244 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1923.
die Kurven dagegen mußten fortgelassen werden. Am einschneidendsten macht
sich die Änderung bei dem ausländischen Nachrichtenmaterial bemerkbar. Hier
konnten nur die wichtigsten Stationen (vorwiegend Küstenstationen), und von
diesen nur Luftdruck, Wind, Sicht und Seegang, letztere mit Rücksicht auf die
Bedürfnisse der Schiffahrt gebracht werden. Für Aufstiege und Schiffsmeldungen
ist soviel Raum vorhanden, daß die wichtigsten Aufstiegsdaten und sämtliche
Schiffsmeldungen Aufnahme finden können. Diese neue Form des Wetter-
berichtes ist wie der neue Wetterschlüssel ab 6. August d. J. eingeführt.
Dr. Benkendorff (Amtlich).
N 2. Blitzschlag in den D. „Ernst“ auf See und dadurch hervorgerufene
Änderung der Deviation der Kompasse. Am 28. April 1923 3b Nm. verließen
wir mit einer vollen Ladung Stückgüter Hamburg, bestimmt nach Stettin. Als
wir am 29, April 1923 2b 30m Nm. Dornbusch in WzS etwa 5. Seemeilen ab peilten,
steuerten wir den Kurs OzN mit leichtem östlichen Wind.
Um 2h 40m Nm. gab es auf einmal einen schweren Schlag, und das ganze
Schiff war durch einen Blitz beleuchtet. Der Blitz hatte in unseren Hintermast
eingeschlagen und unter anderem ein Stag, den Flaggenknopf, die Topplampe
nebst Stagen sowie in der Maschine fast sämtliche Sicherungen und die Kontroll-
lJampen zerschlagen. D. „Ernst“ hat eine elektrische Anlage, und der Blitz ging
am Kabel von der hinteren Topplampe in die Maschine hinein. Dadurch brannten
auf kurze Zeit alle Lampen.
Das Gewitter dauerte etwa drei Minuten, alsdann gab es schweren Regen.
Nachdem der Regen nachgelassen hatte, bemerkten wir durch Peilung von Land-
zeichen, daß unsere beiden Kompasse etwa 3 bis 4 Strich unrichtig zeigten. Am
30. April 1923 wurden die Kompasse bei der Hauptagentur der Seewarte zwecks
Untersuchung abgegeben. Langhinrichs, Kapt.
Die Prüfung der‘ Kompasse durch die Dienststelle der Deutschen Seewarte
in Stettin ergab, daß dieselben in Ordnung waren und sich gegen früher nicht
verändert hatten.
Bei der am 6. Mai 1923 vorgenommenen Nachkompensierung wurde fest-
gestellt, daß sich beim Regelkompaß, welcher auf der Kommandobrücke 1,2 m
hinter dem eisernen Handruderbock steht, das vorhandene —B um 20°, das
vorhandene —C um 56°, beim Steuerkompaß, welcher 0.7 m vor dem Hand-
ruderbock steht, das vorhandene —B um 35°, das vorhandene — C um 72° ver-
größert hatte.
Nachdem diese erheblichen Fehler wegkompensiert waren, stellte sich beim
Deviationsbestimmen heraus, daß der Steuerkompaß beim Ruderlegen anfing
zu schwingen. Zwischen der Ruderlage hart St-B. und hart B-B. wurden
Differenzen von +5° festgestellt. Anscheinend hat sich in der Ruderkette
durch den Blitzschlag flüchtiger Magnetismus gebildet, durch den der Steuer-
kompaß beeinflußt, der weiter entfernt stehende Regelkompaß dagegen nicht
mehr beeinflußt wurde. Ich habe dem Kapitän geraten, falls sich der Fehler
nicht bis zum Anlaufen des nächsten Hafens verliert, die Ruderstelle ausgleichen
zu lassen, , Holekamp.
3. Darstellung von Moerestemperaturen durch mathematische Formeln,
dies ist das Ziel, das sich G. MeEwen in einer Arbeit (Ocean temperatures,
their relation to solar radiation and oceanic cireulation, 4°, 87 S., S.-A. aus Misc,
Stud. Agric. Biol. Semic. Publ. Univ, California 1868—1918) gesetzt hat, und dem
er einen guten Schritt näher gekommen ist. Zu diesem Zwecke werden die tat-
sächlichen Verhältnisse weitgehend idealisiert, um lösbare mathematische Probleme
zu formulieren. Die Lösung der Frage wird auf drei Unteraufgaben zurück-
geführt.
Zuerst wird der Einfluß der Sonnenstrahlung allein untersucht und nach
Gewinnung des theoretischen Ergebnisses durch Aufnahme der von Krümmel
berechneten mittleren Jahrestemperaturen und -schwankungen den tatsächlichen
Verhältnissen angepaßt. Z.B. ergibt sich für den Gürtel zwischen 20° und
30° N-Br. als Temperatur .
8 — — (3.35 + 0.155 x) cos (30 t — 67.5)° -— 21.30 — 0.41 x,