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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 51 (1923)

Baur, F.: Polarfront und Äquatorialfront. 
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eine größere Winkelgeschwindigkeit besitzen als die vom Polargebiet kommenden 
warmen Luftmassen. Die Grenzfläche beider muß daher nach dem Prinzip, 
daß Volumelemente mit größerer Zentrifugalkraft unter sonst gleichen Umständen 
ihren Platz weiter von der Achse weg finden als Elemente mit kleinerer Zentri- 
fugalkraft, mehr abgeplattet als die Isobarenflächen beider Schichten, somit 
polwärts geneigt sein, während die Passatgleitfläche und die Polargleitfläche 
in der Troposphäre gegen den Äquator geneigt sind. Die Differenz der absoluten 
Winkelgeschwindigkeiten der oberen und unteren Schicht wird an der Gleitfläche 
der kalten und warmen Massen größer sein als an der. Grenzfläche der Tropo- 
sphäre, daher wird erstere mehr gegen den Pol geneigt sein, als dies bei der 
Troposphärengrenze der Fall ist, und es wird im allgemeinen eine Schnittlinie 
zwischen jener Gleitfläche und der Troposphärengrenze geben. Diese Schnitt- 
linie wird zweckmäßig als „Äquatorialfront“ bezeichnet, da sie das Gegen- 
stück zur Schnittlinie der analogen Gleitfläche in der Troposphäre mit der Erd- 
oberfläche bildet. Auch Schmauß hat bereits den Ausdruck „Äquatorialfront“ 
gebraucht. Er bezeichnet jedoch damit‘) die „zwischen der Passatströmung. und 
der Strömung der gemäßigten Breiten liegende Diskontinuitätsfläche“. Diese 
Fläche und ihre Schnittlinie mit der Erdoberfläche, die Divergenzlinie des 
subtropischen Hochdruckgürtels, ist kein vollkommenes Gegenstück zur Polar- 
front, da sie keine Trennungsfläche verschieden temperierter Luftmassen ist. 
Dies trifft aber für die besprochene vierte Diskontinuitätsfläche in der Strato- 
sphäre zu, ihre Schnittlinie mit der Troposphärengrenze ist daher das Gegen- 
stück zur Polarfront. 
Erweitert man das Bjerknessche Isothermenschema der freien Atmosphäre 
unter Berücksichtigung obiger Ausführungen über die Troposphärengrenze 
hinaus, so erhält man die nebenstehende 
Figur 1: Temperaturabnahme vom Aquator 
gegen den Pol in der Troposphäre, vom Pol 
nach dem Äquator in den höchsten Teilen 
der Troposphäre und den angrenzenden Teilen 
der Stratosphäre; Faltung der isothermen 
Flächen in der Troposphäre dort, wo sie die 
tropische und die polare, äquatorwärts ge- 
neigte Gleitfläche schneiden, größte Höhe der 
Troposphäre an den Rändern des Äquatorial- 
gebiets, in etwa 20° Breite; in der Strato- 
sphäre relativ warme Massen um die ver- 
längerte Erdachse, Saturnring kalter Luft um 
die Äquatorebene, Faltung der isothermen 
Flächen an der polwärts geneigten vierten 
Fi. 2 Diskontinuitätsfläche, und zwar in entgegengesetzter Richtung 
a wie an den Gleitflächen in der Troposphäre. 
Durchschneidet man die Atmosphäre an den Punkten 
Bı, Ba und B; lotrecht, so erhält man in B, eine Temperatur- 
zustandskurve von der Form I der Figur 2, in B, die Kurve II 
und in B, die Kurve III. Man sieht sofort die Ähnlichkeit 
dieser Kurven mit den drei ersten der bekannten von Schmauß?) 
aufgestellten vier Typen des Überganges von der Troposphäre 
zur Stratosphäre. Da die Äquatorialfront beweglich ist, kann 
ji man das Ergebnis auch so fassen: Ist die Aquatorialfront 
weit über den Beobachtungsort hinaus polwärts vorgestoßen, 
dann haben wir eine Temperaturzustandskurve vom Typus I, liegt sie nur wenig 
mehr polwärts als der Beobachtungsort, dann haben wir Typus II, und liegt sie 
in niedereren Breiten als der Beobachter, dann ist die Kurve vom Typus III. 
1) Ergebnisse der aerologischen Tagung 1921 (Sonderheft der „Beiträge zur Physik d. freien 
Atm.‘“ 1922) Seite 36. 
2) Münchner Aerologische Studien Nr. 1 (Deutsches Met. Jahrb. f. Bayern 1912),
	        
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