accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 51 (1923)

MB 2 AM 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, 
November 
ng 
gangen. Inwieweit die ermittelten Mittel- und Gesamtabweichungen also wirklich 
vergleichbare Mittelwerte darstellen, ist somit fraglich. ; 
2, Freilich ist eine solche Regelmäßigkeit der Vorgänge, vor allem, wenn 
nicht automatisch gesteuert wird, nicht selbstverständlich. Und hier ist darauf 
hinzuweisen, wie wichtig zur Beurteilung der Frage, unter welchen Umständen 
ein guter Rudergänger besser als der Automat steuert, die Fragen sind: Wußte 
der Rudergänger, welche Viertelstunde hindurch er kontrolliert 
wurde? Kannte er vielleicht sogar die Augenblicke der Kursablesung? 
Beim Steuern nach dem Magnetkompaß muß beides ja der Fall gewesen Sein; 
aber auch beim Steuern nach dem Kreiselkompaß ist es sehr wahrscheinlich so 
gewesen; eine Angabe über diesen wichtigen Punkt wäre wohl gemacht worden, 
wenn in dieser Hinsicht besondere Maßregeln getroffen worden wären, War es 
aber so, so konnte der Rudergänger dafür sorgen, daß er stets zur Ablesezeit 
möglichst durch den befohlenen Kurs ging, und so das Mittel seiner Kurs- 
ablesungen merklich besser gestalten, als das wirkliche Mittel, das ein Kurs- 
selbstschreiber bei genau derselben tatsächlichen Bewegung des Schiffs verzeichnet 
haben würde, Man kann zwar sagen: Alle Vorteile, die der denkende Mensch 
vor dem Automaten hat, sollen gelten; aber man muß doch ausschließen, daß 
der Mensch die Mängel der Ablesemethode ausnutzt, um sein Ergebnis besser 
erscheinen zu lassen, als es wirklich ist. Es ist nicht ersichtlich, ob diese Ur- 
sache einer nicht zutreffenden Vergleichung vermieden wurde; auch ihr würde 
durch Ablesen der Umkehrkurse am besten begegnet. 
3. Es ist nicht mitgeteilt, von welchem Kurse aus in jeder Viertel- 
stunde die Abweichungen gerechnet sind; es heißt nur: „wie weit das 
Schiff aus dem Kurs lag“ Beim Rudergänger wird man unter diesem Kurs ohne 
weiteres den befohlenen Kurs verstehen, den er laut Wiederholung des Kurs- 
kommandos einzuhalten versucht, Wird beim Automaten aber dementsprechend 
unter diesem Ausgangskurs der eingestellte Kurs verstanden, So fehlt uns die 
Sicherheit, daß der Automat tatsächlich diesen Kurs einzuhalten sucht; ja wir 
wissen sogar, daß dies mitunter nicht der Fall ist. Hierüber schrieb ich im 
Nautikus 1923: „Hat das Schiff, etwa durch Luvgier oder ungleiche Wirkung 
der Schrauben eine Drehtendenz z. B. nach Steuerbord, so muß auf dem ge- 
wollten Kurs das Ruder dauernd etwas backbords liegen. Der Selbststeurer legt 
aber "auf dem eingestellten gewollten Kurs Mittschiffsruder und hält also einen 
etwas zu steuerbordlichen Kurs ein, auf dem nämlich das auf ihm durch Back- 
bordruderlage erzeugte Drehmoment dem äußeren Drehmoment die Wage hält. 
Man muß also dann am Stellrad einen Kurs etwas backdords vom gewollten ein- 
stellen, damit der Selbststeurer den gewollten Kurs einhält. Die nötige Ver- 
stellung kann ein paar Grad betragen.“ Selbstverständlich ist dies ein Nachteil 
des Automaten gegenüber dem Menschen; er kann aber durch Kursbeobachtung 
ausgeschaltet werden; und für die Frage, wie genau kann der Automat einen 
Kurs halten, müßten die Abweichungen gerechnet werden nicht von einem 
gewollten Kurs, den der Automat gar nicht einzuhalten sucht, sondern vom 
Mittel aller gesteuerten Kurse, Bei Vergleich mit dem Rudergänger wäre 
diesem das gleiche zuzubilligen. Ob es noch möglich sein wird, das Beob- 
achtungsmaterial vom „Prins der Nederlanden“ in dieser Art auszuwerten, ist 
zweifelhaft, da die wirklich gültigen Mittelkurse nach 1 und 2 schwer festzu- 
stellen sein werden. ‘ Immerhin wäre es von Interesse zu untersuchen, wie die 
Einzelabweichungen jeder Viertelstunde nach Größe und Vorzeichen verteilt sind. 
Sehr sonderbar ‚ist ja der Verlauf der Häufigkeitskurve AG der ersten Reise 
mit: zwei Maxima bei 0.7° und 1.4°, die durch ein ausgesprochenes Minimum 
getrennt sind. 
4. Herr Galle weist darauf hin, daß vielleicht eine andere Einstellung am 
Apparat nötig gewesen wäre, um genaueres Arbeiten zu erreichen, und erwähnt 
die auffallende Tatsache, daß bei sehr schlechtem Wetter und sehr hoher See 
von achtern im Südwestmonsun 7—8 der Automat besser als unter normalen 
Umständen steuerte. Als Mittelabweichungen wurden da gefunden für AG 0.8°, 
für RG 1.5°, für RM 2.5°%°. Hier sind offenbar noch weitere Erfahrungen ‘nötig,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.