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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 51 (1923)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 
1693 
Das Bild zeigt ein horizontales Dichtegefälle zwischen Südantillen und 
Falkland. Hier streben die schweren Wassermassen in der Tiefe äquatorwärts, 
die leichteren weiter oben polwärts. Aber die Bewegung ist von dieser im 
Meridian wirkenden Kraft ganz zu trennen. Denn infolge der ablenkenden Kraft 
der Erdrotation erfolgt die Bewegung ungefähr rechtwinklig zum Gradienten, 
also für die leichteren im Norden befindlichen Wassermassen aus dem Bilde 
heraus, für die tieferen, bei den Falklandsinseln in dieses hinein. Der Vorgang 
ist der gleiche, wie ich ihn 1. ce, für die atmosphärische Depression dargelegt 
habe. Auch die Deformierung der Niveaufläche — Senkung an der Stelle des 
stärksten Dichtegefälles — ist die gleiche, Nur in der äquatorealen Region, 
zwischen etwa 15° Nord und 15° Süd, erfolgt die Strömung dem Dichtegefälle 
entsprechend, also an der Oberfläche von der leichteren zur schwereren Wasser- 
masse, in der Tiefe entgegengesetzt. Nur da also, wo die Ablenkung durch die 
Erddrehung fehlt, vermögen sich die beiden bisher nebeneinander liegenden 
verschieden schweren Wassermassen unmittelbar übereinander zu lagern. Außer- 
halb der äquatorialen Zone vermögen die Wassermassen, wie in der Atmosphäre, 
nur auf zyklonal gekrümmter Bahn ihrer Gleichgewichtslage zuzuströmen. Ein 
Meridianschnitt gibt also außerhalb der äquatorialen Breiten kein Bild über die 
Bewegungsvorgänge in der Meridianebene, sondern über diejenigen senkrecht 
dazu, soweit sie aus Dichteunterschieden herrühren. Wie die Wassermassen 
dann ihren Weg fortsetzen und ob sie überhaupt ihre meridionale Gileich- 
gewichtslage erreichen, hängt von der Dichteverteilung in der Umgebung ihrer 
Bahn ab. 
Auch das vereinzelte Profil der Dichtverteilung ist also zur Beurteilung 
der wirksamen inneren Bewegungen der Hydrosphäre zu verwerfen, es gibt uns 
nur ein Bild der vorhandenen inneren Kräfte, und es muß in jedem Einzelfall 
dann untersucht werden, wieweit die aufgefundenen archimedischen Kräfte durch 
äußere Kräfte kompensiert und ergänzt werden. 
Von diesen äußeren Kräften sind nur drei bekannt. Nämlich der wechselnde 
Druck. der Atmosphäre, die aus der Trägheit sich ergebende sogenannte ab- 
lJenkende Kraft der Erdrotation und der Topographie des Meeresbodens und die 
Reibung der bewegten Luft, Von der Wirkung der Gezeiten sei abgesehen, weil 
sie periodisch in wechselnder Richtung auftritt, und die bisherigen, wenig gleich- 
zeitigen Beobachtungen zu ihrer Feststellung außer im flachen Wasser nicht 
ausreichen. 
1. Der Druck der Atmosphäre. Örtliche Verringerung des Luftdruckes 
bewirkt Hebung des Wasserspiegels, Örtliche Vermehrung entsprechende Senkung. 
Da der Gesamtdruck der Atmosphäre ungefähr gleich dem Druck einer Wasser- 
säule von 10 m Höhe ist, läßt sich der Einfluß des Atmosphärendruckes nach 
den Vorschlägen von Bjerknes berücksichtigen, indem man für die Abweichungen 
vom Normalluftdruck Korrektionen anbringt, also eine entsprechende Wasser- 
säule zuzählt oder abzieht. Die Drucke einer Quecksilbersäule, nach der wir den 
Luftdruck messen, und einer gleich hohen Wassersäule verhalten sich zueinander 
wie die spezifischen Gewichte oder wie 13.2 :1. Bei übernormalem Druck erhält 
man die Fläche gleichen Schwerepotentials oder die Niveaufläche aus der beob- 
achteten Meeresoberfläche, soweit die Abweichung der wirklichen physikalischen 
Meeresoberfläche von einer Fläche gleichen Schwerepotentials oder Niveaufläche 
nur vom Luftdruck herrührt, durch Addition, bei unternormalem Luftdruck 
durch Subtraktion der Korrektion. 
Beobachtete Luftdruckabweichung 1 5 10 215 20 mm Quecksübersäule, 
Korrektion in cm Höhe Wassersäule 1,3 6.6 13.2 19.0 26.4 cm Wassersäule, 
2, Beschleunigungen durch die sogenannte ablenkende Kraft der Erddrehung 
und die Topographie des Meeresbodens. Jede Beschleunigung bewirkt Niveau- 
änderungen, deren Maß von Querschnitt und Geschwindigkeit der Strömung und 
der Art der Beschleunigung abhängt. 
So verursacht der Widerstand, den der West-Oststrom an der Südspitze 
Südamerikas findet, an der Westküste Patagoniens Erhöhung, an der Ostküste 
Erniedrigung des Wasserstandes.
	        
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