Sterneck, R.: Die Eintagstiden im Mittelmeer,
noch einer der ganztägigen Tiden liegt, weist einen Eintagsindex 056 auf, der
vom Normalwert nicht wesentlich abweicht. Im Tyrrhenischen Meer nimmt
der Eintagsindex von Cagliari (0.40) bis Neapel (0.23) beim Fortschreiten gegen
Osten ab, im Mittel hat er den Wert 0.30; die Verkleinerung gegenüber dem
Normalwert rührt daher, daß sich bei den Halbtagstiden am Ostende des West-
beckens ein Schwingungsbauch mit sehr großer Amplitude ausbildet, während
die Amplituden der Eintagstiden bei der Annäherung an das östliche Ende des
Westbeckens in ständiger Abnahme begriffen sind. Im Ionischen Meer finden
wir bei der wichtigsten Eintagstide K, sowohl beim Mitschwingen als auch beim
selbständigen Anteil eine Knotenlinie der Längsschwingung; dementsprechend
hat der Eintagsindex hier einen sehr kleinen Wert, nämlich 0.24, der gegen den
Normalwert 0.49 um die Hälfte zurückbleibt. Nicht viel größer ist sein Wert
in Alexandrien. Zwar nimmt die Amplitude von K, vom Ionischen Meer gegen
Osten zu, aber. jene von O geht neuerdings durch Null hindurch und überdies
sind die Amplituden der Halbtagstiden im östlichen Becken gegen das Ostende
wieder in starker Zunahme begriffen. Der ganz minimale Wert des Eintags-
index in Sfax, 0.04, erklärt sich daraus, daß die kleine Syrte als schwingende
Meeresbucht, eine Eigenperiode von fast genau 12 Stunden besitzt, die Amplituden
der Halbtagstiden sich also in ihr ganz bedeutend vergrößern. In Mazzara
del Vallo finden wir dagegen wieder einen besonders großen Wert des Eintags-
index, nämlich g54; hier haben die Längsschwingungen der Halbtagstiden eine
Knotenlinie, die Eintagstiden aber noch größere.Amplituden als im angrenzenden
Tyrrhenischen Meer; da überdies die Kappazahlen der Eintagstiden gegen jene
im Tyrrhenischen Meer stark verschoben sind, müssen wir hier auch bei den
Eintagstiden Querschwingungen infolge der Erdrotation vermuten.
Mit dem Eintagsindex im Ionischen Meer hängt derjenige an der Mün-
dungsstelle der Adria aufs engste zusammen. Aus den Ergebnissen der
harmonischen Analyse für die Stationen innerhalb der Adria und der theoretischen
Amplitudenverteilung der einzelnen Partialtiden habe ich den Eintagsindex in
der Straße von Otranto mit 0.18 berechnet!). Die Übereinstimmung mit dem
für das Ionische Meer aus der harmonischen Analyse gefundenen Mittelwert
0.24 ist durchaus befriedigend.
Der Wert des Eintagsindex in der Straße von Otranto bestimmt nun aber
in eindeutiger Weise den Gezeitentypus im ganzen Adriatischen Meere,
Hätte z. B. der Eintagsindex an der Mündungsstelle der Adria den Wert 0.49,
nämlich den unter der Einwirkung der Ost-—West-Komponenten im Mittelmeer
zu erwartenden Normalwert, so müßten die Eintagstiden in der ganzen Adria,
da ihre Amplitudenverteilung auch dann noch den gleichen hydrodynamischen
Differentialgleichungen genügen müßte, nahezu doppelt so große Amplituden auf-
weisen als wir sie beobachten, Es müßte also namentlich am Nordende, wo die
harmonische Analyse in Triest den Eintagsindex 0.53 ergibt, sich sein Wert auf
mehr als 1.06 erhöhen, so daß die Gezeiten in Triest dem Eintagstypus bereits
nahekommen müßten.
Indem uns die harmonische Analyse der Mittelmeergezeiten, durch die An-
ordnung der Knotenlinien der Eintagstiden die Kleinheit des Eintagsindex im
Ionischen Meere verständlich macht, liefert sie uns somit zugleich auch den
wichtigsten Einblick in die Natur jener Vorgänge, mit denen die Gezeiten-
erscheinungen der Adria in ursächlichem Zusammenhang stehen.
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Neuere Veröffentlichungen.
A. Besprechungen und ausführliche Inhaltsangaben.
G roll, M.: Kartenkunde, 2. Aufl., neu bearbeitet Auch der zweite Band der Kartenkunde ist in
von Dr. Otto Graf. IL Der Karteninhalt. der Neuauflage nur wenig verändert. Im ersten
89°, 1338. m. 39 Abb. im Text und auf Tafeln. Teile, der die Herstellung der Karten, also die
Sammlung Göschen, Nr. 599. Berlin u. Leipzig Landesaufnahme, die Darstellung in der Karte, das
1923. Vereinigung wissenschaftlicher Verleger. . Zeichnen und die Reproduktionsverfahren bespricht,
1) „Die Gezeitenerscheinungen in der Adria“, II, Teil, Denkschriften der Akademie der
Wiss. in Wien, mathem.-naturw. Klasse, Bd. 96, 1919, S. 277—324.