accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 51 (1923)

Ann. d. Hydr. usw., LI, Jahrg. (19238), Heft I. 
Theorie der eintägigen Gezeiten im Südchinesischen Meere 
und im Golf von Mexiko. ; 
Von H. Peters, Auf dem Schnee bei Herdecke (Westfalen). 
(Hierzu Tafel 1.) 
Durch die fluterzeugenden Kräfte der Sonne und des Mondes wird das 
Lot von der ungestörten, senkrechten Lage abgelenkt und das Gewicht der Körper 
verändert. Die Ablenkung des Lotes geschieht durch die horizontale, die Ver- 
änderung des Gewichts durch die vertikale Komponente dieser Kräfte; für die 
Bewegung des Wassers in den Ozeanen der Erde kommt fast ausschließlich die 
orstere in Frage. 
Wie die lotrechte Richtung durch die fluterzeugenden Kräfte fortwährend 
geändert wird, so ist das gleiche auch bei der wagerechten der Fall. Eine 
Fläche, die in einem gegebenen Augenblick senkrecht zur Richtung des un- 
gestörten Lotes liegt, verliert diese Lage, wenn das Lot abgelenkt wird. Ist die 
Fläche mit Wasser bedeckt, das bei ungestörtem Lot im Gleichgewicht war, so 
ist mit der Störung des Lotes auch das Gleichgewicht des Wassers gestört. EB 
befindet sich jetzt auf einer schiefen Ebene und setzt sich nach der Richtung 
in Bewegung, nach der das Lot abgelenkt war. Da die Richtung und Stärke 
ler durch die fluterzeugenden Kräfte bewirkten Ablenkung sich fortwährend für 
lie einzelnen Punkte auf der Erde ändern, so ändert sich auch fortwährend 
der Impuls, den das Wasser durch die Ablenkung erhält, und das Wasser kann 
auf einer solchen Fläche nicht zum Zustand vollkommener Ruhe gelangen. 
Wäre der Impuls an allen Punkten der gleiche, so könnten Schwankungen in 
der Höhe des Wasserstandes nur an den Hindernissen entstehen, die sich der 
Bewegung des Wassers entgegenstellen, während an allen übrigen Stellen die 
Höhe des Wasserstandes dauernd die gleiche bliebe. 
Der feste Erdkörper gibt den fluterzeugenden Kräften nicht in dem Maße 
nach, daß die Oberfläche mit dem abgelenkten Lot stets einen rechten Winkel 
bildet. Infolgedessen befindet sich das Wasser aller Ozeane, Seen usw. gleichsam 
auf einer schwankenden Unterlage, und es kann deshalb auch nicht zur Ruhe 
kommen, sondern fließt bald hierhin, bald dorthin, je nachdem die fluterzeugende 
Kraft die Richtung und die Stärke der Neigung ändert. Überall, wo sich der 
Bewegung des Wassers Hindernisse entgegenstellen, also an den Küsten der Fest- 
länder und der Inseln sowie an den unterseeischen Bodenerhebungen, entstehen 
Stauungen des Wassers, die wir mit Flut, und an den Stellen, an denen die Be- 
wegung von den Küsten hinweggerichtet ist, entsteht eine Abnahme des Wasser- 
standes, die wir mit Ebbe bezeichnen, Da jedoch Richtung und Stärke der Neigung 
für alle Teile eines Ozeans nicht gleich sind, so müssen auch mitten im Ozean 
Niveauschwankungen entstehen, die jedoch nicht die Höhe erreichen, die sich an 
den der Wasserbewegung sich entgegenstellenden Küsten zeigt. 
In den mittleren Breiten, über: denen der Mond auch bei der größten 
Deklination nicht mehr senkrecht steht, finden wir eine zweimalige Ablenkung 
des Lotes in einem Tage, Die Richtung dieser Ablenkung wendet sich in beiden 
Fällen auf der nördlichen Erdhälfte von Osten über Süden nach Westen und für 
die südliche von Osten über Norden nach Westen, und wir haben deshalb in 
diesen Breiten bei einmaliger Rotation der Erde auch zwei Fluten zu erwarten. 
Völlig verschieden davon verhalten sich abgeschlossene Meeresteile dagegen, 
die bei nördlicher oder südlicher Deklination des Mondes zwischen der Breite 
liegen, über der der Mond senkrecht steht, und der gleichen Breite an der gegen- 
überliegenden Seite des Äquators. Völlig abgeschlossene Meere, die die Er- 
scheinungen am deutlichsten hervortreten lassen würden, finden sich nicht, und 
so sind wir genötigt, solche heranzuziehen, die einigermaßen von den großen 
Ozeanen abgeschlossen sind und sich für unsere Untersuchung am besten eignen. 
Ann. d. Hydr. usw. 1923. Heft I.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.