206 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1923.
jedesmal vorliegenden Mittelwerte ist in den Tabellen stets mit angegeben, um
einen Anhalt für das Gewicht der abgeleiteten Ergebnisse zu besitzen.)
Tabelle 4;
Geographische Breite, ..... ) 20—25° N | 25—30° N| 30—350 N | 35—40° N | 40-—45° N | 45—50°N
Anzahl der Mittelwerte, .... 36 31 21 23 28 24
Mittlere Abweichung ......]| +7.9° | + 42°%*| +52° | +10.2° | +11.8° | +13,5°
Mittlere Windstärke+) in m/sec 8.1 2.3 2.1* 2.6 3.0 3,7
+) Hier wie in den folgenden Tabellen sind zur Berechnung der mittleren Windstärke stets
nur diejenigen Fälle mit herangezogen, in denen auch die Winkelabweichung in Betracht kam.
Die mittleren Abweichungen vom theoretischen Wert sind hiernach immer
positiv, sie sind am geringsten im Hochdruckgürtel und nehmen nach Süden
langsamer, nach Norden schneller zu. Die vorliegenden verschiedenen Ab-
weichungen können ihren Grund nicht in der verschiedenen geogr. Breite haben,
denn dieser Einfluß ist ja beim theoretischen Wert mit berechnet und auf diese
Weise von vornherein eliminiert. Auch eine wechselnde Größe des Reibungs-
koeffizienten kann einen solchen Unterschied der Abweichung nicht hervorrufen;
denn nach Guldberg-Mohn nimmt die Reibung mit der Windgeschwindigkeit
zu, sie ist also nach der in Tabelle 4 mit angegebenen Windstärke klein im
Hochdruckgürtel und nimmt nach Norden und Süden zu. Da die Größe des Ab-
lenkungswinkels der Reibung umgekehrt proportional ist, müßten sich demnach
im Hochdruckgürtel große positive Abweichungen zeigen und nördlich und süd-
lich davon geringere oder gar negative. Die in Tabelle 4 vermerkten Abweichungen
entsprechen dieser Schlußfolgerung aber durchaus nicht. — Aus dieser Über-
ljegung geht hervor, daß die vorliegenden Abweichungen vom theoretischen Wert
nicht von den beiden in der Guldberg-Mohnschen Formel angeführten Fak-
toren k und g@ abhängen, sondern daß hier Ursachen mitspielen, die in der
Formel nicht berücksichtigt sind.
Ehe hierauf weiter eingegangen wird, soll noch erst gezeigt werden, wie
sich für das Gesamtgebiet die Ablenkungswinkel in den verschiedenen Jahres-
zeiten verhalten (s. Tab. 5). Die Größe des Ablenkungswinkels zeigt hiernach ein
Maximum im Winter, ein Minimum im Frühjahr, ein zweites Maximum, das
wenig hinter dem des Winters zurückbleibt, im Sommer, und ein zweites Minimum,
auch kaum von dem des Frühjahrs verschieden, im Herbst.
Tabelle 5.
Anzahl der Mittelwerte, .. . ..
Größe der Abweichung . . .,. . 0.0...
Größe des Ablenkungswinkels auf 34° N bezogen
Mittlere Windstärke in m/sec aus Defants Karten
Winter | Frühjahr | Sommer | Herbst
42 39 48 34
4113° | 560% | 111° | +5.79
78.1° 72,40% 77,9° 72,5%
83.2 2,5* 3.1 2.7
Vergleicht man die wechselnde Größe des Ablenkungswinkels der ver-
schiedenen geographischen Breiten und auch der verschiedenen Jahreszeiten mit
der Windstärke (s. Tab. 4 u. 5), dann fällt die gute Übereinstimmung auf, daß
mit wachsender Windstärke auch die Größe des Ablenkungswinkels
zunimmt. Es liegt also die Vermutung nahe, daß die Größe des Ablenkungs-
winkels eine Funktion der Windstärke ist. Um diese Beziehungen näher kennen-
zulernen, sind daraufhin alle Winkelabweichungen innerhalb -{ 45° nach den
einzelnen Windstärken von 0.5—1.4, 1.5—92.4, 2.5—3.4, 3.5—4.4 und 4.5—5.7 m/sec
zusammengefaßt, sowohl für die Windstärke als auch für die Winkelabweichungen
das arithmetische Mittel berechnet und das Ergebnis in Tabelle 6 niedergelegt).
Es läßt sich in der Tat eine stark ausgeprägte Abhängigkeit der Größe
des Ablenkungswinkels von der wachsenden Windstärke erkennen.
1) Ergab das arithmetische Mittel für die Windstärke nicht genau 1.0 bzw. 2.0 m/sec, so wurde
auf graphischem Weg die für genau 1.0 m/sec usw. entsprechende Winkelabweichung ermittelt (8. Tab. 6).