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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 51 (1923)

Koch, E.: Uber die Beziehung zwischen Gradient, Wind und Strom im Nordatlantischen Ozean. 215 
über die Kräfte der Winde hergeführten Wassermassen des Golfstroms, der hier 
seine frühere Kraft als Abflußstrom verloren hat. — Beim dritten Beispiel weist 
eine starke Windkomponente nach- Westen und eine etwa !/, so starke zweite 
Komponente nach Süden, die wohl hauptsächlich auf das Kompensations- 
bedürfnis im Ursprungsgebiet des Nordäquatorialstroms zurückzuführen ist. 
Die hier als Restkomponente bezeichnete zweite Komponente wäre nun auch 
eingehend zu untersuchen und in weitere Unterkomponenten zu zerlegen, 
wie stromerzeugende Kraft der Dichteunterschiede, Trägheitsmoment, Stau- und 
Kompensationswirkung usw. Indem man so analysierend vorgeht, wird es, sobald 
erst genügendes Material vorliegt, möglich sein, über die mannigfachen Ent- 
stehungsursachen der Meeresströmungen, die jetzt noch so viele Fragen in sich 
schließen, mehr Klarheit zu gewinnen, 
IV. Zusammenfassung. 
Zusammenfassend ergibt sich aus dieser auf Grund monatlicher Mittel- 
werte durchgeführten Untersuchung der Beziehungen zwischen Gradient, Wind 
und Strom im Nordatlantischen Ozean zwischen 20—50° N folgendes: Die Ab- 
lenkung des Windes. von der Gradientrichtung wird durch die Guldberg- 
Mohnsche Formel tg a = N ROSE mit einer mittleren Korrektion von -+ 9°, die 
sich im einzelnen nach der Windstärke richtet und daher auch jahreszeitliche Perioden 
aufweist, richtig wiedergegeben. Die mittlere beobachtete Windgeschwindigkeit 
zeigt mit der nach der Wegemannschen Formel a. w = Cc-.cosa aus dem Iso- 
barenabstand berechneten Windstärke gute Übereinstimmung und beweist die 
Brauchbarkeit dieser Formel — sie ist aus täglichen, synoptischen Wetterkarten 
abgeleitet — auch für Luftdruckkarten, die Mittelwerte für eine längere Zeit 
angeben. Die Ablenkung der oberflächlichen Triftströme von der Windrichtung 
beträgt gemäß der Ekmanschen Theorie 45°, 1 m/sec Wind ruft eine Trift von 
3.14 cm/sec hervor, oder anders ausgedrückt, der Windfaktor 4 hat für die mittlere 
Breite g = 34° N den Wert 3.14. Daraus ergibt sich dann als Näherungswert für 
die Konstante 4 Vsing, aus der sich die Windfaktoren für beliebige Breiten be- 
rechnen lassen, die Zahl 2.35, ; 
Man kann also, wenn nur die Luftdruckverteilung genau be- 
kannt ist, ein mit der Wirklichkeit gut übereinstimmendes Bild der 
dadurch hervorgerufenen Winde und der von diesen verursachten 
Triften nach Richtung und Stärke geben. Zeigen die wirklich vor- 
handenen Meeresströmungen einen andern Verlauf als die so be- 
rechneten Triften, so hat man dadurch einen Anhalt, in welcher 
Richtung und Stärke sich die Summe der übrigen nicht vom Winde 
abhängigen stromerzeugenden Faktoren bewegt. 
Die Eintagstiden im Mittelmeer. 
Von Prof. Dr. R. Sterneck, Graz. 
Durch das außerordentlich weitgehende Entgegenkommen, mit dem mir in 
den Mittelmeerländern das mareographische Beobachtungsmaterial für die Zwecke 
meiner Gezeitenstudien zur Verfügung gestellt wurde, ist es mir möglich ge- 
worden, im Laufe der beiden letzten Jahre die harmonische Analyse für 14 
neue Stationen an den Küsten des Mittelmeeres (einschließlich Cädiz) durch- 
zuführen. Ich möchte mir gestatten, die wichtigsten Ergebnisse dieser Rechnungen, 
insbesondere soweit sie sich auf die bisher ganz unbekannten Eintagstiden im 
Mittelmeer beziehen, auch hier mitzuteilen !). 
i) Auszug aus meiner Abhandlung: „Harmonische Analyse und Theorie der Mittelmeergezeiten, 
[. Mitteilung‘, Sitzungsberichte der Akademie der Wissenschaften in Wien, mathem.-naturw. Klasse. 
Abt. IIa, Bd. 131 (1922), S. 667—694, Dort werden insbesondere auch die wahrscheinlichen 
Fehler der einzelnen Konstanten, die Halbtagstiden, die Amplitudenverhältnisse, Hafen- 
zeiten und Hubhöhen in den einzelnen Stationen, dann auch die besonderen Anomalien der 
Gezeitenerscheinungen in Messina eingehender untersucht.
	        
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