitenbeobachtungen.
Man tut der Übersichtlichkeit wegen gut, die Nummern am linken und
oberen Rand der Tabelle mit roter, die Werte der Ordinaten aber mit schwarzer
Tinte in die Tabelle einzusetzen, Das einmalige Abschreiben der Beobachtungen,
das die Herstellung der Tabelle A erfordert, mag vielleicht zunächst als unnütze
Arbeit erscheinen, lohnt sich aber in der Folge ganz außerordentlich, Da die
Tabelle A der ganzen Rechnung zugrunde gelegt wird, muß auf ihre Herstellung
die größte Sorgfalt verwendet werden; es ist ja auch sehr leicht, sich beim Ab-
schreiben etwa jedesmal nach einem Intervall von 10 Tagen zu versichern, daß
die Anzahl der eingetragenen Ordinaten wirklich genau um 240 zugenommen
hat, und ein eventuelles Versehen sofort zu verbessern.
II. Ausfüllung der Lücken, Fast bei jeder Station weist das Beobachtungs-
material einige größere oder kleinere Lücken auf infolge gestörter Funktion des
Mareographen, Man kann den Ausfall der einzelnen Ordinaten in der Tabelle A
durch Striche andeuten und die Lücken einfach unbeachtet lassen (indem man
dann die Mittelbildung über die entsprechend kleinere Zahl von Ordinaten er-
streckt) oder man kann zur Erhöhung der Genauigkeit die Lücken vor Beginn
der Rechnung nach irgendeinem Grundsatze ausfüllen. Fallen an einer Stelle
weniger als 24 Stundenordinaten aus, so empfiehlt es sich, an jeder leeren Stelle
das Mittel aus den beiden Wasserständen, die 25 Stunden vorher und nachher
beobachtet sind, einzusetzen. Zur Ausfüllung größerer Lücken benutze ich die
bisher unbeachtet gebliebene Tatsache, daß der Zeitraum von 4260 Stunden
(177.5 Tage) ein ziemlich genaues gemeinsames Vielfaches der Perioden der
Partialtiden M,, S,, K,, Kı, P, O ist; es ist nämlich: ;
343 Ta, = 4260,27 Stunden, 178 Tg, = 4260.34 Stunden.
355 Ts, = 4260.00 » 177 Tp = 4259.66 gi
356 Tx, = 4260.34 165 T9 = 4260.19
Nach Ablauf von 4260 Stunden liefern daher alle wichtigeren Partialtiden
(mit Ausnahme von N) wieder den gleichen Beitrag zur betreffenden Stunden-
ordinate. Man erhält also jedenfalls eine Verbesserung, wenn man größere Lücken
mit den um 4260 Stunden früher oder später beobachteten Wasser-
ständen ausfüllt, vorausgesetzt, daß sich die Beobachtungen über einen genügend
langen Zeitraum erstrecken, um die betreffenden Ordinaten noch zur Verfügung
zu haben. Eventuelle Verlagerungen der Mittellage des Wasserstandes, die
durch meteorologische Einflüsse bedingt sind, wird man bei der Heranziehung
solcher entfernteren Beobachtungen, wenn möglich, zu berücksichtigen haben‘).
Die Verwendung des doppelt so großen Intervalls, nämlich 8520 Stunden
(355 Tage), zu dem gleichen Zweck hätte den Vorteil, daB dabei auch die Tide N
zu ihrem Rechte käme, da 673 Ty = 8519.07 Stunden sind, man also in diesem
Intervall ein nahezu ganzzahliges Vielfaches der Perioden sämtlicher wichtigeren
Partialtiden vor sich hat. Doch darf man nicht übersehen, daß hier die Ab-
weichung des nächsten ganzzahligen Vielfachen von Ty, bereits eine halbe Stunde
ausmacht (686 Ty, = 8520.53 Stunden), so daß diese weitaus wichtigste Tide mit
einer um etwa 15° veränderten Kappazahl in die Lücke eintreten würde. Aus
diesem Grunde dürfte das Intervall von 4260 Stunden für den gedachten Zweck
den Vorzug verdienen,
Überdies scheint es, daß die Ausfüllung der Lücken, wenn das Beob-
achtungsmaterial nicht allzu unvollständig ist, die Ergebnisse der harmonischen
Analyse nicht sehr wesentlich beeinflußt. Ich habe zur Feststellung dieses Ein-
fusses die Amplituden H (in cm) und Kappazahlen x (in Graden) der Partial-
tiden K,, Kı, P, O für Catania und Tarent zweimal berechnet, mit und ohne
1) Man könnte dieses Intervall von 4260 Stunden (177.5 Tagen) auch mit Vorteil zu einer an-
zenäherten Vorhersage der Gezeiten benutzen. Verzichtet man auf die Berücksichtigung der
meist ziemlich kleinen Partialtide N, so kann man einfach die zu den einzelnen Stunden eines be-
stimmten Tages beobachteten Wasserstände als Vorhersage für jene verwenden, die 177.5 Tage später
am selben Orte zur Beobachtung gelangen werden. Die sogenannten Tiden langer Periode hat man
dabei ohnehin nicht zu berücksichtigen, da sie durch die meteorologisch bedingten Verlagerungen der
Mittellage des Wassers an Größe weit übertroffen werden. Letztere wird man aber nur auf Grund
der meteorologischen Faktoren, also wohl kaum für länger als etwa für die beiden folgenden Tage,
mit einiger Sicherheit angeben können,