Baur, F.: Polarfront und Äquatorialfront.
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eine größere Winkelgeschwindigkeit besitzen als die vom Polargebiet kommenden
warmen Luftmassen. Die Grenzfläche beider muß daher nach dem Prinzip,
daß Volumelemente mit größerer Zentrifugalkraft unter sonst gleichen Umständen
ihren Platz weiter von der Achse weg finden als Elemente mit kleinerer Zentri-
fugalkraft, mehr abgeplattet als die Isobarenflächen beider Schichten, somit
polwärts geneigt sein, während die Passatgleitfläche und die Polargleitfläche
in der Troposphäre gegen den Äquator geneigt sind. Die Differenz der absoluten
Winkelgeschwindigkeiten der oberen und unteren Schicht wird an der Gleitfläche
der kalten und warmen Massen größer sein als an der. Grenzfläche der Tropo-
sphäre, daher wird erstere mehr gegen den Pol geneigt sein, als dies bei der
Troposphärengrenze der Fall ist, und es wird im allgemeinen eine Schnittlinie
zwischen jener Gleitfläche und der Troposphärengrenze geben. Diese Schnitt-
linie wird zweckmäßig als „Äquatorialfront“ bezeichnet, da sie das Gegen-
stück zur Schnittlinie der analogen Gleitfläche in der Troposphäre mit der Erd-
oberfläche bildet. Auch Schmauß hat bereits den Ausdruck „Äquatorialfront“
gebraucht. Er bezeichnet jedoch damit‘) die „zwischen der Passatströmung. und
der Strömung der gemäßigten Breiten liegende Diskontinuitätsfläche“. Diese
Fläche und ihre Schnittlinie mit der Erdoberfläche, die Divergenzlinie des
subtropischen Hochdruckgürtels, ist kein vollkommenes Gegenstück zur Polar-
front, da sie keine Trennungsfläche verschieden temperierter Luftmassen ist.
Dies trifft aber für die besprochene vierte Diskontinuitätsfläche in der Strato-
sphäre zu, ihre Schnittlinie mit der Troposphärengrenze ist daher das Gegen-
stück zur Polarfront.
Erweitert man das Bjerknessche Isothermenschema der freien Atmosphäre
unter Berücksichtigung obiger Ausführungen über die Troposphärengrenze
hinaus, so erhält man die nebenstehende
Figur 1: Temperaturabnahme vom Aquator
gegen den Pol in der Troposphäre, vom Pol
nach dem Äquator in den höchsten Teilen
der Troposphäre und den angrenzenden Teilen
der Stratosphäre; Faltung der isothermen
Flächen in der Troposphäre dort, wo sie die
tropische und die polare, äquatorwärts ge-
neigte Gleitfläche schneiden, größte Höhe der
Troposphäre an den Rändern des Äquatorial-
gebiets, in etwa 20° Breite; in der Strato-
sphäre relativ warme Massen um die ver-
längerte Erdachse, Saturnring kalter Luft um
die Äquatorebene, Faltung der isothermen
Flächen an der polwärts geneigten vierten
Fi. 2 Diskontinuitätsfläche, und zwar in entgegengesetzter Richtung
a wie an den Gleitflächen in der Troposphäre.
Durchschneidet man die Atmosphäre an den Punkten
Bı, Ba und B; lotrecht, so erhält man in B, eine Temperatur-
zustandskurve von der Form I der Figur 2, in B, die Kurve II
und in B, die Kurve III. Man sieht sofort die Ähnlichkeit
dieser Kurven mit den drei ersten der bekannten von Schmauß?)
aufgestellten vier Typen des Überganges von der Troposphäre
zur Stratosphäre. Da die Äquatorialfront beweglich ist, kann
ji man das Ergebnis auch so fassen: Ist die Aquatorialfront
weit über den Beobachtungsort hinaus polwärts vorgestoßen,
dann haben wir eine Temperaturzustandskurve vom Typus I, liegt sie nur wenig
mehr polwärts als der Beobachtungsort, dann haben wir Typus II, und liegt sie
in niedereren Breiten als der Beobachter, dann ist die Kurve vom Typus III.
1) Ergebnisse der aerologischen Tagung 1921 (Sonderheft der „Beiträge zur Physik d. freien
Atm.‘“ 1922) Seite 36.
2) Münchner Aerologische Studien Nr. 1 (Deutsches Met. Jahrb. f. Bayern 1912),