Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1923,
Tabelle 8.
Anzahl der Fälle ll 82 | 57 | 67 | 42 | 10
Theoretische Windstärke nach Defants Karten [10 | 2.0 | 3.0 | 4.0 5.0
Beobachtete Windstärke. . . . . . - 15 23 3.0 4.1 4.8
Wie die Tabelle zeigt, ist die Übereinstimmung der theoretischen
und der beobachteten Windstärke ganz zufriedenstellend und deshalb
besonders bemerkenswert, weil Wegemann seine Formel (s. S. 201) aus den
täglichen synoptischen Wetterkarten abgeleitet hat, während es sich hier um
einen Vergleich von monatlichen Mittelwerten für Luftdruck und Wind handelt‘).
4. Vergleich mit früheren Ergebnissen. Vergleichen wir nun kurz die
Resultate vorliegender Untersuchung mit den Ergebnissen früherer Arbeiten®),
die sich allerdings alle auf tägliche synoptische Wetterkarten als Unterlagen stützen.
Der mittlere Ablenkungswinkel für ein Minimum über dem Meere, den
Hann mit 80° angibt, entspricht sehr gut der nördlichen Zone des Unter-
suchungsgebiets, denn hier finden wir nach Tab. 6 83.8°. Auch die von Loomis®)
angeführte Tabelle für die Größe des Ablenkungswinkels in den verschiedenen
Quadranten einer nordatlantischen Zyklone entspricht den Resultaten dieser
Arbeit sowohl nach der Größe des mittleren Ablenkungswinkels als auch nach
der Übereinstimmung zwischen Windstärke und Größe des Ablenkungswinkels,
Loomis bringt nur die Ablenkungswinkel. Es ist nun dazu aufs Geratewohl
aus der Quadratarbeit für Quadrat 148 d (Fünfgradfeld 45—50° N, 35—40° W)
für den Monat Dezember (weil dann in diesem Gebiet der zyklonale Charakter
am stärksten ausgeprägt ist) zum Vergleich die dort für die einzelne Richtung
notierte Windstärke entnommen. Wie die folgende Aufstellung zeigt, ergibt sich
auch hier eine gute Übereinstimmung zwischen Winkelgröße und
Windstärke. Tabelle 9
Sektor des Minimums | x 5 E [se | s |sw|w | w/mitte
Größe des Ablenkungswinkels nach Loomis . . . | 76 | 71*| 74 | 81 | 79 | 90 | 90 | 79 | 80
Mittlere Windstärke in Beaufort nach []148d, Dez. | 5.7|3.6*]4.2 |4.9 |5.8 [7.0 |6.8 |6.2
Während aber auf dem Land der Ablenkungswinkel im Sommer größer
und im Winter kleiner ist, nach Hann‘) z. B.
Minimum Maximum Minimum Maximum
Winter 55° . 54° Sommer 58° 60°
ergibt die vorliegende Untersuchung, daß die Verhältnisse ähnlich liegen in der
Zone zwischen 20—30° N, entgegengesetzt aber zwischen 40—50° N. Nach
der Tab. 6 S. 207 erhält man nämlich für
Winter und Frühjahr Sommer und Herbst
24° N (20—30° N) '. . . 64.9° 67.7°
44° N (40—50°N) . .° . 84.1° 82.69
Ein ähnliches Ergebnis, wie es hier für die Zone von 40—50° N vorliegt,
hat Sresnewsky®) für die Stürme des Schwarzen und des Asowschen Meeres
festgestellt, nämlich:
) Bei den schwächeren Winden zeigen sich zwar die Beobachtungsergebnisse etwas größer
als die theoretisehen. Diese Differenz ist aber wohl dadurch zu erklären, daß beim Abmessen des
Isobarenabstandes auf den Defantschen Karten die Entfernung, für die der mittlere Isobarenabstand
bestimmt wurde, wahrscheinlich zu gering gewählt war. Bei der Messung wurde das Luftdruck-
gefälle auf ‚eine Entfernung von rund 600 km in der Gradientrichtung berücksichtigt, also etwas mehr
als die Nordsüderstreckung eines Fünfgradfeldes. Wäre hier eine größere Entfernung gewählt worden,
so würde sich dadurch für die im Hochdruckgebiet liegenden Fünfgradfelder ein größerer durch-
schnittlicher Luftdruckgradient und damit also auch eine größere theoretische Windstärke ergeben,
während für die vom Hochdruckgebiet weiter abliegenden Zonen keine Änderung eingetreten wäre.
2) Vgl. die eingehenden und sorgfältigen Referate in J. Hann: Lehrbuch der Meteorologie,
Leipzig 1915. 8. 5124
‘) Ebenda 8. 513.
Hann, S. 516 und 542.
Hann. 8. 513.