204 ; Annalen der Hydrographie und Maritimer\, Meteorologie, September 1923.
ist, und sie nicht als gleichwertig mit anderen, aus höheren Zahlen von Einzel-
beobachtungen herrührend, verglichen werden können, Die Anzahl der hier be-
trachteten Fälle ist 208. .
Aus der Tabelle 1 (Teil I) ergibt sich, daß die größte Zahl der Abweichungen
nicht genau um den theoretischen Wert liegt, sondern etwas nach rechts ver-
schoben, ungefähr bei + 11° rechts vom theoretischen Wert, Die Anzahl der
Abweichungen nimmt von diesem Scheitelwert auf der positiven Seite schnell ab
bis etwa + 50°, und auf der negativen Seite etwas langsamer bis — 60°, von
wo ab auf beiden Seiten dann nur noch vereinzelte Fälle vorkommen.
Es gilt nun die schwierige Frage zu entscheiden, W&lehe Abweichungs-
größe bei den weiteren Untersuchungen nicht mehr berücksichtigt werden soll.
Zu weit.darf die Grenze nicht gezogen werden, da dann die einzelnen stärkeren
Abweichungen ‘bei der Berechnung ein zu großes Gewicht jrhalten würden,
anderseits darf das Untersuchungsfeld aber auch nicht zu eng“ beschränkt sein,
da sonst befürchtet werden muß, daß-iypische. Erscheinungen, die gerade ein
größeres einseitiges Abweichen verursachen, ausgeschaltet-würden und nicht er-
kannt werden könnten. Gestützt auf Sprungs!) ausführliche geometrisch-
mechanische Betrachtung der Größe des Ablenkungswinkels (Schwankung von
0°—90°) soll hier ein Raum von 90° näher untersucht werden, und zwar der
Quadrant, der die größte Anzahl von Abweichungen aufweist. Es ist dies der
Quadrant von — 45° bis + 45°, der zugleich noch den Vorteil zeigt, daß er fast
genau so viel Abweichungen nach rechts wie nach links vom Scheitelwert (etwa
+ 11°) aufweist und außerdem auch, allerdings mehr zufällig, den theoretischen
Wert als Mittelpunkt hat. Die Schlüsse, die aus der Betrachtung dieser Fälle
gezogen werden, haben also die größte Wahrscheinlichkeit für sich, der Wirk-
lichkeit zu entsprechen. — Die in diesem Quadranten liegende Zahl von Ab-
weichungen beträgt 163, also rund */; der zur Verfügung stehenden Werte,
Es soll vorerst noch kurz eine Untersuchung angestellt werden, welche
Gründe mitspielen bei den Abweichungen, die mehr als -+ 45° von der theore-
tischen Richtung betragen. Vorgegangen werden soll hierbei 1. nach der An-
zahl der zugrunde liegenden Einzelbeobachtungen und 2. nach dem Isobaren-
abstand, d. h. der theoretischen Windstärke, die sich aus der Wegemann-
schen Formel (s, S. 201) w = TE ‚Cosa ergibt, wo a der. Isobarenabstand und &
der theoretische Ablenkungswinkel ist. Die in der Tabelle 2 angegebenen Zahlen
bedeuten: Soviel %, aller in diese Rubrik fallenden Fälle zeigen eine Abweichung
über + 45° von der theoretischen Richtung.
Tabelle 2.
Durchschnittl. Anzahl der‘
Einzelbeobachtungen *)
Anzahl der Ab-
weichungen. über 445°
vom theoretischen Wert
Windstärke in m/sec nach
den Defantschen Karten
| Anzahl der Ab-
weichungen über -4 45°
vom theoretischen Wert
55%
380
3%
79
; 905
‚ *) Anmerkung: Jedes berechnete monatliche Windmittel stützt sich, wenn man die unter
20 Einzelbeobachtungen ausschließt, auf durchschnittlich 613 Einzelheobachtungen. Die beiden anderen
Zahlen 300 und 1000 sind willkürlich gewählt.
20—300
301—612
613—1000
üher 1000
0.5—1.4
',5—2,4
2.5—3.4
3.5—4.4
A 5—5.7
Teil I der Tabelle 2 zeigt deutlich die Abnahme der Abweichungen mit
der Zunahme der Anzahl der Einzelbeobachtungen, Aber selbst bei einer so
hohen Zahl von Einzelbeobachtungen wie 613—1000 finden sich noch 18%, Ab-
weichungen und über 1000 noch 8%, während man doch eine viel größere
Übereinstimmung erwarten sollte, Es ist dies eine Erscheinung, auf die schon
i) A. Sprung, Lehrbuch der Meteorologie. Hamburg 1885. 8. 116ff