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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1923,
Die Liste zeigt, daß in offener See: die Drift fast augenblicklich mit dem
Winde wechselt. Die Driftrichtung entspricht etwa der des Windes. Für die
Beziehung zwischen Windstärke und Driftgeschwindigkeit ergibt sich ungefähr
folgende Tafel:
Windstärke (Beaufort) . . . - 4 6 8 10
Drift (Seemeilen/Etmal) . . . | 8 12 16 20
Die Drift des Oberflächenwassers wäre hiernach etwa 0.02 der Wind-
geschwindigkeit. Bei dieser Mitschleppung von 0.021) ist also die Reibung als
beschleunigende Kraft entgegengesetzt gleich geworden derjenigen Kraft, die von
der inneren Reibung oder dem inneren Widerstand des Wassers geliefert wird,
Im Gebiet der braven Westwinde treten auf offener See alle anderen
Kräfte gegenüber der Reibung verhältnismäßig stark zurück,
Für den Einzelfall aber ist es notwendig, Dichtegefälle und die ablenkende
Kraft der Erdrotation und der Topographie des Meeresbodens mit zu berücksichtigen.
Aber wir sehen in der Tabelle noch eine zweite Wirkung, nämlich die des
Dichteausgleichs unter Mitwirkung der ablenkenden Kraft der Erddrehung. Jeder
Strom kälteren Wassers, der auf der Breite von Kerguelen von Süden kommt,
wird nach Westen abgelenkt und verringert die allgemeine Drift; jeder Strom
wärmeren Wassers, den das Schiff passiert, hat Ablenkung nach Osten und ver-
stärkt die Drift. ;
Auf der Nordhalbkugel, etwa im Gebiet des Nordatlantice, müßte man bei
sinkender Wassertemperatur Drift nach Westen, bei steigender Drift nach Osten
erwarten, weil kälteres Wasser offenbar nördlicher, wärmeres Wasser südlicher
Herkunft ist, und beide in ihrer Bewegung abgelenkt werden,
Über diesen Vorgang lagert sich dann die Wirkung der Windreibung.
In der Tabelle von Sir James Roß ist im allgemeinen die starke Drift
nach Osten mit hohen Temperaturen verbunden, langsame Drift mit niedrigen,
und die Winddrift (etwa 8 Sm/Etmal) ist vollständig kompensiert an dem Tage,
an dem die Wassertemperatur auf der Reise am ‚stärksten fällt.
Eine allgemeinere Feststellung auf Grund der reichlich vorhandenen
Beobachtungen für die Beziehung zwischen Wassertemperatur, Wind und Drift
scheint erwünscht. Die hier vorgelegten Zahlen sollen nur die Methode zeigen,
und die Werte geben eine erste Annäherung.
Der statische Druck, In der Atmosphäre ist es möglich, statt durch
Beschleunigungen durch Vergleich der horizontalen Druckverteilung an der
Meeresoberfläche oder einer idealen Niveaufläche einen Einblick in die wirk-
samen Kräfte zu erlangen; der Vergleich der Linien und Flächen gleichen
Druckes, bezogen auf bestimmte Höhen, oder Linien und Flächen gleicher Höhen,
bezogen auf gleichen Druck, bildeten bisher ein wirksames und gebräuchliches
Hilfsmittel in der Meteorologie. .
N Der Gedanke lag nahe, auch auf die Hydrosphäre die entsprechenden
Überlegungen anzuwenden.
4.
Druckanomalien in einem Meridionalschnitt des Atlantischen Ozeans auf 30° W-Lg., nach Merz
u, Wüst (Zeitschrift der Ges. f. Erdkunde 1922, Nr. 1—2), in Millibar oder äquivalenten cm
Wasserhöhe aus graphischer Darstellung entnommen.
Süd 400 |
300 |!
900 | 100 | oo !
10° |
900 | 300 |40° Nord
0—1200m | —20 | +16 | +26 | +18 | —2 | —10 | —6 0 — 4
1200—2500m | +41] —4|_74|—7| +2 | +4| +6 | —2 —
ı) Die bisherigen Daten hierüber sind nach Brennecke: „Die ozeanographischen Arbeiten der
Deutschen Antarktischen Expedition 1911—1912“, Archiv der Deutschen Seewarte 1921; Bemerkungen
von H. Thorade: aequ. Ocean (Mohn) 0.0105, Ostsee-Adlergrund (Dinklage) 0.0127, Nordpolarmeer
(Nansen) 0.0191, Weddellsee (Brennecke) 0.0278. Nansens und Brenneckes Zahlen beziehen sich auf
Eis, das eine große Oberfläche bietet, und im Falle Nansens starken Pressungen oder Hemmungen
ausgesetzt war. Entscheidend scheint auch der Lateralplan und Takelage. Für die praktische Schiff-
jahrt wird man zweckmäßig und genügend genau 0.02, also die obige Tabelle, setzen.