214 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1923
und ausgewertet. Durch zwei verschiedene Messungsmethoden erhärtet, gewinnt
er dort für i4ysmg übereinstimmend den Wert 2.78. Daß diese von Brennecke
erhaltene Zahl größer ist als die nach Thorade, Gall& und vorliegender Unter-
suchung sich ergebenden Werte, erklärt sich zwanglos dadurch, daß die Über-
tragung der Energie des Windes bei dem mit Eis bedeckten Meere sicherlich
eine größere ist als bei der freien Wasseroberfläche.
8. Zur Analyse der Meeresströmungen. Mit Hilfe dieser Beziehungen zwischen
Wind- und Triftstrom ist es nun möglich, überall, wo genügende Beobachtungen
vorliegen, die Gesamtströmung nach dem Prinzip des Kräfteparallelo-
gramms zu zerlegen und die Windkomponente abzuspalten. Man erhält
dann einen Überblick, wie weit die vorliegende Strömung der theoretischen Trift-
strömung entspricht, und in welcher Richtung und Stärke sich die Summe der
übrigbleibenden Faktoren bewegt. Es wurde dies an drei Beispielen durch-
geführt, und zwar durch mechanische Koppelrechnung die mittlere jährliche
Wind- und Stromresultante ermittelt, aus der Gleichung /-Ysing = 2.35 für
die Mittelbreite jedes Fünfgradfeldes der zugehörige Windfaktor bestimmt, und dann
Richtung und Größe der Windkomponente sowie der Restkomponente berechnet.
Es ist allerdings streng genommen eine scharfe Scheidung von Wind-
und Restkomponente nach der hier befolgten Untersuchungsmethode nicht durch-
führbar. Denn zur Berechnung des mittleren Ablenkungswinkels der Trift-
richtung und des mittleren Windfaktors wurden in den dazu ausgewählten Fünf-
gradfeldstreifen alle Strombeobachtungen verwendet, also auch solche, in denen
die Windkomponente gegenüber der Restkomponente zurücktritt. Der Einfluß der
Restkomponente ist daher in den Ergebnissen implizite enthalten. Könnte man
zur Ableitung des Ablenkungswinkels und des Windfaktors diejenigen Strom-
beobachtungen aussondern, die unter dem Einfluß des Windes allein stehen,
so wäre es möglich, aus diesen annähernd die reine Windkomponente zu be-
stimmen. Eine solche Aussonderung reiner Triftströmungen wird allerdings
kaum durchführbar sein, und so mag unter Vorbehalten der bezeichneten Art
der Versuch berechtigt sein, aus dem vorliegenden Material einen Anhalt für den
relativen Anteil der Wind- und der Restkomponente zu gewinnen.
Tabelle 13.
Fünfgradfeld
Windfaktor
40—45° N
55—60° W
Golfstrom südlich Neufundland
45—50° N ;
35—40° W . 2.73
Mitte der Golfstromtrift
25—30° N
20—259° W 3.44
Kanarienstrom .
Wind- | Strom-
resultante resultante
Wind- Rest-
komponente | komponente
der Strömung
S83W | 8850 8520 N740
2,2 m/sec "652 Sm/Etm 12.93 Sm/Etm | 4.36 Sm/Etm
S78W | S690 * 8570 N43W
3,1 m/sec |2.19 Sm/Etm [3.95 Sm/Etm | 1.88 Sm/Etm
N440 S7t1W S89W S16W
3.6 m/sec |6.75 an 5.79 Sm/Etm |2.18 Sm/Etm
Es zeigt sich beim ersten Beispiel gegenüber der nach SO gerichteten
Windkomponente eine mächtigere nach ONO zeigende zweite Komponente, in der
sich hauptsächlich die Eigenschaft des Golfstroms als Abflußstrom und dessen
Trägheitsmoment kundgeben, und außerdem auch ein nach Norden gerichteter
Gradient zum Ausgleich der Dichtigkeitsunterschiede, die gerade an dieser
Stelle, wie die Castenssche!) Untersuchung lehrt, eine solche Größe haben wie
sonst nirgends.im Atlantischen Ozean. — Beim zweiten Beispiel steht der nach
0SO gerichteten starken Windkomponente eine schwächere, nach NW, also sogar
links rückwärtsweisende zweite Komponente gegenüber, in der sich vielleicht
einerseits das Kompensationsbedürfnis des durch Triftströme (Ostgrönland-
und Labradorstrom) entleerten nördlichen Meeresbeckens ausspricht, andererseits
auch wohl eine Rückstauwirkung im Ozean selbst gegenüber den von Westen
1) G. Castens, Untersuchungen über die Strömungen des. Atlantischen Ozeans, Die Dichte
und. Windverhältnisse. Diss. Kiel 1905. Anhang Tafel 5,