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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 51 (1923)

Gutenberg, B.: Brandung und Bodenunruhe, 
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Abweichung des Korrelationsfaktors von 1 miterklärt, während andererseits auch 
der Einfluß anderer Brandungen, besonders der westbritischen, eine Rolle spielt 
und besonders dann größere Abweichungen ergibt, wenn die norwegische Brandung 
sehr klein ist. 
1, Die tägliche Periode der Bodenunruhe. Schon frühzeitig hatte Mazelle 
in Triest festgestellt, daß unsere Bewegung ein schwaches Maximum mittags, ein 
Minimum nachts besitzt. Diese Tatsache wurde mehrfach bestätigt. Die Er- 
klärung dürfte darin zu suchen sein, daß der Seegang durch den Wind hervor- 
gerufen wird, und dieser ebenfalls auf See ein schwaches, an Land ein stärkeres 
Maximum um Mittag besitzt. 
IV. Die Änderung der Perioden bei der Fortpflanzung der Bodenunruhe. 
In einer Diskussion über die Bodenunruhe machte mich F. Linke darauf auf- 
merksam, daß nach seinen Beobachtungen einerseits die Perioden der Meeres- 
wellen anwachsen, je mehr sich diese vom Sturmzentrum entfernen, und daß 
andererseits analog in Apia die Periode T der Bodenunruhe um so größer ist, 
je weiter das Sturmzentrum entfernt ist. Es ist dort direkt möglich, aus dem 
Wechsel der Bodenunruheperiode auf die Sturmbahn zu schließen!). Hierbei 
muß die Amplitude A der Wellen — von der Schwächung bei der Ausbreitung 
und der Absorption abgesehen — wachsen, da die Energie E = CE konstant 
bleiben muß. In Europa läßt sich die gleiche Erscheinung feststellen. Einmal 
zeigt überall die Bodenunruhe durch lokale Brandung kleinere Perioden (etwa 
4 Sek.) als die oben besprochene Bewegung, andererseits konnte ich zeigen, daß 
die Periode im Innern von Eurasien stets höher ist als in der Nähe der Küsten, 
und zwar um 10 bis 25%; es müßten dann im Innern des Kontinents die 
Amplituden, von den erwähnten anderen Einflüssen abgesehen, um den gleichen 
Betrag höher sein, Hierdurch wird die Tatsache mit erklärt, daß die Boden- 
unruhe noch in Zentralasien registriert wird. 
V. Die Größe der Bodenunruhe in Europa und Asien, Für die Größe der 
Bodenunruhe konnte ich folgende Relativzahlen (Einheit willkürlich) ableiten: 
Tabeile 2. 
Reykjavik .. 
Eskdalemuir . 
Königsberg . ; 
Hamburg .... 
De Blt ....... 
Decle........-. 
Paris ......... 
Straßburg ...... 
Cartuja. ....... 
‚| 
Sn 
M 
U, 
237, 
Opsala ......-. 
Aöttingen. ..... 
Dotsdam ...... 
Tena. ........ 
Aschen ......: 
3Zochum. ...... 
Jeidelberg .,... 
München ..... 
Zürich 2... 
en 
A 
if 
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JM 
Pulkovo...... 
Wien. ....... 
Graz... ..... 
Triest ....... 
Tiflis... 0.0... 
Baku........ 
Makejewka .... 
Taschkent. .. 
Irkutsk .. 
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Man sieht, daß die Entfernung vom Meere wesentlich ist, dann spielen 
aber auch die Geologie und Tektonik des Untergrundes eine große Rolle. Wirkt 
die Brandung auf eine tektonische Einheit, so zeigen alle Stationen derselben 
besonders große Bodenunruhe, So schwingen z. B. bei starker Brandung in Nor- 
wegen Skandinavien, die russische Platte und deren Nachbargebiete besonders stark, 
VI. Bodenunruhe und Wettervorhersage. Die für Apia verwandte Methode 
von F. Linke hatten wir schon skizziert, Die oben unter V. gewonnenen Er- 
gebnisse gestatten in anderer Weise einem geübten Seismologen aus den Angaben 
über die Bodenunruhe an wenigen, besonders ausgewählten Stationen, z. B. 
Königsberg, Hamburg, De Bilt, Paris oder Straßburg, die ungefähre Stärke der 
Brandung an den Hauptküsten Westeuropas sowie deren Änderungen festzustellen 
und damit einen Anhalt über Tiefdruckgebiete zu erhalten. So war z, B. am 
26. März 1914 um 6b die Bodenunruhe in Königsberg 4!/, u, in De Bilt 64, in 
Paris 8u und in Straßburg 10%. Teilen wir diese Zahlen durch die Relativ- 
:) F. Linke, Die Brandungsbewegung des Erdbodens und ein Versuch ihrer Verwendung in 
der praktischen Meteorologie. Abhandl. der Kgl. Ges. d. Wissensch. zu Göttingen. Neue Folge VII, 
Ergebnisse. der Arbeiten des Samoa-Observat. III, Berlin 1909,
	        
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