Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1923,
furt a. M. mit einer Wahrscheinlichkeit von 81°, entspricht. Für andere
Orte standen nur etwas kürzere Vergleichsreihen zur Verfügung. Für die
Periode 1875—1900 wurden Paris, Berlin und Frankfurt a. M. auf den gleichen
Zusammenhang untersucht. Es stellte sich heraus, daß für diese Periode die
gleiche Beziehung gilt, und zwar für Paris mit einer Wahrscheinlichkeit von
720%,, Frankfurt a. M. 76°, und Berlin 60%,. Hiernach ist also der Zusammen-
hang zwischen den europäischen Wintertemperaturen und dem indischen Monsun-
regen in Westdeutschland und Frankreich am ausgeprägtesten.
Durch den Nachweis dieser Beziehung ist eine Grundlage für die lang-
fristige Wettervorhersage geschaffen, die sich ohne Mühe noch erweitern läßt.
Es ist für die Witterungsverhältnisse in Europa ein Anschluß gewonnen an die
schon sehr weit fortgeschrittenen, erfolgreichen Arbeiten der indischen Meteoro-
logen über die Beziehungen zwischen den jahreszeitlichen Veränderungen des
Wetters. Die sehr bemerkenswerten Zusammenhänge, welche Blanford, Eliot
und Gilbert Walker zwischen den Monsunregen in Indien und der Witterung
entfernter Gebiete aufgestellt und prognostisch verwertet haben, lassen sich auch
auf unser Witterungsgebiet übertragen. Eine der auffallendsten Korrelationen
ist der Zusammenhang der indischen Monsunregen und der Luftdruckverhältnisse
der voraufgehenden Monate in Südamerika. Vergleicht man nun die Luftdruck-
abweichungen von Südamerika im April und Mail) mit den Temperatur-
abweichungen des nachfolgenden Winters in Frankfurt a. M., so zeigt sich für
die Periode 1875—1921, daß einer positiven oder negativen Druck-
abweichung in Südamerika eine negative oder positive Temperatur-
abweichung im nachfolgenden Winter in Frankfurt a. M. mit einer
Wahrscheinlichkeit von 62%, entspricht. Es lassen sich also hiernach
schon Ende Mai aus den Luftdruckbeobachtungen in Argentinien einige An-
gaben machen über den wahrscheinlichen Charakter des kommenden Winters
bei uns.
Exakter als durch die Wahrscheinlichkeitswerte drückt sich der Zusammen-
hang zwischen zwei Veränderlichen durch die Korrelationsmethode aus, Aus-
führlichere Angaben über die Anwendung dieser Methode findet man in der
Arbeit von Exner: „Über monatliche Witterungsanomalien auf der nördlichen
Erdhälfte im Winter“?). Der Korrelationskoeffizient des Monsunregens von Nord-
westindien im August und September und der Temperaturabweichung des nach-
folgenden Winters (Summe der Abweichungen Dez.—Febr.) in Frankfurt a, M.
errechnet sich für die Periode 1875—1921 zu r = — 0.39 mit einem wahrschein-
lichen Fehler f= -+ 0.083. Für die Luftdruckabweichung von Südamerika im
April und Mai und die winterliche Temperaturabweichung in Frankfurt a. M.
beträgt der Korrelationsfaktor für die gleiche Periode r = — 0.34 und f = -t 0.087.
Die Korrelationen sind im Verhältnis zu den Fehlern groß genug, um die beiden
Beziehungen auch nach dieser Methode als gesichert zu betrachten. Errechnet
man außer den einfachen auch die partiellen Korrelationen?), so läßt sich eine
Gleichung aufstellen, die es ermöglicht, den Grad der Temperaturabweichung des
Winters nach Maßgabe der bestehenden Korrelationen aus der Niederschlags-
abweichung von Nordwestindien und der Luftdruckabweichung von Südamerika
im voraus zu berechnen. ‘Die Beziehungsgleichung lautet:
At (Frankfurt a. M. Dez.-Febr.) = — 0.29 AR (Nordwestindien Aug.-Sept.)
— 4.85 Ap (Südamerika April-Mai).
At wird in Celsiusgraden, AR in Zentimetern, A4p in Millimetern aus-
gedrückt. Der totale Korrelationskoeffizient für diese Gleichung ist R = 0.45
und ergibt eine kleine Verbesserung gegenüber den einfachen Korrelationen,
Die an und für sich ungewöhnlich erscheinenden Beziehungen zwischen
den weit entfernten Gebieten von Südamerika, Indien und Europa finden ihre
Begründung im allgemeinen Luftaustausch. der Atmosphäre. In dieser Hinsicht
1) G. T. Walker: Correlation in seasonal variations of weather. VII, Mem. of the Ind.
Met, Dep. XXIII. P. II Tafel IV,
) Wiener Berichte 1913, 8. 1165.
31 Die Methode hat Exner gleichfalls in der erwähnten Arbeit angegeben.