Petersen, P.: Die Eisverhältnisse an den deutschen Küsten während des Winters 1922/23. 92927
küste hinaus, und es kam an verschiedenen Stationen der östlichen Ostsee wieder
zur Bildung von Eis, Nachdem diese Kältewelle sich mehrere Tage gehalten
hatte, wich die Frostgrenze wieder zurück nach der östlichen Ostsee. Ein er-
neutes Vordringen kalter. Polarluft westwärts bis zur Nordsee fand am 30, Januar
statt. Diese wurde aber bald nach der mittleren und östlichen Ostsee zurück-
gedrängt durch wärmere westliche Winde einer von Westen herannahenden De-
pression. Eine sehr rasche Verschiebung der Frostgrenze nach den Küsten der
Nordsee fand am 6. Februar statt, wodurch sich allmählich an den deutschen
Küsten der Ost- und Nordsee bis zur Ems Eis bildete. Erst in den letzten
Tagen des Februar begann die Frostgrenze langsam zurückzuweichen, und die
Häfen der Nordsee wurden wieder eisfrei, ı
Während des ganzen Monats waren an den deutschen Küsten kalte östliche
Winde bei weitem vorherrschend, auch noch im März waren diese Winde über-
wiegend, doch blieben unsere Gewässer im letzteren Monat von Frost, der die
Eisbildung zu fördern imstande gewesen wäre, verschont, und das Eis ver-
schwand nach und nach aus den Ostseehäfen.
Die Eisverhältnisse an der Nordseeküste.
Während es im Vorjahre schon im November durch frühzeitige Eisbildung
zu Störungen in der Schiffahrt kam, traten im letzten Winter erst im Februar
Behinderungen für die Schiffe durch Eis ein. Im Nordseegebiet war Husum der
einzigste Hafen, der schon im Dezember, am 9, und 10., und im Januar, am 19,,
Eis meldete, das aber keine Behinderung der Schiffahrt verursachte. Während
der später eintretenden eigentlichen Eisperiode war die Besetzung der Nordsee-
häfen durch Eis je nach ihrer Lage sehr ungleich, sie dauerte an einigen der
am meisten davon in Mitleidenschaft gezogenen Häfen vom 14. bis zum 28. Februar.
Gänzlich eisfrei blieben die Gewässer um Helgoland herum und vor der Außen-
jade. Die Ergebnisse langjähriger Beobachtungen zeigen, daß in diesen Gewässern
die Eisverhältnisse besonders günstig liegen.
‚Die Tabelle I gibt eine allgemeine übersichtliche Darstellung der Eis-
verhältnisse im ganzen Nordseegebiet, für jede Beobachtungsstation ist die Dauer
der Eisbesetzung und die Art der Behinderung der Schiffahrt usw. angegeben,
so daß sich weitere Angaben von Zahlen erübrigen.
Die Eisverhältnisse an der Ostseeküste.
Trotz des sehr milden Winters zeigte sich für die Schiffahrt im Vergleich
zu den Häfen der Nordsee doch eine ausgeprägte Zunahme von Behinderung
durch Eis in den Häfen der Ostsee, besonders in den östlich gelegenen. Während
es in der Nordsee im November überhaupt nicht zur Bildung von Eis kam,
meldeten die östlichen Häfen der Ostsee vom 28. November ab schon erschwerten
Verkehr für Segler. Erst gegen Ende der zweiten und Anfang der dritten De-
kade des Dezember waren die Häfen der östlichen Ostsee wieder eisfrei. Um
die Mitte des Januar begann in den östlichen Häfen erneute Behinderung der
Schiffahrt durch Eis, während die Häfen der mittleren und westlichen Ostsee
erst etwa einen Monat später davon heimgesucht wurden. Im Gegensatz zu den
Nordseehäfen, wo die Enteisung der Häfen sich schon im Februar vollzog,
meldeten einige Ostseehäfen noch bis Ende März Behinderung der Schiffahrt
durch Eis,
Auch im vergangenen Winter war, wie gewöhnlich, die Schiffahrt be-
sonders in den geschlossenen Gewässern und Haffen durch Eis behindert,
während die mehr frei gelegenen Orte fast gar nicht durch Eis gestört wurden.
Als sehr günstig können die Eisverhältnisse an den Küsten der Ostsee betrachtet
werden in den Gewässern um Fehmarn herum, im Kieler und Flensburger Hafen,
auf der Flensburger Förde, bei Arkona und in Kolberg. Im Winter 1922/23
waren diese Stationen eisfrei, und selbst im überaus strengen Winter 1921/22
trat diese charakteristische Erscheinung deutlich hervor.
Es erübrigt sich auch hier über die einzelnen Stationen besondere An-
gaben zu machen, da die Tabelle II eine bequeme Übersicht gibt über die KEis-
and Schiffahrtsverhältnisse jeder darin angeführten Eisbeobachtungsstelle.