Koch, E.: Über die Beziehung zwischen Gradient, Wind und Strom im Nordatlantischen Ozean. 209
Herbst und Winter Frühling und Sommer
Gradient (4B). ‚ .. .. 2.3 mm 1.7 mm
Ablenkungswinkel . ... 809 78°
Die verschiedene Größe des Ablenkungswinkels auf der Erd-
oberfläche zu den‘ verschiedenen Jahreszeiten und in den ver-
schiedenen Quadranten der Minima und Maxima (bei sonst gleichen
Bedingungen für k und g) ist vor allem der verschiedenen Windstärke
zuzuschreiben. Daß solche Beziehungen bestehen, darauf weist auch Hann‘)
hin und führt zur Erläuterung verschiedene Tabellen an, ohne aber die Wind-
stärke als entscheidenden Faktor hervorzuheben. Theoretisch läßt sich ja auch
dagegen einwenden, daß durch die vergrößerte Windstärke sich auch die Reibung
an der Oberfläche vergrößert und deshalb. nach der bekannten Formel tg a =—
Swing on sich ein kleinerer Winkel ergeben müßte, Dies würde auch der Fall
sein, wenn die Bodenwinde stets an der Erdoberfläche haften blieben und kein
Austausch mit höheren Luftschichten möglich wäre. Nach Exner”) sind die
Guldberg-Mohnschen Gleichungen bis zu 10 m Höhe zutreffend. Wir müßten
also in dieser Höhe eine unüberwindliche Grenzfläche annehmen, um von den
Windbewegungen an der Oberfläche eine strenge Abhängigkeit des Ablenkungs-
winkels von den Guldberg-Mohnschen Gleichungen zu verlangen. In Wirk-
lichkeit findet aber ein dauernder Austausch zwischen den Luftmassen an der
Erdoberfläche und in größeren Höhen statt. Der Ablenkungswinkel nimmt nun
mit zunehmender Höhe sehr schnell zu®%. Je stärker der Wind, desto größer
und intensiver ist der Austausch und das Durcheinanderwirbeln mit den darüber
liegenden stärker abgelenkten Luftschichten. Die Erscheinung des größeren
Ablenkungswinkels bei stärkerem Wind wäre demnach nur als Träg-
heitsmoment der vorher in höheren Regionen befindlichen Luft-
massen aufzufassen‘%).
Es muß an dieser Stelle noch daran erinnert werden, daß die Größe des
Ablenkungswinkels auch von + x abhängig ist (vgl. Anmerk. S. 201), d. h. daß
bei antizyklonalen Luftbewegungen mit meist schwachen Winden der Ablenkungs-
winkel einen etwas geringeren und bei zyklonalen Bewegungen mit meist stärkeren
Winden einen etwas größeren Betrag aufweist als bei geradlinig verlaufenden
Isobaren; ferner, daß bei zunehmender Geschwindigkeit der Ablenkungswinkel
etwas kleiner und bei abnehmender etwas größer ist als bei gleichförmiger
Bewegung. Sprung®) sagt hierzu: „Da man es im allgemeinen gleich häufig
mit antizyklonal und zyklonal gekrümmten, mit beschleunigten und verzögerten
Luftbewegungen zu tun hat, so werden im Mittel einer großen Anzahl blindlings
herausgegriffener Fälle die Beziehungen zwischen Luftdruck und Luftbewegung
bis zu einem gewissen Grade denjenigen nahekommen, die für geradlinige und
gleichförmige Bewegungen gültig sind.“ Dieser Ansicht Sprungs kann man sich
bei vorliegender Untersuchung auch vor allem in der Annahme eines Ausgleichs
der durch ungleichförmige Bewegung hervorgerufenen Abweichungen anschließen.
Doch da es sich bei dieser Arbeit um ein Gebiet handelt, in dem antizyklonale
Bewegungen konstant in den mittleren Breiten und zyklonale in den Rand-
gebieten, vor allem den nördlichen, vorherrschen, so wird sich sicherlich
+* geltend machen und auch mit ein Grund sein für die Zunahme
des Ablenkungswinkels mit wachsender Windstärke. Eine Angabe über
: Hann, S. 513.
F. Exner: Dynamische Meteorologie, Leipzig 1917. S. 98.
3) S. F. Exner: Zur Kenntnis der untersten Winde über Land und Wasser und der durch
sie erzeugten Meeresströme. Ann. d. Hydr. 1912, S. 231.
4) Angedeutet findet sich diese Erklärung auch bei Hann S, 513. In bezug auf den größeren
Ablenkungswinkel im Sommer auf dem Festland schreibt er: „Die Erwärmung des Bodens sowie auch
die Verstärkung des Windes begünstigen den Luftaustausch zwischen den unteren und oberen Luft-
schichten und dabei teilt sich der stärkere Ablenkungswinkel der höheren Luftschichten auch den
unteren mit.“
5) Sprung S, 120.