Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1923
Hiernach zeigt sich keine Änderung des Ablenkungswinkels, die
durch die verschiedene geographische Breite bedingt sein könnte.
Dieses Ergebnis spricht entschieden für die Ekmansche Theorie. ;
Angeregt durch die von Brennecke!) gemachte Wahrnehmung, daß der
Ablenkungswinkel mit der Windstärke zunimmt, da ja bei stärkerem Wind die
Wassermassen mehr durcheinander gewirbelt werden und infolgedessen auch
tiefere Schichten mit (nach der Ekmanschen Theorie) größerer Ablenkung an
die Oberfläche gelangen, und andererseits von dem Gedanken ausgehend, daß
die Konvektionsströmungen im Herbst und Winter einen größeren Triftablenkungs-
winkel mit an die Oberfläche bringen müßten, wurden auch mit vorliegendem
Material Untersuchungen angestellt, ob eine Abhängigkeit von der Windstärke
oder von Konvektionsströmungen und eine dadurch hervorgerufene jahreszeitliche
Periode nachzuweisen sei. Wie Tab. 12 (s. unten) zeigt, läßt sich hier keine
Abhängigkeit der Größe des Triftablenkungswinkels von der Wind-
stärke nachweisen. Schwache jahreszeitliche Schwankungen des Triftablenkungs-
winkels scheinen dennoch vorzuliegen. So ergibt sich für den Winter als mitt-
lerer Ablenkungswinkel (aus 17 Mittelwerten) 44,5°, für das Frühjahr (aus
20 Mittelwerten) 47.4°, für den Sommer (aus 19 Mittelwerten) 48.0° und für den
Herbst (aus 19 Mittelwerten) 42,3%. Die Abweichungen vom Jahresmittel 45,6°
sind allerdings so gering, daß sich keine sicheren Schlußfolgerungen darauf auf-
bauen lassen.
2. Die Geschwindigkeit der Triftströme. Wie verhalten sich nun die Ge-
schwindigkeiten von Wind und Trift zueinander? Um dies klarzulegen, wurde
genau dasselbe Material benutzt, das auch als Unterlage für die Bestimmung des
mittleren Ablenkungswinkels der Triftströme diente. Faßt man jedesmal die für
die beobachtete Windstärke von 0.2—1.4 m/sec, 1.6-—2.4 m/sec usw. zugehörenden
beobachteten Triftstärken zusammen und bildet das arithmetische Mittel, so
ergibt sich: Tabelle 12.
Anzahl der Mittelwerte
Mittlere Windstärke in m/sec .
Mittlerer Triftablenkungswinkel
Strom in Sm/Etmal . .
Strom in em/sec, . . .
Windfaktor?3\
ir
24
22
PM 23 > 4,6
45.09 45.20 45.1° 46.4°
2,94 4.40 4,73 6.20
6.27 9.42 10.20 13.27
7.84 4.28 3.37 2.89
Aus dieser Aufstellung geht hervor, daß die Stromstärke mit der
Windgeschwindigkeit wächst. Bei schwachen Winden ist die vermerkte
Stromstärke aber unverhältnismäßig größer als bei starken Winden. Diese Ab-
weichungen sind 1, der Trägheit der sich einmal bewegenden Wassermassen in
dem geschlossenen Stromkreis bei abflauenden Winden zuzuschreiben und
2. einem Umstand, der dem zugrunde liegenden Material anhaftet. Es sind nämlich
in der Quadratarbeit der Deutschen Seewarte die Stromversetzungen unter
6 Sm/Etmal unberücksichtigt geblieben), und diese sind bei schwachem Wind
und Windstillen, die bei den mittleren Windstärken mitberechnet wurden, sicherlich
bedeutend häufiger als bei starkem Wind. Weiter kommt hier wohl noch folgendes
in Betracht: Je größer die Windstärke, desto tiefere Wasserschichten müssen in
Bewegung gesetzt werden; daher wird die Triftstärke an der Oberfläche damn
relativ geringer sein, Auch die vertikalen Konvektionsströmungen können eine
Verlangsamung der Trift an der Oberfläche herbeiführen.
Bei der Berechnung eines allgemeinen Mittels für die Beziehungen zwischen
Wind- und Triftgeschwindigkeit im Untersuchungsgebiet sind daher wegen der
bei den schwachen Winden mitwirkenden Fehlerquellen, die besonders beim Ver-
N W. Brennecke: Deutsche antarktische Expedition. Die ozeanographischen Arbeiten im
Weddellmeer, Zeitschr. d. Ges. £. Erdk. Berlin 1914. 8. 128, S. auch Anmerk, * auf S. 213 dieser
Abhandlung,
2) Mit Windfaktor bezeichnet man diejenige Zahl, die angibt, wieviel cm/sec Triftstärke von
1 m/sec Wind hervorgerufen wird.
3) Siehe „Einleitung“ der einzelnen Quadrathefte S. XII.