Wegener, K.: Die Beschleunigungen in der Hydrosphäre
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In ähnlicher Weise wirken alle Unebenheiten des Meeresbodens auf die
von ihnen betroffenen und nach oben oder seitwärts abgelenkten Meeresströmungen.
Soweit Querschnitt und Geschwindigkeit der Strömung und die Topographie des
Meeresbodens bekannt sind, könnte man zwar die so entstehenden Druckfelder
angenähert berechnen, indessen wird es vorteilhafter sein, sie nach Analogie der
Aerodynamik experimentell zu studieren und vom Modellversuch auf die Wirk-
lichkeit überzugehen.
Wichtiger noch und augenfälliger sind die scheinbaren Beschleunigungen,
die von der sogenannten ablenkenden Kraft der Erddrehung herrühren und sich
geltend machen, sobald eine Wassermasse in Bewegung ist.
Die von Corioli und Ferrel abgeleitete ablenkende Kraft K der Erd-
rotation ist:
K=2vw sin g [em/sec?],
wo v die Geschwindigkeit der Masse in cm/sec, w die Winkelgeschwindigkeit der
Erde oder der in der mittleren Zeitsekunde zurückgelegte Winkel, also
2x
W= 6160 * 0.00007 292,
und @ die geographische Breite ist. Für verschiedene Geschwindigkeiten und
Breiten finden wir.folgende Werte von K in cm/sec*,
Ablenkende Kraft der Erddrehung in em/see?.
y UP =
in cm/sec
2000
1000
100
10
0
9
u
0
0
oo |
10
0.05
0.025
0.0025
0.00025
0.000025
30
0.15
0.075
0.0075
0.00075 |
3.000075
50
0.22
0.110
0.0110
0.00110
0.000110
70
0.27
0.135
0.0135
0.00135
0.000135
90
0.29
0.145
0.0145
0.00145
0.000145
Für eine Flüssigkeitsoberfläche, die sich in horizontaler Bewegung befindet,
oder ein Schiff, das in ihr treibt, liegt also die Lotrichtung nicht in der Richtung
des Erdmittelpunktes, sondern auf der Nordhalbkugel nach rechts, auf der Süd-
halbkugel nach links von der Strömungsrichtung abgelenkt. Der Ablenkungs-
winkel y ist = wo g die Schwerebeschleunigung ist. Dementsprechend ist
auch die Flüssigkeitsoberfläche geneigt. Stets ist das Niveau bei geradliniger
Strömung, wenn wir die Strömung hinabblicken, auf der Nordhalbkugel von
rechts nach links, auf der Südhalbkugel von links nach rechts geneigt um den
Winkel Z
g ist = 981 cm/sec2, Wir setzen g genügend genau
g = 1000 cm/sec2, ,
Aus = würden wir dann das Gefälle in cm pro cm Strombreite erhalten
oder aus dem tabulierten Wert das Gefälle in em/10 m Strombreite. Multi-
plizieren wir also die Tafelwerte mit 100, um auf handliche Werte zu kommen,
so stellen die so gewonnenen Werte das Gefälle/km Strombreite oder den Höhen-
unterschied pro km Strombreite dar,
Gefälle in em/km Strombreite infolge Ablenkung durch Erdrotation,.
| yY > P—
n em/sec >
2009
1000
100
‘(C
|
10
3
2,5
0.25 i
0.025
3.0025
30
50
15 22
7.5 ; 11.0
0.75 1.10
0.075 | 0.110
7.0075 0.0110
70
27
13.5
1.35
0.135
0.0135 |
X
Seemeilen
Etmal
etwa 1000
500
50
5
05
Ann. d, Hydr. usw. 1923, Heft XI.