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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 51 (1923)

Koch, E.: Über die Beziehung zwischen Gradient, Wind und Strom im Nordatlantischen Ozean, 213 
gleich des sich bei den verschiedenen Windstärken ergebenden Windfaktors in 
Erscheinung treten (s. Tab, 12), die Windstärken unter 2,5 m/sec nicht mitberück- 
sichtigt worden. Es ergibt sich dann im Mittel für etwa 34° N-Br.: 1 m/sec 
Wind ruft in der Richtung 45° rechts vom Wind eine Trift von 
11.65 Sm/Etm oder 3.14 cm/sec hervor. 
__ Bezeichnet man mit s die Triftgeschwindigkeit in cem/sec und mit v die Wind- 
stärke in m/sec, so hat in der Gleichung s = A-v der Windfaktor 4 für das Unter- 
suchungsgebiet also den Wert 3.14. Nach der Ekmanschen Theorie!) ist die Ge- 
schwindigkeit eines Triftstroms bei gleichem Wind proportional zu Te Zi wenn 
@ die geogr. Breite bezeichnet; danach wäre A-Vsing eine Konstante, Um 
die Richtigkeit dieser Forderung zu prüfen, wurde mit dem zur Verfügung 
stehenden Material (Windstärken unter 2.5 m/sec ausgeschaltet) der Windfaktor 
in den beiden Zonen 20—30° N und 40—50° N berechnet. Für die südliche Zone 
ergibt sich (aus 28 Mittelwerten) A025) = 3.36 und für die nördliche (aus 
20 Mittelwerten) Ä(p-—450) = 2.90. Daraus folgt As V’sin 25° = 2.18, As Vsin 45° = 2.44, 
während sich für das Gesamtgebiet mit 4 = 3.14 (für g = 34°) die Konstante 
A-Vsinp = 2,35 ergibt. Wenn auch die so errechneten Konstanten nicht genau 
miteinander übereinstimmen, so darf doch aus den verhältnismäßig nahe bei- 
einander liegenden Werten wohl auf die qualitative Richtigkeit der oben 
erwähnten Ekmanschen Forderung geschlossen werden, Eine einwandfreie, 
exakte zahlenmäßige Untersuchung zwischen Wind- und Triftgeschwindigkeit 1äßt 
das vorliegende Material nicht zu. Einmal wegen der von vornherein betonten 
Unsicherheit, ob es sich in den untersuchten Fünfgradfeldern wirklich nur um 
Triftströme handelt, dann wegen der Nichtberücksichtigung der Stromstillen, und 
weiterhin wegen der Unmöglichkeit, die Wirkung des Tiefenstroms abzuschätzen, 
dessen Geschwindigkeit sicherlich die Stärke der Oberflächentrift beeinflussen wird. 
Mit der Frage der Beziehung zwischen Wind- und Triftgeschwindigkeit 
hat sich wiederholt H. Thorade?) befaßt. Er berechnet aus Unterlagen von 
Mohn, Dinklage und Witting sowie nach eigenen Untersuchungen für A-Vsing 
als wahrscheinlichsten Wert 1.27 für das offene Meer und nach Nansens Trift 
im Nordpolarmeer 1.90 für das eisbedeckte Meer. 
Die Berechnungen Thorades ergeben also kleinere Werte als die oben 
gefundene Zahl 2.35, Bestimmt man /ysing nach den Angaben Gall&6s?3), bei 
dessen Material auch Stromstillen mit einbezogen sind, so erhält man im Mittel 
den Wert 2.38, der also dem von 2,35 recht nahe kommt. Thorade lehnt 
Galles Ergebnisse als zu hoch ab, wegen der Nichtberücksichtigung des hypo- 
thetischen Tiefenstroms, ein Einwurf, der ja auch gegen das hier vorliegende 
Material erhoben werden könnte. Geklärt werden kann dieses Problem aber 
nur durch Ausführung von bisher noch fehlenden einwandfreien, exakten Beob- 
achtungen im offenen Meer, d. h. eine Reihe von gleichzeitigen, am besten 
alle 1—2 Stunden angestellten Beobachtungen von Wind und Strom an Stellen, 
an denen wirklich nur der Wind als Stromerreger in Betracht kommen kann, 
In ausführlicher Weise hat im eisbedeckten Meer W. Brennecke‘*) 
solche Beobachtungen auf der Trift der „Deutschland“ im Weddellmeer angestellt 
\ W. Ekman, Beiträge z. Theorie d. Meeresströmungen. Ann. d. Hydr. 1906, S. 539. 
?) H. Thorade, Die Geschwindigkeit von Triftströmungen (zur Ekmanschen Theorie). 
Wiss, Beilage zum Jahresb. d. Realschule in Eilbeck. Hamburg 1913/14. Auszug in Ann. d. Hydr. 
usw. 1914, 8. 379. Siehe auch die Bemerkungen von H. Thorade in W. Brennecke: Die ozeanogr. 
Arbeiten der Deutschen Antarktischen Expedition 1911—1912, Aus d. Archiv d, Deutschen Seewarte. 
1921, Nr, 1, S. 209. 
3) Galle, a. a. O. S. 24 u. 25. Für die mittl. Breite von 28° S gibt er dort an, daß 1 m/sec 
Wind in der Stromrichtung eine Trift von 4.28 cm/sec, und für die mittl. Breite von 44° S eine Trift 
von 4.54 cm/sec erzeugt. Sieht man bei einem mittl. Triftablenkungswinkel von 45° aber den ganzen 
Wind als wirksam an, so verringern sich diese Zahlen auf A, == 3.05 cm/sec und Au = 3.21 em/sec, 
Daraus ergibt sich. A; V’sin 28° = 2.09 und A, +-V sin 44° —=2.68, im Mittel also 2-V sing = 2,38. 
4) W. Brennecke, Die ozeanogr. Arbeiten der Deutschen Antarkt. Expedition, Aus d. 
Archiv d. Deutsch. Seewarte 1921, Nr.1, S.198ff. Br. stellt hier für die Eistrift auch eine Ab- 
hängigkeit des Triftablenkungswinkels von der Windgeschwindigkeit fest, und zwar, daß mit steigender 
Windstärke der Ablenkungswinkel kleiner wird (vgl. S. 212).
	        
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