382 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1923.
fast völligen Übereinstimmung der Werte H für beide zu beobachtenden Wellen
K, und O, bei dem Gegensatz ihrer Phasen die tägliche Flut sehr klein wird,
und in diesen Fällen sind die halbtägigen Wellen von vorwiegender Bedeutung,
Die nach der Größe ihrer Amplituden nächstfolgenden Wellen in der
Mündung der Neva sind die Wellen M, und S,. Der Durchgang des mittleren
Mondes und der mittleren Sonne durch den Meridian findet an Neu- und Voll-
mondtagen statt, Da die relative Geschwindigkeit der beiden Flutwellen
30° 000 — 28° 984 = 1° 1016 in der Stunde beträgt oder 24° 384 im Laufe eines
Tages, so fällt die größte halbtägige Flut in der Mündung der Neva auf
° o
= 1.3 Tage nach Neu- oder Vollmond mit Schwankungen des Wasser-
spiegels im Mittel, gleich 2 (M, + S,) = 8.0 cm. Wie aber aus dem oben Gesagten
zu folgern ist, ist die tägliche Flut ungefähr zwei Tage, nachdem der Mond den
Äquator passiert hat, außerordentlich klein, Daher kann man erwarten, daß
nach ein bis zwei Tagen nach der Tag- und Nachtgleiche die Flut in der Mün-
dung der Neva einen regelmäßigen halbtägigen Charakter tragen wird, Wie
oben, finden wir nach The Nautical Almanac, daß während des Vollmondes (Full
Moon) am 22, September 1922 die Deklination des Mondes um 16h 38m 3 nach
der mittleren Zeit. von Greenwich N 0° 50’ war, die Deklination der Sonne aber
—N 1° 2. Der Gang der Flut vom 22. September 20% bis zum 23. September
23h ist in folgender Tabelle angegeben:
Zeit in Stunden) | 20| 21 |22|23| o|ı| 2 |3|4|5| 6| 7 |8| 9
hinem —.. .lıa7|—43|—3,6]—2.3| 0.0 | 2.5 | 4.4 | 5.3 [5.2 | 3.9 | 1.9 |—0.5|—2.7)—3,9
Zeit (in Stunden) | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21 | 22 | 23
hinem . +... .1—41)—3.2/—15| 0.6 | 2,3 | 3.6 | 3.7 | 2.6 | 0.7 |—1.4)—3.4)—4.61—4.8|—8,7
Die Zeichnung Nr. 4 stellt den Gang dieser Flut dar.
Auf die Geringfügigkeit der Fluten in der Mündung der Neva zur Zeit
der Tag- und Nachtgleichen hat auch J. Amelung seine Aufmerksamkeit gerichtet,
doch stieß er auf Schwierigkeiten, den Grund dieser Erscheinung zu erklären.
Die Wellen P und K, sind verhältnismäßig wenig bei den Fluterscheinungen
in der Mündung der Neva beteiligt. Im allgemeinen kann man darauf hinweisen, daß
die Welle P, welche von der Deklination der Sonne abhängt, die Flut im Juni und
Dezember, wenn die Deklination der Sonne maximal ist, ein wenig verstärkt, und
während der Tag- und Nachtgleichen schwächt. Doch wird die halbtägige Flut
während der Tag- und Nachtgleichen ein wenig durch die Welle K, verstärkt.
Die Untersuchung der Fluterscheinungen im anliegenden Teil des offenen
Meeres ergibt sich aus den vorhergehenden Betrachtungen, wozu Kronstadt,
30 km von der Mündung der Neva entfernt, der passende Punkt ist. Zu diesem
Zwecke habe ich die Werte der Schwankungen des Meeresniveaus bei Kronstadt
durchgesehen, welche in den Annalen der „Hydro-meteorologischen Beobachtungen“
von der Hydrographischen Hauptverwaltung in den Jahren 1898—1913 heraus-
gegeben worden sind; außerdem für das Jahr 1919, wobei es mir gelang, folgende
passenden Perioden festzustellen: vom 18, Mai bis zum 2. Juni 1903, vom 12. bis
zum 27. Juni 1906, vom 16; Juni bis zum 1. Juli 1909, vom 29. Juli bis zum
12. August 1911 und vom 18. bis zum 28. Mai 1919. Die Analyse dieser Perioden
ergab folgende Resultate:
“Nach der Bearbeitung
der 15tägigen Perioden
in den Jahren
1903
1906
1909
1911
1919
Mittel
_M
er |
C
ww
nt
=
en
K,
Fr
Sr
K
2.4 71° 0.8 10380 3.2 3559 2.6 24°
1.6 969 0.4 1220 0.9 348° 1,6 330
2.0 109° 0.9 118° 1.9 “440 29 | 279
16 830 1.3 1000 53 709 25 35°
17 61° , 05 98° = 28 357° 2,3 220
ı 19 | 840 } 08 | 10890 | 24 | 3550 | 24 | 28°