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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 51 (1923)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1923 
Infolge der Ablesefehler ist eine Ungenauigkeit von etwa +3 bis + 6m 
stets zu gewärtigen. ; 
Die beiden anderen Fehlerquellen, die Unsicherheit des Druckkoeffizienten 
und der Dichte des Seewassers können so klein. gehalten werden, daß ihr Ein- 
fluß den der Ablesefehler nicht übertrifft. ; 
Der Druckkoeffizient wird zweifellos am besten im Laboratorium ermittelt. 
Um gleichwertige Bestimmungen desselben aus Tiefenmessungen ableiten zu 
können, muß man über einwandfreie Beobachtungen aus mindestens 800 m Tiefe 
verfügen. Es empfiehlt sich also, den Druckkoeffizienten von Zeit zu Zeit durch 
die Physikalisch-Technische Reichsanstalt neu feststellen zu lassen. Diese Be- 
stimmung sollte nicht nur an dem auf 0° abgekühlten Thermometer, sondern 
auch für höhere Temperaturen des umgebenden Wassers erfolgen. 
' Die mittlere Dichte der zu messenden‘ Wassersäule, berichtigt wegen der 
Zusammendrückbarkeit des Wassers, sollte mit der erforderlichen Genauigkeit, 
d, h. für größere Tiefen auf drei Dezimalstellen zuverlässig, in die Rechnung 
eingestellt werden. 
Neue Karten der Oberflächenströmungen des Atlantischen 
und Indischen Ozeans. 
Von W. Brennecke. 
Die Grundlage unserer Kenntnis der Oberflächenströmungen der Ozeane 
beruht im wesentlichen auf den Besteckversetzungen, die in den Schiffstagebüchern 
aufgezeichnet werden. Diese Besteckversetzungen sind in den nautischen Instituten 
gesammelt, gesichtet und bearbeitet worden. So hat das niederländische Institut 
die Versetzungen des Atlantischen und Indischen Ozeans, die Deutsche Seewarte 
die des Indischen Ozeans bearbeitet und die Ergebnisse zum Nutzen der Schiff- 
fahrt in großen Kartenwerken veröffentlicht. Während das niederländische 
Institut die Tabellen mit veröffentlichte, war dies der Seewarte nicht möglich; 
das umfangreiche handschriftliche Material wurde aber, wie im Vorwort zum 
Atlas bemerkt, sorgfältig geordnet auf der Seewarte aufbewahrt, um es Interessenten 
zur weiteren Bearbeitung zur Verfügung zu stellen. Denn daß durch eine erste 
Bearbeitung, die man auch als Aufbereitung des Materials bezeichnen kann, die 
Ausnutzung des Materials noch nicht erschöpft ist, wurde schon damals klar 
erkannt und ausgesprochen. 
Man kann es daher nur begrüßen, daß das Institut für Meereskunde eine 
weitere Bearbeitung des vorliegenden (namentlich des niederländischen) Materials 
veranlaßt hat, die uns in den Arbeiten von G. Michaelis über die Wasser- 
bewegung an der Oberfläche des Indischen Ozeans im Januar und Juli und von 
H, H. F. Meyer über die Oberflächenströmungen des Atlantischen Ozeans im 
Februar vorliegt!). 
In der zuerst erschienenen Arbeit von Michaelis wird dargelegt, daß 
eine rein statistische Bearbeitung der Beobachtungen nicht genügt, daß diese 
nur der erste Schritt für die Darstellung der Meeresströmungen sein sollte, dem 
eine mit den Hilfsmitteln wissenschaftlicher Erkenntnis arbeitende Darstellung 
zu folgen habe. Diesem können wir ganz allgemein beistimmen, aber nicht den 
daraus gezogenen Schlußfolgerungen für Stromkarten, die für die Schiffahrt be- 
stimmt sind. Es ist festzustellen, daß die Schiffahrt kein generalisiertes Karten- 
bild, das auf der subjektiven Auffassung des Herausgebers beruht, ohne weiteres 
gebrauchen kann, Unter allen Umständen ist daran festzuhalten, daß dem See- 
mann in erster Linie das aufbereitete Beobachtungsmaterial selbst unterbreitet 
werden sollte, wie es von den nautischen Instituten in De Bilt und Hamburg ge- 
schehen ist. Erst wenn dem Seemann die Möglichkeit gegeben ist, dies Original- 
material zur Hand zu nehmen, kann ihm auch noch eine Überarbeitung — ein 
1) Veröff. d. Inst. f, Meereskunde Berlin, Neue Folge, A. Geogr.-nat. Reihe, Heft 8 u. 11. 
Berlin 1923. E. 8. Mittler & Sohn.
	        
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