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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1923
werte der Tabelle 2, so ergibt sich für Königsberg 0.6, für De Bilt 0.8, für
Paris 1.1, und für Straßburg 1.3, d.h. ein Tiefdruckgebiet hatte an der franzö6-
sischen Küste stärkere Brandung hervorgerufen, mußte also in der Nähe des
Kanals liegen. Umgekehrt weist die Bodenunruhe am 2, Februar 1914 um 6h
mit 15% in Königsberg, 13x in De Bilt, 8% in Paris und 10% in Straßburg
darauf hin, daß ein intensiveres Tiefdruckgebiet in Norwegen starke Brandung
verursachte, da wir nach Division durch die Faktoren der Tabelle 2 jetzt fol-
gende Werte erhalten: Königsberg 1.9, De Bilt 1.6, Paris 1.1, Straßburg 1.3. Auf
die zahlreichen Feinheiten einzugehen, insbesondere bei Benutzung vieler Stationen,
ist hier nicht möglich; die kurze Skizzierung der Methode möge genügen und der
Hinweis, daß 'man in Irkutsk an dem Zu- und Abnehmen der Bodenunruhe auf
das Zunehmen oder Abnehmen von Brandungen an !/, Erdumfang entfernten
Küsten schließen kann, den Beschluß dieser Mitteilung bilden,
Breiten- und Längenbestimmungen in Westgrönland im Sommer 1922%.
Der dänische Oberstleutnant P. F. Jensen unternahm im Sommer 1922 im
amtlichen Auftrage eine‘ Forschungsreise nach Westgrönland, um Längen- und
Breitenbestimmungen an einigen Punkten der grönländischen Westküste auszu-
führen. Außerdem war beabsichtigt, zur späteren genauen Feststellung der nach
der Wegenerschen Hypothese vermuteten Verschiebung Grönlands eine Längen-
station. in der Nähe von Godthaab auszuwählen und festzulegen. Die Expedition
war mit allen nötigen Apparaten und Hilfsmitteln ausgerüstet, um funkentele-
graphische Zeitzeichen aufzunehmen, Im Verlaufe der Reise gelang es auch, für
Egedesminde und Holsteinborg genäherte Werte für Breite und Länge zu bestimmen.
Der Hauptzweck war aber, wie erwähnt, einen ‚geeigneten Platz zur An-
lage der künftigen Längenstation ausfindig zu machen. Jensen wählte dafür
Kornok am Godthaabfjord und benutzte die sich bietende Gelegenheit, um für
die Station Godthaab gute Längen- und Breitenmessungen zu erlangen, da von
Godthaab schon aus dem internationalen Polarjahr 1882/83 eine Längenbestimmung
durch Ryder vorlag, die daraufhin geprüft werden sollte, ob sie in Verbindung
mit der im Jahre 1922 erhaltenen Bestimmung zur Bestätigung der Wegenerschen
Hypothese verwendet werden könnte. Die für die Ausführung der Arbeiten vor-
gesehene Zeit war allerdings ziemlich kurz bemessen. Die Beobachtungen wurden
mit Hilfe eines Theodoliten von M. Hildebrand in Freiberg i. S. erhalten,
dessen Höhen- und Horizontalkreise von 10 zu 10 Minuten geteilt und mit
Mikroskopen auf zwei Sekunden ablesbar waren. Der Teilwert der Höhenlibelle
betrug 4.8” und der der Achsenlibelle 5.46”... Das Fernrohrobjektiv hatte einen
Durchmesser von 35 mm und eine Brennweite von 250.6 mm. Das Fadennetz
enthielt außer zwei Horizontalfäden sechs Vertikalfäden, deren Abstände von
der Mitte zu 40.1, 20.5°, 1,85, 1,8%, 19.5®° und 39.58
bestimmt worden waren, Ferner besaß das Instrument ein Okularprisma nebst
Sonnenglas. Das Fernrohr saß exzentrisch an der horizontalen Drehachse. Die
Beleuchtung lieferte eine Akkumulatorenbatterie, die den Strom für eine 8-Volt-
Lampe erzeugte.
Außerdem standen der Expedition drei Seechronometer zur Verfügung,
von denen aber eins durch Bruch der Feder während der Ausreise unbrauchbar
geworden war; von den beiden noch übrigen Chronometern war das eine nach
Sternzeit und das andere nach mittlerer Zeit reguliert. Als Reserve waren noch
zwei Taschenchronometer vorhanden. Die Chronometer wurden beinahe jeden
Tag mit den Zeitsignalen der großen europäischen, Funkstationen verglichen.
Außer der Station Nauen, deren Abgabezeit für die Beobachtungen besonders
bequem lag, wurden auch Lyon; Lafayette und Annapolis gleich gut gehört. Zu der
astronomischen Ausrüstung kam noch eine vollständige funkentelegraphische hinzu.
ı) 1. F. Jensen: Ekspeditionen Til Vestgrenland, Sommeren 1922, S.-Abdr. aus Meddelelser
am Grenland. LXII. Kopenhagen 1923.