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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 51 (1923)

Neuere Veröffentlichungen. 
rollen Grade der Kartenbreiten hätten besser 
hervorgehoben werden müssen. 
Die Haupttafel (Tafel V) enthält das Azimut 
und die Koordinaten p und q der Projektion der 
Höhengleichen in der logarithmischen Karte. Sie 
beruht auf den „höchst merkwürdigen Eigenschaften 
der Symmetrie, Kongruenz und Verwandtschaft, 
die die Höhengleichen in Merkators-Projektion be- 
sitzen.“ Es soll nicht bestritten werden, daß die 
Benutzung dieser Tafel gegen die von Preuß vor- 
zeschlagenen Methoden einen erheblichen Fort- 
schritt bedeutet; daß diese Tafel aber unter den 
Nautikern der Handelsmarine eine größere Ver- 
breitung finden wird, halte ich deshalb für aus- 
geschlossen, weil bei dem Verfahren ähnlich wie 
bei den sphärischen Gradtafeln, zu viele Fälle zu 
unterscheiden sind. Die Methoden der nau- 
tischen Astronomie sollen nicht nurleicht, 
sondern in erster Linie sicher sein, und je 
weniger Fälle bei einem Rechenrverfahren 
zu beachten sind, desto mehr eignet sich 
dieses für die Allgemeinheit. 
Auch in Tafel V sind die Hauptwerte in rotem 
Druck gehalten, während die Schaltteile blau ge- 
druckt sind. Umgekehrt wäre es besser gewesen, 
jedoch halte ich die Trennung der Kolumnen durch 
schwarze Linien, wie es in den meisten Tafeln 
üblich ist, für praktischer. 
Die Konstruktion der Standlinien erfolgt in 
der logarithmischen Karte nach der Sehnenmethode, 
Ich würde trotz der Tafel VIII, welche diese Arbeit 
erleichtern soll, die Zeichnung außerhalb jeder Karte 
nach der Tangentenmethode vorziehen, da man bei 
der Rechnung nach diesen Tafeln das Azimut ja 
doch ermittelt. 
Die übrigen Tafeln sind solche, wie man sie 
in allen nautischen Tafelwerken vorfindet. 
Die Erklärungen und Leitsätze sind in eng- 
lischer, holländischer und deutscher Sprache ge- 
geben; leider sind sie fast zu knapp gehalten, so 
daß es selbst einem in nautischen Tafeln be- 
wanderten Rechner schwer fällt, sich die Methode 
anzueignen, 
Die Durchsicht des deutschen Textes ist durch 
den Kapitänleutnant a. D. Karl Ruprecht in 
Göttingen besorgt worden, in dessen Druckerei die 
Tafelsammlung auch hergestellt wurde. 
An Druckfehlern sind mir bisher aufgefallen: 
Seite 30: Pm = 51 statt 15. 
< 89: C. Lat. g = C. Lat. (180° — @), wenn 
P >90° statt: g>180°. (Mit g@ sind hier die Scheitel- 
reiten, Nordtop und Südtop, gemeint.) 
Dem Unterricht in der astronomischen Navi- 
yation an den deutschen Navigationsschulen können 
diese Tafeln nicht zugrunde gelegt werden, weil 
die Behandlung der Höhenkurven in Merkators 
Projektion die Kenntnis der höheren Mathematik 
erfordert; diese ist dort aber nicht Gegenstand des 
Unterrichts, da man bei den jetzt gebräuchlichen 
praktischen und sicheren Methoden der nautischen 
Astronomie ohne sie auskommen kann. Empfehlen 
möchte ich aber die „Nautischen Tafeln von Cedee“ 
allen denjenigen, die sich für die Bestrebungen, 
dem Nautiker die Aufmachung des astronomischen 
Bestecks zu erleichtern, interessieren. 
P. Andresen, Geestemünde. 
Zum Klima der Türkei: Ergebnisse dreijähriger 
Beobachtungen 1915—1918. Bearbeitet von 
Hauptobservator Dr. Ludwig Weickmann 
unter Mitwirkung von Dr. Peregrin Zistler, 
Dr. Heinrich Koppe und Dr. Harald Ko- 
197 
schmieder. Erstes Heft: Luftdruck und 
Winde im östlichen Mittelmeergebiet, 
von Dr. Ludwig Weickmann. Bayerische 
Landeswetterwarte München. 1923, 
In dem weiten Gebiet der Türkei kam zum 
arsten Male durch den Weltkrieg ein systematisches 
neteorologisches Beobachtungsnetz zustande. Etwa 
10 wohlausgerüstete Wetterwarten waren unter 
Leitung von Dr. Weickmann während der Kriegs- 
'ahre tätig. Daß es ihm gelang, das wertvolle 
3eobachtungsmaterial aus dem Zusammenbruche 
zu retten und jetzt der Wissenschaft nutzbar zu 
nachen, dafür muß Weickmann gebührend ge- 
Jlankt werden. Mit Recht weist H. Hergesell 
in einem Vorwort darauf hin, wie wertvoll auch 
yon rein wissenschaftlicher Seite aus betrachtet die 
Tätigkeit unseres militärischen Wetterdienstes ge- 
wesen ist. 
In der vorliegenden ersten Abhandlung ent- 
wirft Weickmann für das östliche Mittelmeer- 
gebiet neue Karten der Luftdruckverteilung. Die 
Nachprüfung und Reduktion der älteren Beob- 
achtungsreihen erforderte einen großen Aufwand 
ron Arbeit, Gewählt wurde die 36 jährige Periode 
i878—1913. Es zeigt sich, bei richtiger Deutung 
ler Ergebnisse, daß die „Sommerdepression“ über 
Zypern, welche auf den bisherigen Karten vor- 
handen war, wegfällt, Der Umstand, daß eine 
Anzahl von alten Stationen auch im Kriege unge- 
stört weiter beobachtete, ermöglichte es, den An- 
zschluß der Messungen der Kriegsjahre an die 
;rüheren langjährigen Reihen herzustellen. Es 
wurde eine interessante kartographische Methode 
der Reduktion verwandt, welche sich als besser 
herausstellte als die rechnerische Differenzen- 
methode, weil sie Rücksicht nimmt auf die klima- 
äschen Zusammenhänge. Während früher der 
Verlauf der Isobaren im Innern der weiten 
‚ürkischen Gebiete oft ungewiß war (Hann und 
in neuerer Zeit Krugler, Lyons und Schott 
aaben bereits Isobaren entworfen), ist jetzt durch 
Heranziehen der Kriegsmessungen eine sicherere 
Linienführung möglich geworden. Die Anderungen 
zegen früher sind zum Teil recht groß. Die 
mittlere Druckverteilung im östlichen Mittelmeer- 
gebiet wird so für jeden einzelnen Monat dar- 
zestellt. Für die Monate Januar, April, Juli und 
Oktober werden, um die großen Zusammenhänge 
in den einzelnen Jahreszeiten zu erkennen, die 
{sobaren für das gesamte Mittelmeergebiet mit 
seinen umfassend genommenen Randgebieten ge- 
zeichnet. 
Für diese vier Monate entwirft Weickmann 
zuch Karten der Strömungslinien der Luft, Er 
‚enutzt hierzu wieder sowohl die älteren Wind- 
»eobachtungen (besonders nach Krugler) als auch 
lie neuen aus den Jahren 1916—18, und zwar die 
‚vorherrschenden“ Windrichtungen. Die Strö- 
nungsbilder, welche auf durchsichtiges Papier ge- 
iruckt und über die zugehörigen Luftdruckkarten 
zelegt sind, geben eine instruktive Vorstellung von 
der Luftbewegung am Boden und lassen den 
typischen jahreszeitlichen Wechsel deutlich er- 
kennen, Die Zirkulation im östlichen Mittelmeer- 
yvebiet stellt sich klar dar als ein ausgedehnter 
Monsun, der jedenfalls im Sommer kaum weniger 
eindrucksvoll ist als der Monsun Indiens, Er hat 
zeine Quelle in dem thermisch entgegengesetzten 
Verhalten einerseits der inner- bzw. südasiatischen 
Landmassen, anderseits des ozeanischen westlichen 
Europas. Die Etesien Griechenlands, die trocknen, 
aordöstlichen Winde Kleinasiens, die westlichen
	        
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