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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 45 (1917)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1917, 
keine erhebliche Barometerdepression bildet, daß vielmehr gerade im Nordsommer 
die Druckverteilung über dem asiatischen Festland mit im höchsten Maße aus- 
schlaggebend auch für Afrika ist. Nur im Sommer der Südhalbkugel, und zum 
Teil auch noch in den Übergangsjahreszeiten, wirkt das afrikanische Festland 
als Kontinent vollkommen selbständig auf die Luftdruckverteilung seiner Um- 
gebung und somit auch auf den Regenfall ein. Denn was die Regenfälle im 
abessinischen Berglande, welches als eines der bedeutendsten Regengebiete Afrikas 
dem asiatischen Festlande am nächsten liegt, anlangt, so ist das über dem öst- 
lichen Sudan sich entwickelnde Wärmetief als nichts anderes aufzufassen, als ein 
riesiges Randgebilde der großen vorderasiatischen Zyklone?!), das zwar hervor- 
yerufen wird durch das nordafrikanische Festland, das aber als Gebilde niedrigen 
Luftdrucks an sich nicht in der Stärke vorhanden wäre, wenn sich die gewaltige 
asiatische Festlandmasse nicht in unmittelbarer Nähe Afrikas befände. Die Aus- 
bildung dieser Randzyklone hat zur Folge, daß der normale Nordostpassat, wie 
er in gleicher Breite die Ozeane überweht, am Westrande der Zyklone in die 
Nordwestrichtung abgelenkt wird und auch nicht so weit nach Süden reicht wie 
dort, sondern allmählich, wenigstens im nördlichen Sudan (El-Obeid), in die 
Westrichtung umbiegt und sich so mit dem Südwestmonsun des Sudans und des 
Indischen Ozeans vereinigt. Der Nordostpassat, der nach H. Krugler eigentlich 
auch im Sommer über Afrika‘ noch bis in die Breite von etwa 11° N-Br, gelangen 
sollte, findet so ein vorzeitiges Ende?), An seine Stelle tritt hier der Südwest- 
monsun, der im Sudan der V-förmigen Ausbuchtung der großen Zyklone östlich 
von Chartum zuströmt. 
Natürlich ist das abessinische Rand- oder Teilminimum, welches im April 
seinen tiefsten Barometerstand aufweist, nicht etwa als Ursache des Chamsins 
in Ägypten aufzufassen. Vielmehr erzeugen diesen Wüstenwind aus südlicher 
Richtung in erster Linie die bei der starken Luftauflockerung des Frühlings 
über dem nordafrikanischen Festland am Südrande des levantinischen Beckens 
oder auch über Unterägypten selbst ziehenden Minima, die auch Oberägypten 
in ihren Wirkungsbereich ziehen. Denn hier ist es der März, dem die größten 
Barometerschwankungen eigen sind; aber auch April und Mai haben hier im 
Verhältnis zu den Sommer- und Herbstmonaten noch recht hohe Schwankungen. 
So kommt es, daß der Chamsin am häufigsten in einer Periode von 50 Tagen 
nach dem Frühlingsäquinoktium auftritt, weshalb ihm sein Name gegeben wurde. 
Die großen Märzschwankungen des Barometers in Algerien und Tunesien bilden 
hierzu ein Seitenstück,. Auch hier erklären die vorwaltenden Wüstenwinde 
(Samum und Seirocco) diese Tatsache. So finden wir in ganz Nordafrika am 
Südrande des Mittelmeeres im Gegensatz zu den meisten Gegenden Europas einen 
atmosphärisch bewegteren Frühling?®. Auch das Harmattanphänomen Ober- 
gzuineas hängt hiermit wenigstens zum Teil zusammen. 
Was nun die abessinischen Sommerregen anlangt, so führt nach. Ansicht 
der indischen Meteorologen ein abgelenkter Zweig des Südwestmonsuns des nord- 
indischen Ozeans als eine Art Südostmonsun die Feuchtigkeit heran, und in der 
Tat stellten Pilotvisierungen zu Mongalla unter 5.2° N-Br. im August 1908 in 
den unteren Schichten der Atmosphäre bis etwa 1000 m Höhe Südostwind fest*). 
Dieser könnte denn auch die Feuchtigkeit heranführen, die sich dann dem auf- 
steigenden Luftstrom mitteilen würde, der von etwa 1000 m Höhe ab allmählich 
in die südwestliche bis westsüdwestliche, zwischen 1000 und 5000 m Höhe 
herrschende Luftströmung hineingerissen werden dürfte. Dagegen spricht jedoch 
außer der allgemeinen Luftdruckverteilung des.Juli und August (vgl. die Figur) 
‘) Die gewaltige sommerliche asiatische Erwärmungszyklone mit ihrem Südwestmonsun und 
der im Nordwinter von Südasien aus sich entwickelnde Nordostpassat ist ja auch die Ursache des 
bereits im Mittelalter entwickelten Segelschiffahrtsverkehrs zwischen Südasien und Ostafrika, 
2) Vgl. oben S. 8. 
3) Vgl. hierüber: W. Brockmöller, Die geographische Verbreitung der monatlichen Baro- 
meterschwankungen. Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte, 39. Jahrg. 1911, S. 27/29. 
4) Allem Anschein nach herrschten jedoch gerade im August 1908 abnorme Verhältnisse in 
der Luftdruckverteilung, Vgl. hierüber: H, Krugler, a. a. O., S. 144,
	        
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