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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1923
Der rasche, sich manchmal mehrere Tage hintereinander wiederholende
Wechsel von Typus III und II oder auch von Typus I und II 1äßt vermuten, daß
auch die Äquatorialfront eine Wellenlinie ist, die Zungen warmer Luft, die
sich äquatorwärts ausdehnen, von Zungen kalter Luft trennt, die polwärts vor-
stoßen. Wesentliche Unterschiede zwischen Polarfront und Äquatorialfront
sind aber dadurch bedingt, daß erstere sich am Erdboden befindet, letztere in
der Höhe.. Dadurch kann sich die vom Pol kommende kalte Luft nur längs
des Bodens ausbreiten, die kalten äquatorialen Luftmassen in der Substratosphäre
können aber auch, wenn sie in höhere Breiten, in wärmeres Gebiet, gelangen,
absinken. Ferner bewirkt an der Polarfront die Bodenreibung eine Veränderung
der Richtung der Stromlinien, und zwar nach innen, gegen den niedrigen Druck,
in den zyklonischen Wirbeln, und nach außen, vom Hochdruck weg, in den anti-
zyklonischen Wirbeln, wodurch die bekannte Temperaturasymmetrie der Druck-
gebiete an der Erdoberfläche entsteht. An’ der Äquatorialfront sind infolge des
Wegfalls der Bodenreibung die Stromlinien den Isobaren annähernd parallel.
Die relativen Hoch- und Tiefdruckgebiete der Stratosphäre sind daher, wie
F. M. Exner!) nachgewiesen hat, nicht asymmetrisch gebaut.
Aus dem sehr spärlichen aerologischen Beobachtungsmaterial, das mir an
meinem Tätigkeitsorte zur Verfügung steht, kann ich nur die folgenden wenigen
Beispiele zur Stützung der dargelegten Anschauungen anführen. Die Beobachtungs-
daten sind den „Münchener Registrierballonfahrten“ in den Jahren 1907, 1908
und 1922 entnommen?).
Beispiel 1.
24. Juli 1907
Seehöhe | Temp. | Gradient|
°C. 14t/100 m
25. Juli 1907
Seehöhe | Temp. (Gradient
m °C. [At/100 m
26. Juli 1907
Seehöhe | Temp. |Gradient
i °C. |4t/100m
27. Juli 1907
Seehöhe | Temp. rir
m °C. |4t/100 m
m
9 000
10 000
11 000
11425
11540
11 920
12 000
12390
— 838.4)
— 46.4|
— 52.1 } 0.59
54.00 _ 9.68
— ö $—0.13
a »— 0.58
—528
_ 489
9000 ı— 36.4
10000 — 45.1
11000 — 54.3 ) 058
11760 —58,34
11880 5881 00
12.000 |— 56.8 | —1.68'
12 265 - 51.8
13 000 |— 50.2
9.000 }— 88.5] 9.000 ‚— 86.9
10 000 ;— 47,38 10.000 ‚— 45.7
11000 — m 0.49 11000 |— 528 0.35
11570 — 57.7 —9.7 11.425 = 53,8 y — 0.98
11660 — 55,2 ( La | 11700 — 513
11700 1— 54.71{ | 12 000 - 50.8/5 — 0.09
11940 .— 49.77 7 1 149590 1— Z
12.000 |— 49.6 1 12710 |— 48.0 }— 1.22
1
Am 24, Juli zeigt die Temperaturkurve deutlich Typus III: die Äquatorial-
front liegt südlich. Vom 24, zum 25. Kälteeinbruch in der Schicht zwischen
11000 und 12000 m, der Temperatur-
rückgang beträgt 4° bis 5°; Höher-
eücken der Troposphärengrenze (in der
Tabelle dicker Strich) um 335 m, be-
deutender Temperatursprung zwischen
L1880 und 12000 m deutet die Diskon-
tinuitätsfläche zwischen äquatorialer
und polarer Luft an (in der Tabelle
feiner Doppelstrich). Dieselbe liegt nur
120 m höher als die Troposphärengrenze,
die Äquatorialfront ist daher nicht weit
über den Beobachtungsort polwärts vor-
gedrungen, doch deutlicher Typus IL
Vom 25. bis 27. Juli allmähliche Wieder-
earwärmung der Schicht, Senkung der
Troposphärengrenze zur ursprünglichen
Höhe, Temperaturkurve geht wieder
') F. M. Exner, Meteorol, Zeitschr, 1921, Seite 297,
#3 Deutsches Met. Jahrbuch f. Bayern 1907, 1908, 1922,
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