292 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1923
entsprechen würde, und führt dann weiter aus, daß selbst, wenn ein Teil der so
gefundenen Zunahme von 4.98 der westlichen Länge von Godthaab nicht reell
sein sollte, immer noch mit großer Sicherheit anzunehmen sei, daß während des
Zeitraumes von 1873 bis 1922 eine Verschiebung Grönlands nach Westen ein-
getreten wäre, und daß damit die Hypothese Alfred Wegeners ihre Bestätigung
gefunden hätte.
Diese Schlußfolgerung hat aber zur Voraussetzung, daß nicht nur die aus
dem neueren Beobachtungsmaterial erhaltenen Werte, sondern auch die aus den
früheren Beobachtungen hergeleiteten Längenwerte völlig gesichert sind, was
aber nach den Bemerkungen, die der Bearbeiter, der inzwischen verstorbene
V. Hjort1), über die früheren Beobachtungen macht, nicht der Fall zu sein scheint,
Leider aber ist es jetzt nicht mehr möglich, die Längenbestimmungen aus
den Jahren 1863 und 1882/83 einer Durchsicht und Neubearbeitung zu unter-
ziehen, da die Originalbeobachtungen sowohl als auch die Berechnungen nicht
mehr vorhanden sind. Jedoch kann wohl erwartet werden, daß die nunmehr in
Angriff genommenen systematischen Längenbestimmungen der dänischen Regierung
mit Hilfe der Funkentelegraphie schon in verhältnismäßig kurzer Zeit eine Ent-
scheidung über die Gültigkeit der Wegenerschen Hypothese von der Verschiebung
Grönlands nach Westen herbeiführen werden,
Hamburg, den 10. Oktober 1923.
Kleinere Mitteilungen.
1. Über die Nachwirkungen der Eiswinter auf die Tiefentemperaturen
im Kattegat hat Johan Gehrke eine sowohl methodisch wie in bezug auf die
Ergebnisse bemerkenswerte Studie verfaßt (On the after-effect of ice-winters upon
the deep-sea temperatures of the Kattegat, Publications de circonstance No. 75,
Kopenhagen 1922). Als „Eiswinter“ bezeichnet Gehrke jene Winter, in denen
eins oder mehrere der vier entlang der tiefen Rinne im Kattegat gelegenen
Feuerschiffe „Skagens Rev“, „Laesö Trindel“, „Anholt Knob“, „Schultz’s Grund“
wegen zu starken Eisganges kürzere oder längere Zeit zurückgezogen. werden
mußten. Alle anderen sind „eisfreie Winter“, sie waren nicht alle wirklich eis-
frei, das Eis hatte aber so geringe Ausdehnung, daß die Schiffe auf ihren Plätzen
bleiben konnten. Als Ende der Eisperiode wurde der Zeitpunkt angesehen, an
dem das letzte der vier Feuerschiffe auf Station zurückgekehrt war. Während
der 39 Jahre, die zur Untersuchung zur Verfügung standen (1880—1918), traten
13 Winter auf, die nach der gegebenen Definition Eiswinter zu nennen sind.
Die in den Eiswintern in den Monaten nach Ende der Eisperiode von Bord der
Feuerschiffe aus gemessenen Tiefentemperaturen zeigen nun charakteristische
Abweichungen gegenüber den nach eisfreien Wintern festzustellenden Tempera-
turen. Wenn für alle 13 Jahre mit Eiswintern und getrennt davon für die
übrigen 26 Jahre die Monatsmittel der täglich festgestellten Temperaturen ge-
bildet werden, indem jeweils die Temperatur des ersten Monats nach Ende der
Eisperiode, des zweiten Monats usw. zusammengefaßt werden, so ergeben sich
zwischen diesen Werten folgende Differenzen, die also Temperaturanomalien des
Tiefenwassers bei den betreffenden Feuerschiffen in Jahren mit Eiswintern sind:
Temperaturanomalien im Kattegat in Jahren mit Eiswintern.
Monat nach Ende der Eisperiode | 1.
Skagens Rey 1/2 (15-/- 38) m Tiefe | —1.33 | — 0.96
Anholt Knob ‘28m 0.0 —08
Schultz’s Grund 26m 0.28 0.09
3 t
| a, ] 6
5 | €
—0.19 | —0.07! 0.26 0.26
—08 | +01 | 01 0.3
— 0.67 | —128 | —0.70| -—0.32
iy Observations internationales polaires 1882—83. Expedition danoise. Observations faites ä
Godthaab sous la direction de Adam Paulsen, Directeur de l’Institut M6t&orologique du Danemark,
Publi6es par l’Institut Met6orologique du Danemark, Tome II, 1. livraison, 11I. La Longitude de
Godthaab. Copenhague 1886.