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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 51 (1923)

Brennecke, W.: Neue Karten der Oberflächenströmungen des Atlantischen u. Indischen Ozeans. 281 
yeneralisiertes Kartenbild — eventuell von Nutzen sein. Wenn Michaelis aus- 
führt, daß der Seemann zur Nutzbarmachung des Inhalts der holländischen und 
deutschen Karten nicht das genügende wissenschaftliche Rüstzeug, vor allem 
auch nicht die nötige Zeit besitzen dürfte, so können wir dem nicht beipflichten, 
sind vielmehr der Ansicht, daß der Nautiker sich lieber nach den Beobachtungen 
selbst, wie sie in den amtlichen Kartenwerken niedergelegt sind, ein Urteil über 
die Versetzungen auf seinem Kurs bilden, als sich auf konstruierte Strömungs- 
karten ohne Prüfungsmöglichkeit verlassen wird, 
Ein wesentlicher Fortschritt ist die Einführung der Beständigkeit in das 
Kartenbild, die bislang in den meisten Stromkarten fehlte, während sie für die 
Winde erfolgreich von W, Köppen in den Segelhandbüchern u. a. a. O. dargestellt 
worden ist. Ob aber die neue Methode der Darstellung (in Abweichung von 
Köppen und in Anlehnung an De Bilt), die Stärke durch die Zahl der Pfeil- 
fieder und die Beständigkeit durch die Dicke der Pfeile wiederzugeben, glücklich 
gewählt ist, erscheint fraglich, da man gewohnt ist, in der Dicke der Pfeile den 
Ausdruck für die Stärke der Wind- oder Luftströmung zu sehen. — Die Be- 
ständigkeit selbst ist von H. F. Meyer gut untersucht worden; er gelangt zu 
dem Ergebnis, „daß je nach dem Stromcharakter ungefähr 18 bis 35 Beob- 
achtungen für das Eingradfeld erforderlich sind, um zuverlässige, von einer 
störenden Einwirkung zufälliger Fehler befreite Mittelwerte der Besteckver- 
setzungen zu erhalten“. Da meist viel weniger Beobachtungen vorhanden sind, 
so folgert Meyer, daß durch eine statistische Bearbeitung des Materials kein 
zuverlässiger Einblick in die wahren Stromvorgänge erhalten werden kann. Aus 
dem mit Fehlern behafteten statistischen Material müsse. ein den Forderungen 
der Hydrodynamik entsprechendes Strombild herausgearbeitet werden. Wir 
können dieser Forderung wieder beistimmen, müssen aber für die Schiffahrt 
unsere oben vertretene Meinung voll aufrecht erhalten, wonach der Schiffsführer 
den wahrscheinlichen Strom nach Richtung und Stärke sich selbst zu ermitteln 
imstande sein soll. Nun zu den Karten selbst. Ein Eingehen auf alle Einzel- 
heiten der Strombilder ist nicht möglich, es soll nur an einigen Beispielen unter- 
sucht werden, inwieweit es den Verfassern gelungen ist, den von ihnen auf- 
gestellten Forderungen gerecht zu werden. 
Aus dem Indischen Ozean greife ich zunächst die Darstellung des 
Verlaufs des Agulhasstroms beim Zusammentreffen mit der Westwindtrift heraus. 
Es ist dies ein Gebiet, das von jeher die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt und 
dessen Strombild uns O. Krümmel anschaulich geschildert hat!). Der Agulhas- 
strom ist eine machtvolle Strömung, die in größter Stärke außerhalb der Agulhas- 
Bank strömt, während auf der Bank selbst sich eine entgegengesetzt laufende 
Neerströmung entwickelt. Die Ausdehnung des Agulhasstroms nach Süden wurde 
1906 auf „Planet“ in 20° O-Lg. bis zu 40° S-Br (Salzgehalt über 35 5%,0), Bei- 
mengung von Agulhasstromwasser bis 43° S-Br. (Salzgehalt 34.9 % 0) festgestellt; 
G. Schott belegt durch Temperaturen eine ähnliche Ausdehnung®?), ebenso 
Krümmel8®). Die vertikale Mächtigkeit der Strömung in 39° 57’ S-Br., 20° 7’ O-Lg. 
zeigte „Planet“-Station 54, bei der noch in 1000 m Tiefe das Vorhandensein des 
Agulhasstromwassers nachgewiesen wurde. ; 
Betrachten wir daraufhin die Karten von Michaelis und Meyer und 
fragen uns, ob sie diesen Beobachtungen gerecht werden, Südlich von 38° S-Br. 
herrscht auf allen drei Karten die Westwindtrift, zwischen 36°—37° und 39° S-Br. 
findet sich ein Wirbel eingezeichnet, dessen Nordrand auf der Julikarte von 
Michaelis noch auf der Agulhas-Bank liegt. Das Bild des mächtigen längs der 
äußeren Kante der Bank laufenden Stromes, der mindestens 40° S-Br. in 20° O-Lg, 
erreicht, geht völlig verloren; die Ausdehnung des warmen Stromes nach Süden 
ist viel zu gering, und der Gegenstrom auf dem Schelf ist nur angedeutet oder 
fehlt ganz. Die Darstellung im Atlas der Seewarte in der Nebenkarte des Juli- 
blattes (links oben) ist entschieden überlegen. Ferner: Beimengung von Agulhas- 
') 0. Krümmel, Handbuch der Ozeanographie, II. Bd., S. 673, 
3) Pet. Mitt., Erg.-Heft. 109, 
3a. a. O8. 674.
	        
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