202 Annalen der Hydrograp' ie und Maritimen Meteorologie, September 1923,
Aus den darin befindlichen monatlichen Luftdruckkarten wurden jedesmal für
ein Fünfgradfeld Gradientrichtung und Isobarenabstand bestimmt und daraus
Windrichtung und -stärke mit Hilfe der nach Wegemanns Angaben von
Castens!) und Krümmel?) aufgestellten Tabelle berechnet.
Als Unterlage für die beobachteten Wind- und Stromverhältnisse dient
die Quadratarbeit der Deutschen Seewarte®), die in 19 Heften die Resultate
der maritim-meteorologischen Beobachtungen deutscher und holländischer Schiffe
im Nordatlantischen Ozean zwischen 20°—50° N-Br. gesammelt hat. Jedesmal
für ein Fünfgradfeld wurde die monatliche mittlere Windrichtung und
-geschwindigkeit nach der sogenannten Lambertschen*) Formel berechnet.
Ganz entsprechend wurde auch die mittlere Stromrichtung und -geschwin-
digkeit durch mechanische Koppelrechnung bestimmt. Für jedes untersuchte
Fünfgradfeld und jeden einzelnen Monat wurden dann für Wind und Strom
folgende Faktoren tabelliert:
i. Anzahl der Einzelbeobachtungen,
2. Die Summe der beiden (Nordsüd und Ostwest) Komponenten,
2, Richtung der Resultierenden,
* Vektorielle Geschwindigkeit in Beaufort (bzw. Seemeilen im Etmal).
Vektorielle Geschwindigkeit in m/sec (nur bei den Winden).
Genauer untersucht wurden
in dem ganzen Gebiet von 20°—
30° N-Br. folgende drei Fünf-
gradfeldstreifen, die ‚sich durch
reiches Beobachtungsmaterial da-
zu besonders empfahlen: 60°—
55° W, 40°—35° W und 25°—
26° W (s. Figur). Insgesamt sind
für diese 18 Fünfgradfelder be-
rechnet: 1. nach den Defant-
schen Karten 216 Werte für die
monatlichen, theoretisch zu er-
wartenden Winde; 2. nach der
Quadratarbeit a) 213 Werte für
die beobachteten, monatlichen
Winde, die auf 127215 Einzel-
beobachtungen beruhen, und b)
209 Werte für die beobachteten,
monatlichen Stromversetzungen,
die auf 9963 HEinzelbeobach-
tungen‘ beruhen,
Die allgemeinen Luftdruck-,
Wind- und Stromverhältnisse des
Untersuchungsgebietes°) sollen hier ’als bekannt vorausgesetzt und an dieser
Stelle nicht wiedergegeben werden. Wenden wir uns nun der kritischen Unter-
suchung der berechneten Einzelergebnisse zu.
II. Gradient und Wind.
Vergleicht man die theoretisch nach den Defantschen Karten erhaltenen
Winde mit denen, die der Beobachtung entnommen sind, so gewinnt man im
1) G. Castens, Untersuchungen über die Strömungen des Nordatlantischen Ozeans. Die
Dichte und Windverhältnisse. Diss. Kiel 1905, S. 32.
2?) O0. Krümmel, Handbuch der Ozeanographie, II. Stuttgart 1911. S, 544.
3) Deutsche Seewarte, Resultate meteorologischer Beobachtungen für Eingradfelder des
Nordatlantischen Ozeans. Hamburg 1881—1901.
4) Siehe J. Hann, Lehrbuch der Meteorologie. Leipzig 1915. S. 389, und H. Meyer, An-
leitung zur Bearbeitung meteorologischer Beobachtungen für die Klimatologie, Berlin 1891. S. 192,
5) Hierüber unterrichten: G, Schott, Geographie des Atlantischen Ozeans. Hamburg 1912,
sowie Deutsche Seewarte, Segelhandbuch und Atlas des Atlantischen Ozeans, Außerdem siebe für
Luftdruck und Winde die schon erwähnte Abhandlung von Defant und für Strömungen Krümmel II.