Ann. d. Hydr, usw., LI. Jahrg. (1928), Heft X.
Die Eisverhältnisse
Küsten während des Winters 1922/23.
Im dienstlichen Auftrage bearbeitet von Kapt. P. Petersen.
an den deutschen
Allgemeines.
Die vorliegende Bearbeitung der Eisverhältnisse an den deutschen Küsten
während des vergangenen Winters beruht auf den Beobachtungen an 28 Beob-
achtungsstationen der Ostsee- und 25 Stationen der Nordseeküste. Sie ist in
ähnlicher Weise vorgenommen, wie die in den früheren Jahren in dieser Zeit-
schrift darüber veröffentlichten Berichte.
Die Übermittelung der Eisverhältnisse während der Eisperiode an die
Seewarte erfolgte an Wochentagen durch verschlüsselte telegraphische Meldungen.
Am Schluß jedes Monats (November bis März einschließlich) sandte außerdem
jeder Beobachter einen Monatsbericht ein, der neben den sonntäglichen Beob-
achtungen auch nähere Einzelheiten über die Dicke des Eises, über die Wirkung
von Wind und Tiden auf die Eisverhältnisse, über die Tätigkeit der Eisbrecher
usw. brachte.
Auf Grund der täglichen Telegramme wurden KEisberichte zusammen-
gestellt, die den täglichen Wetterberichten der Deutschen Seewarte angefügt und
831 amtlichen Stellen durch die Post zugesandt wurden, Außerdem wurden diese
telegraphischen Meldungen zu einem Sammeltelegramm vereinigt und täglich
22 amtlichen, 4 privaten Empfängern, sowie 8 Zeitungen übermittelt. Die Funk-
stelle Königswusterhausen erhielt täglich einen kombinierten Eisbericht von
3 Gruppen zu je 6. Ziffern, wodurch sie die Eisverhältnisse von 5 Häfen der
Ostsee und 4 Häfen der Nordsee dem internationalen Verkehr übermitteln konnte
Den Funkstellen Norddeich und Swinemünde wurden Eismeldungen, 7 Gruppen
zu je 6 Ziffern, täglich zugeleitet, so daß Norddeich in der Lage war, die Eis-
meldungen von 18 Häfen der Nordsee und 3 Häfen der Ostsee, Swinemünde die
von 21 Häfen der Ostsee dem internationalen Verkehr zu übergeben. Das von
der Seewarte an die Dienststelle der Marineleitung Hamburg täglich übersandte
Sammeltelegramm über die Eisverhältnisse der Ost- und Nordsee wurde von dort
auf dem Marinefernschreiber einer Anzahl von amtlichen Empfängern über-
mittelt. Es war somit Sorge getragen, daß die für die Schiffahrt so wichtigen
Eisnachrichten eine weitgehende Verbreitung fanden.
Die Schiffahrt erlitt infolge des milden Winters 1922/23 nur geringe
Störung. Für Dampfer war nur der Seekanal und das Fahrwasser Frisches
Haff bis Königsberg für längere Zeit geschlossen, alle andern Häfen der deutschen
Küsten waren den ganzen Winter für sie offen. Für Segler lagen die Ver-
hältnisse ungünstiger, besonders in der Ostsee, wo eine Anzahl Häfen durch Eis
gesperrt waren.
In der östlichen Ostsee kam schon Ende November Eis vor, das jedoch
infolge des milderen Wetters im Dezember wieder verschwand und der Schiff-
fahrt keine nennenswerte Störung brachte. In der zweiten Hälfte des Januar
bildete sich infolge kälteren Wetters wieder Eis, das die Häfen, besonders in
der östlichen Ostsee, noch bis in den März hinein besetzte.
Über die Temperaturverhältnisse des letzten Winters an je zwei Stationen
der Nord- und Ostsee geben nachstehende Tabellen eine gute Übersicht.
Die Tem: AT "ga des W’n“-—q 19202/0923,
Monat
Mittel
Rorkum
Abweich,
vom 15).
Mittel
Mittel |
Keitum
Abweich,
vom 15j
AMjttal
Rügenweldermünde
Abweich.
Mittel vom 153.
Pitt?
November 1922 , ‚ı 5.3° 0.1°; 40°| —0.79) 32° | —0.4°
Dezember 1922 . : 52 8 | al | +23 | 25 | +22
Januar 1923 . | 45 39 1 33 | 432 16 | +31
Februar 1923 ; ; 10 —06 |—05 | —09 | _—22 | 14
März‘ 1923 ; | 48 | +16 [7 aAı | 723 | 20 | 411 ı
Ann. d. Hvdr. nsw. 1922. Haft
Memel :
a Abweich.
Mittel | vom 153.
Mittel
1.8°
05
0.5
6.0
1.1
—1.1°
+16
+3.7
—3.6
41.7