Koch, E.: Über die Beziehung zwischen Gradient, Wind und Strom im Nordatlantischen Ozean. 9203
ersten Augenblick den Eindruck/daß Theorie und Wirklichkeit nicht gerade gut
miteinander übereinstimmen. ‚Doch daß im einzelnen zahlreiche Abweichungen
zu erwarten sind, ist ja auch nach den Angaben der Deutschen Seewarte‘!)
nicht sehr verwunderlich. Auch Meinardus®?) weist eingehend auf die bei der
Zusammenfassung von maritim-meteorologischen Einzelbeobachtungen möglichen
Fehlerquellen hin. Trotz älledem wäre es verfehlt, die auf diese Art gewonnenen
Ergebnisse zu verwerfen. Wenn auch die einzelnen Mittelwerte mehr oder
weniger starke Abweichungen zeigen, so werden sich doch bei Betrachtung der
Gesamtheit der Ergebnisse die Ungenauigkeiten mehr oder weniger ausgleichen,
da man nach dem Wahrscheinlichkeitsgesetz schließen darf, daß die fehlerbrin-
genden Faktoren edensooft nach der einen Richtung wirken wie nach der anderen,
sich daher bei #rößerer Zusammenfassung, vor allem bei Zusammenfassung
größerer Räume, wie es bei vorliegender Arbeit geschieht, gegenseitig ungefähr
aufheben. N
1. Allgemeine” Überblick über Große und Ursachen der vorkommenden Ab-
weichungen von der theoretischen Windrichtung. Einen guten, schnell orientierenden
Überblick, wie sich die beobachteten Windablenkungswinkel zu den theoretischen
verhalten, gibt Tab. 1, Teil I, die einmal die Größe der Abweichung und dann
ihre Häufigkeit angibt, geordnet nach Unterschieden von 10 zu 10° rechts und
links von der theoretischen Richtung®). Ausgeschlossen wurden hier wie bei
allen noch folgenden Untersuchungen diejenigen Mittelwerte, die auf weniger als
20 Einzelbeobachtungen beruhen, da diesen ein zu geringes Gewicht beizumessen
Tabelle 1.
Größe der Ab-
weichungen von
der theoretischen
Wind- (w) bzw.
Triftrichtung
(w —+ 45°)
Anzahl der Abweichungen
ler beobachteten (wp) von
der theoretischen Wind-
richtung (wr)
nach links | nach rechts
J— 10
0— 20°
20— 30°
79)— 40°
)— 50°
50— 60°
50— 70°
70— 80°
30— 90°
90—100°9
L00—110°
110—1209
120—130°
130—140°
L40—150°9
150—160°
160—170°
1701800
Summe ! 59
149
rt
Anzahl der Abweichungen
der beobacht. Trift von der
:heoret. Triftrichtung, be-
-echnet nach der theoret.
Windrichtung (wt + 45°)
nach Yaks | nach Techts
Da
-f
NIE
Anzahl der Abweichungen
der beobacht., Trift von der
theoret. Triftrichtung, be-
rechnet nach derbeob. Wind-
richtung (wi + 45°)
nach links | nach rechts
%
1) Siehe „Einleitung“ der einzelnen Quadrathefte S. XIII. „Die in diesen Tabellen ent-
haltenen Summen und Mittelwerte können, ganz abgesehen von den Schwankungen in den einzelnen
Jahren, nicht als endgültig festgestellt erachtet werden, weil, wie schon eine oberflächliche Prüfung
der Beobachtungsreihen, aus welchen sie abgeleitet, zeigt, daß einzelne Tage, ja Reihen von Tagen
eines Monats darin nicht vertreten sind,“
2) W. Meinardus, Über die Methoden der Verarbeitung von meteorologischen Beobachtungen
zur See. Zeitschr. d. Ges. f. Erdk. Berlin 1894. S. 90 ff,
3) Um hierbei die ja Sselbstverständliche, nach der Guldberg-Mohnschen Formel
ga =— 20 Er P gegebene Beeinflussung durch die verschiedene geogr. Breite von vornherein auszu-
schalten, sind nicht die absoluten Zahlen der Ablenkung von der Gradientrichtung benutzt, sondern
stets nur die Abweichung von der theoret. Windrichtung, in deren Berechnung der Einfluß der Breite
ia schon enthalten ist.