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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 51 (1923)

210 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1923, 
die absolute Größe dieser Einwirkung, die wahrscheinlich relativ gering ist, 
läßt sich nach vorliegendem Material nicht machen. Die Hauptursache für den 
größeren Ablenkungswinkel bei stärkerem Wind ist, wie schon angegeben, der 
Austausch mit den höheren Luftschichten. 
1. Wind und Strom. 
Während bei den bisher untersuchten Windverhältnissen über die in den 
Guldberg-Mohnschen Gleichungen , ausgedrückten theoretischen Unterlagen, 
nämlich die Beziehung zwischen Gradientkraft, Reibung und Erdrotation ver- 
hältnismäßig gute Klarheit herrscht, liegen die Verhältnisse bei der Betrachtung 
der Stromversetzungen viel verwickelter. Bei der nach Ekman gemachten 
Annahme eines oberflächlichen Ablenkungswinkels der Strömung um 45° von der 
Windrichtung sind nur Wind, virtuelle Reibung und Erdrotation berücksichtigt. 
In Wirklichkeit werden die Meeresströmungen aber noch durch eine Reihe 
anderer Faktoren bedingt, wie Dichteunterschiede, Luftdruckunterschiede, Küsten- 
einfluß, Form des Meeresbodens, Windstau usw., die natürlich alle in den beob- 
achteten Stromversetzungen enthalten sind. Um die Beziehungen zwischen dem 
Wind und dem nur von ihm erzeugten Strom, der sogenannten Trift, zu finden, 
ist daher eine genaue Sichtung des Materials in bezug auf die Herkunft, ob es 
sich dort auch wirklich um Triftströme handelt, erforderlich ?). 
1. Der Triftablenkungswinkel. Es muß hier vorausgeschickt werden, daß 
wir zur Ermittlung der Größe der Triftablenkung zwei Berechnungen vornehmen 
können, nämlich die Abweichung der beobachteten Strömungen 1. von der 
theoretischen Windrichtung und 2, von der beobachteten Windrichtung. 
Es soll zuerst für beide Fälle ganz allgemein die Art der Ablenkung nach rechts 
oder links von der Windrichtung angegeben werden, ganz ohne Rücksicht auf 
die Entstehungsart der Ströme, ob es sich hier um Trift, Stau- oder Kompen- 
sationsströme usw. handelt. Darauf soll dann an ausgesuchten Stellen, wo in 
erster Linie nur der Wind als Entstehungsursache in Betracht kommt, und die 
anderen Faktoren zurücktreten, genauer die Größe der oberflächlichen Ablenkung 
der Trift vom Winde ermittelt werden. 
Die Häufigkeit (in Prozentzahlen) und Größe (von 90—90°) der Ablenkungen 
rechts und links von der Windrichtung verteilen sich wie folgt: ; 
Tabelle 10. 
links rechts 
1180—90° | 90—0° | 0—90° | 90—180° 
Anzahl der Abweichungen von der theoret. Windrichtung *6% | 16% 66% | 12% 
Anzahl der Abweichungen von der beobacht. Windrichtung *6%% 17% 70% 7% 
Aus diesen Zahlen, die aus allen Mittelwerten abgeleitet sind, unbekümmert 
um die zugrundeliegende Zahl von Einzelbeobachtungen und, wie schon erwähnt, 
unbekümmert um die Entstehungsart der Ströme, kann wohl geschlossen werden, 
daß eine ausgesprochene Ablenkung im Sinne der Nansen-Ekmanschen 
Theorie stattfindet. Das hier gefundene Zahlenergebnis stimmt auch sehr gut 
mit den von Gall&6?) für den Indischen Ozean gemachten Beobachtungen über- 
ein. Auf der nördlichen Halbkugel findet er dort für 77%, aller Fälle eine 
Ablenkung nach rechts, auf der Südhalbkugel für 69°, aller Fälle nach links. 
Um nun genauer den Einfluß der Winde auf die reinen Trift- 
ströme beurteilen zu können, wurden folgende Gebiete ausgeschlossen, bei denen 
der Wind nicht allein als Stromerreger in Betracht kommt: 1. Das Gebiet des 
ı) Auf die bisher bekannten theoretischen und aus der Erfahrung gefundenen Beziehungen 
zwischen Wind und Trift soll an dieser Stelle weiter nicht eingegangen werden, siehe darüber 
F, Exner: Zur Kenntnis der untersten Winde über Land und Wasser und der durch sie erzeugten 
Meeresströmungen. Ann. d. Hydr. S. 226 ff.; 0. Krümmel: Handbuch der Ozeanographie, Bd. II, 
2. Aufl., S. 451f.: P. H. Galle: Zur Kenntnis der Meeresströmungen, S. 6 ff., in Mededeelingen en 
Verhandelingen, Kon. Ned. Met. Inst., Utrecht 1910, Nr: 102, sowie auch H. Thorade: Die Ge- 
schwindigkeit von Triftströmungen und die Ekmansche Theorie, Ann, d. Hydr. 1914, S. 379, 
2) Galle a. a. O0. SS. 211.
	        
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