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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 51 (1923)

Ann. d,; Hydr. USW., LT. Jahrg. (1923). Heft 11. 
Zur Ableitung der mondtäglichen Schwankung des Luftdruckes 
in der Atmosphäre. 
Von Leo Wenzel Pollak- Prag. 
Die Veranlassung zu der nachfolgenden Untersuchung war eine Arbeit 
G. Wagners!) aus dem Jahre 1912, in welcher derselbe die mondtägliche Luft- 
iruckschwankung für Batavia im Zeitraume 1881—1889, welche schon vor ihm 
lurch Herrn Bergsma abgeleitet worden war, noch einmal berechnet, und zu 
anderen Resultaten als Herr Bergsma gelangt. Wagner findet regelmäßig das 
Maximum des Luftdruckes zwischen den Kulminationen (im Mittel um 6h und 21% 
Mondzeit), während Bergsma dasselbe unmittelbar nach den Kulminationen fest- 
gestellt hat. Trotzdem Herr W. van Bemmelen?) in einer kleinen, von‘ Wagner 
unwidersprochen gelassenen Mitteilung es wahrscheinlich macht, daß die Er- 
zebnisse Herrn Wagners auf einem groben Rechenfehler in der Bestimmung der 
Kulminationszeiten für Batavia beruhen, wurde dennoch durch diese Abhandlung 
Wagners eine gewisse Unsicherheit in die Kenntnis der Ebbe und Flut des Luft- 
meeres getragen, so daß man mitunter Hinweise auf die abweichenden Ergebnisse 
Wagners findet. 
Im folgenden sollen einige Ergebnisse meiner größeren, nicht veröffent- 
lichten Untersuchung über die mondtägliche Schwankung des Luftdruckes in der 
Atmosphäre, darunter eine Widerlegung der Resultate Wagners, mitgeteilt werden, 
Das zu behandelnde Problem ist ein spezielles Problem der seit langem 
ın der Geophysik zu großer Vollkommenheit ausgebildeten harmonischen Analyse 
im weiteren Sinne des Wortes, In dem von uns zu bearbeitenden Falle ist noch 
die ins Gewicht fallende Eigentümlichkeit zu berücksichtigen, daß bei Ableitung 
der mondtäglichen Luftdruckschwankung die bedeutend größere, ih jeder Beob- 
achtung enthaltene Störung, welche vom sonnentäglichen Luftdruckgange her- 
rührt, durch eine „Klärung der Mittelwerte“ eliminiert werden muß. 
I. Wie viele Mondtage müssen zu einem Mittelwerte vereinigt werden, da- 
mit sich der Einfluß der ersten vier Glieder des sonnentäglichen Ganges gegen- 
seitig aufhebt, 
Der Luftdruck b; zu einer bestimmten Zeit t soll dargestellt werden durch 
das Zusammenwirken von drei Gruppen von Gliedern: . 
a) Aus der täglichen, vom Stundenwinkel der Sonne abhängigen Luftdruck- 
schwankung mit der Periode z = 24 Sonnenstunden, Wir denken uns die täg- 
liche Luftdruckschwankung nach der Besselschen Formel in vier Glieder 
entwickelt, 
b) Aus der in der Zeit 7, =— 24.841 Sonnenstunden ablaufenden mondtäg- 
lichen Luftdruckschwankung, welche wir uns mit Rücksicht auf die Kleinheit 
der Amplitude nur durch zwei Glieder dargestellt denken, 
c) Aus einer unperiodischen Luftdruckschwankung f(t), von welcher Funktion 
von t wir voraussetzen, daß Xf(t;) dadurch kleiner gemacht werden kann als 
1 
jede noch so kleine vorgeschriebene Zahl, daß wir die Summe über hinreichend 
viele Funktionswerte verschiedener Argumente erstrecken. 
Dann kann man den augenblicklichen Luftdruckwert zur Zeit t, gezählt 
nach Sonnenstunden, in der folgenden Form schreiben:. 
=2 =4 
bt = B-+ 3bpsin (PP 4 4 Bo) + Sagen (ZI 44 Ad) + E@. 
p=1 zZ a=1 # 
Nach je 7, Stunden brechen wir die Nebeneinanderanordnung der b{ ab 
x 976 a Änderung des Luftdruckes im anomalistischen Monat. Beiträge zur Geophysik. Bd. XI, 
5. — . 
?) Die mondtägliche Variation des Luftdruckes in Batavia. Meteorol. Ztschr. 1913, S. 98. 
Ann, d, Hydr. usw. 1923, Heft II.
	        
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