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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 51 (1923)

218 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1923. 
überdies örtlich veränderliche Amplitude besitzen. Wie bei den Halbtagstiden ent- 
stammt die eine dieser beiden Wellen dem Mitschwingen des Mittelmeeres mit 
der außerhalb der Gibraltar-Straße im Atlantischen Ozean vor sich gehenden 
Gezeitenbewegung, die andere der direkten Einwirkung der die betr effende 
Eintagstide erzeugenden Kraft auf die Wassermassen des Mittelmeeres selbst. 
Unsere Aufgabe ist es, diese beiden Wellen zunächst rechnerisch voneinander 
zu trennen. 
Wir nehmen der Einfachheit halber an, daß das Mitschwingen mit der 
äußeren Gezeitenbewegung reibungslos erfolge, somit zu Längsschwingungen führe, 
die mit ihr vollkommen synchron verlaufen. Unter dieser Voraussetzung müßte 
man, wenn keine Einwirkung der fluterzeugenden Kräfte auf die Wassermassen 
des Mittelmeeres selbst stattfände, an jeder Stelle entweder die in Cädiz beob- 
achtete reduzierte Kappazahl x’ oder die um 180° vermehrte beobachten. Durch 
diese beiden Werte von x’ wären zweierlei Gebiete charakterisiert, die (wenn wir 
auch vom Einfluß der Erdrotation. absehen) durch einfache Knotenlinien dieser 
Längsschwingungen voneinander getrennt wären. 
Ganz anders wird sich aber die im Mittelmeer selbst entstehende 
Komponente einer einzelnen Eintagstide verhalten, Ihr werden zwar gleichfalls 
stehende Wellen zugeordnet sein, aber die reduzierten Kappazahlen werden, den 
periodischen Neigungen der Niveaufläche entsprechend, hier immer ungefähr 90° 
oder 270° betragen müssen, da der Meridian 15° O v. Greenw., auf den wir die Kappa- 
zahlen reduziert haben, die Ostwesterstreckung des ganzen Mittelmeeres genau 
halbiert. Da die mittleren Meridiane der beiden einzelnen großen Mittelmeerbecken 
nur um 8° bis 9° von demjenigen bei 15° O v. Greenw., und zwar in entgegen- 
gesetzten Richtungen, entfernt sind, so werden sich, auch wenn jedes Becken in 
selbständige Schwingungen geriete, etwaige kleine Abweichungen von 90° oder 
270° infolge des gegenseitigen Mitschwingens der beiden Becken wieder so ziemlich 
ausgleichen müssen. 
Wir setzen x',= 90° und ordnen der selbständigen Komponente der in Be- 
tracht gezogenen Eintagstide an einer bestimmten Stelle im Mittelmeer eine Bewegung 
Yı = By COS (0 t — 1’) 
ZU, WO 0 == 22 gesetzt ist, T die Periode bedeutet und die Zeit t von der 
Kulmination des Idealgestirns im Meridian 15° O v. Greenw. gezählt ist, Bei 
positiver Amplitude a, würde an der betreffenden Stelle die reduzierte Kappa- 
zahl x, = 90°, bei negativer x,’ -+ 180° = 270° zur Beobachtung gelangen. 
Analog wird dem Mitschwingen mit dem Atlantischen Ozean an jeder einzelnen 
Stelle eine Bewegung 
No = 8 COS (0 6 — %g') 
zugeordnet sein, wo x, die in Cädiz beobachtete reduzierte Kappazahl und a, 
gleichfalls in gewissen Gebieten positive, in anderen negative Werte annehmen 
wird; bei positivem a, käme bei bloßem Mitschwingen die reduzierte Kappa- 
zahl x,’ zur Beobachtung, bei negativem aber %g/ + 180°. 
Die beiden Bewegungen setzen sich an der in Betracht gezogenen Stelle 
zu einer Resultierenden 
nn = 9 = H'cos (ot — w) 
zusammen, die ihrerseits der Beobachtung zugänglich ist. Die Werte H und x’ 
sind für die einzelnen Teilgebiete des Mittelmeeres in der vorstehenden Tabelle 
verzeichnet. 
Aus der Beziehung 
H cos (so t — x’) = a, cos (0 t — x1") + ag cO8 (0 t — x’) 
arhält man durch Spezialisierung für t= 0 und t = die beiden Relationen 
H cos x' == a, COS x," -|- 84 COS x,’ ; 
. H sin x = a, sin x, -+ a, Sin x%g/ 
und aus ihnen, indem man zuerst a,, dann a, eliminiert, 
sin (x — xg’) sin (x — x’) 
a =H- sin (x, — xg'}) = H- Bin (x —
	        
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