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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 51 (1923)

2832 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1923. 
stromwasser in 40° S-Br. wird häufig bis 10° O-Lg. festgestellt!), nach Michaelis’ 
und Meyers Karten ist dies aber völlig ausgeschlossen, da hier die Westwind- 
trift herrscht. 
Es könnte nun entgegnet werden, daß alle obigen angeführten Beob- 
achtungen Einzelfälle wären, denen ein durch Besteckversetzungen gesichertes 
Strombild entgegenstünde. Inwieweit das Strombild gesichert ist, darüber gibt 
uns exakt die Darstellung von Meyer Aufschluß, Die Zahl der Besteckver- 
setzungen im Eingradfeld beträgt durchschnittlich 1—4, die Zahl ist also bei 
weitem nicht hinreichend, um ein einwandfreies Bild zu erhalten, und wir müssen 
annehmen, daß für die Karten von Michaelis, trotzdem die Pfeile „reiches 
Material“ angeben, ähnliches gelten wird. Berücksichtigen wir jetzt noch eine 
wichtige Tatsache, daß in sturmreichen Gebieten die Versetzungen relativ un- 
sicher sind und das in Frage stehende Gebiet sehr sturmreich ist, so kommen 
wir zu dem Schluß, daß die Darstellung von Michealis und Meyer hier nicht 
befriedigt, da sie der Gesamtheit der Beobachtungen nicht gerecht wird?). Ich 
glaube, daß sowohl der Seemann wie der Wissenschaftler vorläufig ein richtigeres 
Bild über die betreffenden Stromvorgänge durch das Heranziehen der statistischen 
Unterlagen in Verbindung mit Textbüchern gewinnen werden. Wenn Michaelis 
(S. 28) ausführt, daß der holländische und deutsche Stromatlas mit Schotts 
Darstellung auf der Weltkarte von 1917 nicht in Einklang zu bringen sind, so 
kann man ihm entgegenhalten, daß hier die Versetzungen nicht ausschlaggebend 
sein dürfen und daß ja die Forderung aufgestellt ist, aus den mit Fehlern behafteten 
statistischen Angaben das wahre Strombild herauszuarbeiten (Meyer S. 13). 
Kurz mögen noch einige Gebiete im Indischen Ozean erörtert werden, 
deren Stromdarstellnng - mir nicht gelungen erscheint, So sehen wir im Januar 
im nördlichen und mittleren Teil des Arabischen Meerbusens eine Strombewegung, 
die Wasser von Norden und Osten nach Westen führt, ohne daß irgendwelcher 
Ersatz für das fortgeführte Wasser geliefert wird, denn das Vorhandensein 
warmen Auftriebwassers an der Malabarküste ist wenig gesichert und dürfte 
auch für den Abtransport aus dem mittleren Teil nicht genügen. Würde der 
Strom hier wirklich so setzen, wie es die Karte darstellt, so ständen wir vor 
einem Rätsel, — Die Darstellung im antarktischen Gebiet ist ein Versuch. Ob 
heute schon genügend Material vorliegt, um so ausgesprochene Nordströmungen, 
wie in 100°-—110° O-Lg. und andererseits so ausgesprochene Südströmungen wie 
in 40°—60° O-Lg. zu zeichnen, muß dahingestellt bleiben. — Betrachten wir die 
Juli-Darstellung für die Stromverhältnisse des Gebiets, das nördlich einer Linie 
liegt, die durch die vier sich südlich von Afrika bis westlich von Australien er- 
streckenden Wirbel gegeben ist, so können wir annehmen, daß Wasser an der 
Westseite des Gebiets durch den Agulhasstrom herausgefördert wird. Demgegen- 
über steht eine recht beträchtliche Einfuhr durch die westaustralische Strömung 
und aus den Gebieten nördlich von Australien. Nach der graphischen Darstellung 
hat das ganze Gebiet mehr Wasserzufuhr als Wasserabfluß, so daß es notwendig 
erscheint, den Abfluß an der Westseite des Ozeans stärker zu gestalten. 
Die Darstellung der Stromverhältnisse. des Atlantischen Ozeans 
beschränkt sich auf den Februar. Angenehm sind die genauen Angaben Meyers 
über die Menge des zugrunde liegenden Materials, wobei man erstaunt, wie viele 
der Pfeile auf Kombination auf Grund vereinzelter Beobachtungen oder auf 
1—4 Beobachtungen im Eingradfeld beruhen. Vergleichen wir die Karte von 
Meyer mit der Darstellung von Michaelis, so gewinnen wir den Eindruck, daß 
sie revolutionärer ist. Sie bringt zum Teil gänzlich neue Auffassungen der 
Stromvorgänge. 
Nach H. Meyer gibt es keine geschlossenen Stromkreise zwischen den 
großen Westströmungen in den niederen und den Ostströmungen in den mittleren 
Breiten. So haben wir hiernach im Südatlantischen Ozean zwar noch eine 
Kontinuität zwischen Südäquatorialstrom und Brasilstrom, aber keine Verbindung 
') O0. Krümmel, a. a, O0. 8. 674. 
?) Es sei hier noch auf die Isothermen des niederländischen und deutschen Atlasses besonders 
hingewiesen.
	        
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