288 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1923.
Zunahme der Bodenunruhe bei steigendem Seegang, der an Stelle der unbekannten
Brandung benutzt werden muß, zu rechnen ist, zog er doch mangels geeigneter
Grundlagen die Verwendung linearer Beziehungen vor,
II. Seegang in Norwegen und Bodenunruhe in Göttingen, Bereits in meiner
Dissertation!) verglich ich die Bodenunruhe in Göttingen mit einem quadratischen
Mittel des norwegischen Seegangs mit Entfernungsfaktoren
5 = VE,
wobei n, m, s den Seegang von Bodö (Nord), Christiansund (Mitte) und Skudenes (Süd)
bedeuten. Nach unseren Überlegungen ist daher zu erwarten, daß zwischen der
Amplitude A der Bodenunruhe in Göttingen und dem Quadrat des Seegangs-
mittels B angenähert eine Beziehung von der Form
A = aB?Lc
besteht, wo a und c zu bestimmende Konstanten sind. Sowohl für A wie für B
gibt Tabelle 27 meiner Dissertation die jährliche Periode, Die Werte für A
und B? sind hiernach in der folgenden Tabelle 1 eingetragen. Berechnen wir
nun für beide den Korrelationsfaktor r, dessen Einführung in dieses Gebiet .ein
Verdienst von O, Meißner ist, so finden wir, daß dieser bei Berücksichtigung
des nach den Angaben von O. Meißner berechneten mittleren Fehlers über 0.90
liegt, d. h. die Korrelation zwischen A und B? ist sehr ausgeprägt.
Tabelle 1. (Mittel 1. III. 1906—28. II. 1910.)
Monat
Januar ...
Februar. ..
März ....
April ....
Mai .....
Juni... ..
i
Agin & |
Göttingen B}
Differenz
beob.—ber.
D.C
0.6
0.40
0.22
d.11
37.05
44 40.02
12.1 — 0.03
84 0.05
| 60 )} +0,06
| 51 40.02
A3 „002
Monat
Jui.....
August, ..
September .
Oktober ..
November .
Dezember .
AEX in “ | 2
Göttingen B
04 3,9
005 | 69
0.12 63
0.28 | 92
0.35 | 94
0.67 11.4
Differenz
beob—ber.
+0.04
— 0.03
— 0.06
— 0.13
— 0.06
0.08
Nach O. Meißners Angaben lassen sich nun auch die Konstanten a und ©
leicht berechnen, und es ergibt sich
A = 0.0785 B? — 0.29.
Rechnet man hiernach A aus und bildet die in Tabelle 1 eingetragene Differenz
beobachtete—berechnete Werte, so erkennt man eine vorzügliche Übereinstimmung
zwischen diesen mit Ausnahme des Herbstes, wo die Beobachtungen erheblich zu
tief liegen. Die Ursache hierfür ist leicht zu finden: Im Herbst verhindert oft
ein mehrere Tage lang über Europa liegendes Hochdruckgebiet die Tiefdruck-
gebiete am Überqueren von Norwegen, wir haben dann an der norwegischen
Küste selten starke, anlandige Winde, In der Tat ergibt sich aus Tabelle 18
meiner Dissertation, daß im Mittel von vier Jahren (1. III, 1906—28, II. 1910) im
Herbst nur 13%, aller starken Winde gegen die Küste wehten, während es in
den übrigen Jahreszeiten 18—27%, waren. Da nun der Seegang bei Wind gegen
die Küste größere Energiemengen auf diese überträgt, als in den anderen Fällen,
ist in der Tat zu erwarten, daß im’ Mittel im Herbst dem gleichen Seegang
kleinere Bewegung entspricht als in den übrigen Jahreszeiten! Eine schöne Be-
stätigung für unsere Theorie!
Welche Bedeutung hat nun die Konstante ce = — 0.29? Falls 0.078 B? = 0,29
ist, d.h. B= 1.6, wird A = 0, für kleinere Werte von B wird A der Rechnung
nach negativ. In Wirklichkeit beginnt die besprochene Art der Bodenunruhe in
Göttingen erst auf den Diagrammen sichtbar zu werden, wenn B etwa über 2
steigt. Die Ausgleichsgerade A = aB?-c müßte eigentlich bis zum Schwell-
wert von B?=— 4 durch. den Wert A = 0 ersetzt werden; es würden dann ©
absolut und a etwas größer, als unsere Rechnung ergab. Wir sehen jedenfalls
hier die Grenzen der angewandten Methode. Hierdurch wird auch die geringe
1) Beiträge zur Geophysik, Bd. 11, S. 314—353.