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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 51 (1923)

Stück, E.: Breiten- und Längenbestimmungen in Westgrönland im Sommer 1922. 291 
Die geographische Breite wurde aus der Beobachtung von Circummeridian- 
Zenitdistanzen der Sonne hergeleitet. Messungen von Zenitdistanzen der Sonne 
in der Nähe des I. Vertikals dienten zur Zeit- und Azimutbestimmung. 
Die für Egedesminde und Holsteinborg erhaltenen Ergebnisse für die 
geogr. Koordinaten sind nur als Näherungswerte anzusehen, da die günstigsten 
Beobachtungszeiten dafür nicht ausgenutzt werden konnten, 
Außer der Sonne wurde auch der Polarstern zu Breiten- und Azimut- 
bestimmungen benutzt. Auch wurden Meridianzenitdistanzen von Sternen zur 
Breiten- und Meridiandurchgänge der Sterne zur Zeitbestimmung verwandt. 
Die sämtlichen Beobachtungen sind vollständig veröffentlicht, ebenso 
wurden die daraus abgeleiteten Ergebnisse sowie die zur Berechnung benutzten 
Formeln mitgeteilt. Rechenbeispiele für die verschiedenen Arten von Beob- 
achtungen zeigen den Gang der Berechnungen, so daß man einen genauen Ein- 
blick in die sorgfältige Bearbeitung der Messungsergebnisse erhält, 
Das Endergebnis der geographischen Ortsbestimmungen ist: 
Name der Station 
Breite 
aus *- | aus - | 
Beobachtungen 
Unter- 
schied 
Länge . 
aus *- | aus O- 
Beobachtungen 
Unter- 
schied 
Godhayn 5 2 WA 
Kornok. ... 
Fulianchaub . 
Godthaab. . 
690 14 300 | 3h 94m 7,78 
1.1” — 
64° 32 7 3h 24m 22,58 
+1,27 + 0.18 
60° 42’ 58” 3h 4m 9,58 
1.37 + 0.158 
640 100 48 | 3h 26m 58.78 
1 1.3 , + 0.18 
In dieser Zusammenstellung geben die unter den Breiten- und* Längen- 
werten stehenden Zahlen die mittleren Fehler an, die aus den Einzelwerten her- 
geleitet wurden. 
Der Grund für die starken Abweichungen der Breitenmessungen aus Stern- 
und Sonnenbeobachtungen auf den beiden Küstenstationen; Godhavn (16”) und 
Godthaab (15”), ist, wie Jensen angibt, in den Refraktionsungleichheiten an 
beiden Orten zu suchen, Bei den beiden anderen weiter im Inneren des Landes 
gelegenen Stationen zeigen sich dagegen nur Abweichungen zwischen den Sonnen- 
und Sternbeobachtungen für Breite von 8". 
Am Schlusse der sehr fleißigen und mit großer Sorgfalt durchgeführten 
Bearbeitung werden die Ergebnisse der in den Jahren 1863 und 1882/83 für 
Godthaab erhaltenen Längenbestimmungen mitgeteilt. Im Jahre 1863 hatten. die 
beiden dänischen Seeoffiziere, Falbe und Bluhme, als Wert für die Länge des 
Beobachtungsortes (Flaggenmast) in Godthaab aus beobachteten Mondkulminationen 
die Werte: 3h 26m 56.58 W von Greenwich (Beob. Falbe) und 
3h 26m 53.58 W « « ( « Bluhme) gefunden, 
Während des internationalen Polarjahres 1882/83 hatte ferner in der Zeit 
vom September 1882 bis zum April 1883 der dänische Seeoffizier Leutnant Ryder 
— der spätere Direktor des Königl, Dänischen Meteorologischen Instituts — die 
geographische Länge des Flaggenmastes gleichfalls durch Beobachtung von Mond- 
kulminationen bestimmt und dafür den Wert: 
3h 26m 52,88 W von Greenwich erhalten. 
Durch Zusammenfassung der beiden Werte von 1863 und des Wertes aus 
den Jahren.1882/83 wird der Mittelwert 
3h 26m 53,88 W von Greenwich, gültig für die Mittelzeit 1873 
abgeleitet; wohingegen für denselben Ort im Sommer 1922 von Jensen der Wert: 
3h 26m 58,78 4- 0.15 gefunden wurde. , 
Jensen schließt nun hieraus, daß in den 49 Jahren von 1873 bis 1922 in 
der ‚Breite von Godthaab eine Verschiebung Grönlands von. 4.98 + 0.85% nach 
Westen stattgefunden hat, was einer jährlichen westlichen Bewegung von 20.2 m 
«77
	        
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