deorgii, W.: Beziehungen zwischen d, Monsunregen Nordindiens u. d, Winterwitterung v. Europa. 17
nicht begründet. Der Erfolg, der in zahlreichen Fällen einwandfrei und ohne
jede Selbsttäuschung in dieser Hinsicht festgestellt wurde, ermutigt zweifellos
zur Weiterarbeit in dieser Richtung. Die seitherigen Arbeiten, welche die Wetter-
vorhersage längerer Zeiträume zum Ziele haben, gehen vielfach von der Er-
haltungstendenz der Witterung aus. Diese Erhaltungstendenz, die sich deut-
lich in den täglichen Witterungserscheinungen ausdrückt, offenbart sich auch in
der mehrfachen Aufeinanderfolge gleicher Monatsanomalien der Witterungs-
faktoren. Namentlich Köppen hat diese Erhaltungstendenz für die Temperatur-
anomalien eingehend untersucht. Auch die von Hellman aufgestellten „Gesetz-
mäßigkeiten im Wechsel der Witterung aufeinanderfolgender Jahreszeiten“ finden
zum Teil durch die Erhaltungstendenz der Witterung ihre Begründung. Andere
Arbeiten, welche die langfristige Wettervorhersage wesentlich gefördert haben,
beruhen auf der Verbindung hydrographischer und meteorologischer
Erscheinungen. Hierher gehören in erster Linie die Untersuchungen von
Pettersson und Meinardus, welche die Zusammenhänge zwischen Meeres-
und Lufttemperatur und ihre Bedeutung für das jahreszeitliche Wetter offenbart
haben. Die Verbindung von Hydrographie und Meteorologie zum Zwecke der
Wettervorhersage hat zu schönen Erfolgen von großer praktischer Bedeutung
geführt. Von theoretisch-meteorologischem Standpunkt aus wird man aber doch
eine Methode bevorzugen, die von rein meteorologischer Grundlage ausgeht.
Am aussichtsreichsten erscheint in. dieser Hinsicht die Anlehnung an die all-
gemeine Zirkulation der Atmosphäre.
In Analogie zur kurzfristigen Wettervorhersage erscheint es erstrebens-
wert, die Wettervorhersage für längere Dauer aus den großen Luftströmungen
and ihren jahreszeitlichen Änderungen abzuleiten, Denn ganz abgesehen von
dem praktischen Wert wird diese Methode auch unsere Kenntnisse von den
jahreszeitlichen Luftversetzungen und dem Luftaustausch zwischen südlichen ‚und
nördlichen Breiten vertiefen,
Naturgemäß wird man bei diesen Untersuchungen die Aktionszentren der
Atmosphäre als Ausgangspunkt wählen. Für die Witterungsverhältnisse von
Europa hat man seither in der Hauptsache die westlichen Aktionszentren, das
Azorenhoch und Isländische Minimum, berücksichtigt. Die östlichen stationären
Druckgebilde hat man noch verhältnismäßig wenig herangezogen. Und doch ist
auch von ihnen eine stärkere Wirksamkeit auf unser jahreszeitliches Wetter zu
erwarten. Stellt doch das vorderasiatische Sommerminimum das tiefste Druck-
areal dar, das wir in dieser Jahreszeit auf der nördlichen Halbkugel finden,
Veränderungen der Lage und Stärke dieses Druckgebildes müßten doch von
ähnlicher Wirkung auf unser Wetter sein, wie sie bei Schwankungen des Is-
ländischen Tiefs hervortreten, Auf einen möglichen Zusammenhang zwischen
der Indischen Zyklone und der Witterung in Europa hat der Verfasser bereits
früher hingewiesen!). Aus Mangel an indischem Beobachtungsmaterial konnte
damals die Untersuchung nicht durchgeführt werden. Neuerdings hat aber
Gilbert T. Walker?) ausführliche Tabellen der Abweichungen des Monsunregens
in Indien seit 1875 gegeben, die nunmehr in Beziehung zur europäischen Witterung
gebracht werden konnten. Es hat sich hierbei herausgestellt, daß zwischen
dem sommerlichen Monsunregen in Nordwestindien und der Tempera-
tur des nachfolgenden Winters in Europa ein enger Zusammenhang
besteht. Am schärfsten drückt sich diese Beziehung bei einem Vergleich der
Monsunregen im August. und September mit den Wintertemperaturen von West-
deutschland aus. Vergleicht man die Temperatur-Abweichungssumme der Monate
Dezember, Januar, Februar von Frankfurt a. M. mit den Abweichungen des
Monsunregens von Nordwestindien im voraufgehenden August und September,
so ergibt sich für die 47-jährige Periode von 1875—1921, daß einer positiven
oder negativen Abweichung des Monsunregens eine negative oder
positive Temperaturabweichung des nachfolgenden Winters in Frank-
) Die Umschau 1921, Oktober.
#) G. T. Walker: Correlation in seasonal variations of weather, VII, Mem, of the Ind.
Met. Dep. XXIII. PP. IL