Neuere Veröffentlichungen.
rollen Grade der Kartenbreiten hätten besser
hervorgehoben werden müssen.
Die Haupttafel (Tafel V) enthält das Azimut
und die Koordinaten p und q der Projektion der
Höhengleichen in der logarithmischen Karte. Sie
beruht auf den „höchst merkwürdigen Eigenschaften
der Symmetrie, Kongruenz und Verwandtschaft,
die die Höhengleichen in Merkators-Projektion be-
sitzen.“ Es soll nicht bestritten werden, daß die
Benutzung dieser Tafel gegen die von Preuß vor-
zeschlagenen Methoden einen erheblichen Fort-
schritt bedeutet; daß diese Tafel aber unter den
Nautikern der Handelsmarine eine größere Ver-
breitung finden wird, halte ich deshalb für aus-
geschlossen, weil bei dem Verfahren ähnlich wie
bei den sphärischen Gradtafeln, zu viele Fälle zu
unterscheiden sind. Die Methoden der nau-
tischen Astronomie sollen nicht nurleicht,
sondern in erster Linie sicher sein, und je
weniger Fälle bei einem Rechenrverfahren
zu beachten sind, desto mehr eignet sich
dieses für die Allgemeinheit.
Auch in Tafel V sind die Hauptwerte in rotem
Druck gehalten, während die Schaltteile blau ge-
druckt sind. Umgekehrt wäre es besser gewesen,
jedoch halte ich die Trennung der Kolumnen durch
schwarze Linien, wie es in den meisten Tafeln
üblich ist, für praktischer.
Die Konstruktion der Standlinien erfolgt in
der logarithmischen Karte nach der Sehnenmethode,
Ich würde trotz der Tafel VIII, welche diese Arbeit
erleichtern soll, die Zeichnung außerhalb jeder Karte
nach der Tangentenmethode vorziehen, da man bei
der Rechnung nach diesen Tafeln das Azimut ja
doch ermittelt.
Die übrigen Tafeln sind solche, wie man sie
in allen nautischen Tafelwerken vorfindet.
Die Erklärungen und Leitsätze sind in eng-
lischer, holländischer und deutscher Sprache ge-
geben; leider sind sie fast zu knapp gehalten, so
daß es selbst einem in nautischen Tafeln be-
wanderten Rechner schwer fällt, sich die Methode
anzueignen,
Die Durchsicht des deutschen Textes ist durch
den Kapitänleutnant a. D. Karl Ruprecht in
Göttingen besorgt worden, in dessen Druckerei die
Tafelsammlung auch hergestellt wurde.
An Druckfehlern sind mir bisher aufgefallen:
Seite 30: Pm = 51 statt 15.
< 89: C. Lat. g = C. Lat. (180° — @), wenn
P >90° statt: g>180°. (Mit g@ sind hier die Scheitel-
reiten, Nordtop und Südtop, gemeint.)
Dem Unterricht in der astronomischen Navi-
yation an den deutschen Navigationsschulen können
diese Tafeln nicht zugrunde gelegt werden, weil
die Behandlung der Höhenkurven in Merkators
Projektion die Kenntnis der höheren Mathematik
erfordert; diese ist dort aber nicht Gegenstand des
Unterrichts, da man bei den jetzt gebräuchlichen
praktischen und sicheren Methoden der nautischen
Astronomie ohne sie auskommen kann. Empfehlen
möchte ich aber die „Nautischen Tafeln von Cedee“
allen denjenigen, die sich für die Bestrebungen,
dem Nautiker die Aufmachung des astronomischen
Bestecks zu erleichtern, interessieren.
P. Andresen, Geestemünde.
Zum Klima der Türkei: Ergebnisse dreijähriger
Beobachtungen 1915—1918. Bearbeitet von
Hauptobservator Dr. Ludwig Weickmann
unter Mitwirkung von Dr. Peregrin Zistler,
Dr. Heinrich Koppe und Dr. Harald Ko-
197
schmieder. Erstes Heft: Luftdruck und
Winde im östlichen Mittelmeergebiet,
von Dr. Ludwig Weickmann. Bayerische
Landeswetterwarte München. 1923,
In dem weiten Gebiet der Türkei kam zum
arsten Male durch den Weltkrieg ein systematisches
neteorologisches Beobachtungsnetz zustande. Etwa
10 wohlausgerüstete Wetterwarten waren unter
Leitung von Dr. Weickmann während der Kriegs-
'ahre tätig. Daß es ihm gelang, das wertvolle
3eobachtungsmaterial aus dem Zusammenbruche
zu retten und jetzt der Wissenschaft nutzbar zu
nachen, dafür muß Weickmann gebührend ge-
Jlankt werden. Mit Recht weist H. Hergesell
in einem Vorwort darauf hin, wie wertvoll auch
yon rein wissenschaftlicher Seite aus betrachtet die
Tätigkeit unseres militärischen Wetterdienstes ge-
wesen ist.
In der vorliegenden ersten Abhandlung ent-
wirft Weickmann für das östliche Mittelmeer-
gebiet neue Karten der Luftdruckverteilung. Die
Nachprüfung und Reduktion der älteren Beob-
achtungsreihen erforderte einen großen Aufwand
ron Arbeit, Gewählt wurde die 36 jährige Periode
i878—1913. Es zeigt sich, bei richtiger Deutung
ler Ergebnisse, daß die „Sommerdepression“ über
Zypern, welche auf den bisherigen Karten vor-
handen war, wegfällt, Der Umstand, daß eine
Anzahl von alten Stationen auch im Kriege unge-
stört weiter beobachtete, ermöglichte es, den An-
zschluß der Messungen der Kriegsjahre an die
;rüheren langjährigen Reihen herzustellen. Es
wurde eine interessante kartographische Methode
der Reduktion verwandt, welche sich als besser
herausstellte als die rechnerische Differenzen-
methode, weil sie Rücksicht nimmt auf die klima-
äschen Zusammenhänge. Während früher der
Verlauf der Isobaren im Innern der weiten
‚ürkischen Gebiete oft ungewiß war (Hann und
in neuerer Zeit Krugler, Lyons und Schott
aaben bereits Isobaren entworfen), ist jetzt durch
Heranziehen der Kriegsmessungen eine sicherere
Linienführung möglich geworden. Die Anderungen
zegen früher sind zum Teil recht groß. Die
mittlere Druckverteilung im östlichen Mittelmeer-
gebiet wird so für jeden einzelnen Monat dar-
zestellt. Für die Monate Januar, April, Juli und
Oktober werden, um die großen Zusammenhänge
in den einzelnen Jahreszeiten zu erkennen, die
{sobaren für das gesamte Mittelmeergebiet mit
seinen umfassend genommenen Randgebieten ge-
zeichnet.
Für diese vier Monate entwirft Weickmann
zuch Karten der Strömungslinien der Luft, Er
‚enutzt hierzu wieder sowohl die älteren Wind-
»eobachtungen (besonders nach Krugler) als auch
lie neuen aus den Jahren 1916—18, und zwar die
‚vorherrschenden“ Windrichtungen. Die Strö-
nungsbilder, welche auf durchsichtiges Papier ge-
iruckt und über die zugehörigen Luftdruckkarten
zelegt sind, geben eine instruktive Vorstellung von
der Luftbewegung am Boden und lassen den
typischen jahreszeitlichen Wechsel deutlich er-
kennen, Die Zirkulation im östlichen Mittelmeer-
yvebiet stellt sich klar dar als ein ausgedehnter
Monsun, der jedenfalls im Sommer kaum weniger
eindrucksvoll ist als der Monsun Indiens, Er hat
zeine Quelle in dem thermisch entgegengesetzten
Verhalten einerseits der inner- bzw. südasiatischen
Landmassen, anderseits des ozeanischen westlichen
Europas. Die Etesien Griechenlands, die trocknen,
aordöstlichen Winde Kleinasiens, die westlichen