Schott, G.: Tiefseelotungen mittelst Echolot.
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deutet wiederum einen gewaltigen Schritt vorwärts. Die Lotungen des „Stewart“
gaben nur einen Schnitt längs einer Linie. Hier aber hat die amerikanische
Marine das Bodenrelief auf der gesamten Fläche zwischen rund 38° und 32° N-Br.
und bis auf einen durchschnittlichen Abstand von 60—120 Sm von der Küste
auf das genaueste durch Echolotungen ermittelt, indem von der 100-Fadenlinie
ab bis zur 2000-Fadenlinie parallele Kurse rw. 240° und 60° gelaufen wurden,
und zwar zwischen San Francisco und Pt. Conception in je 10 Sm Abstand, süd-
lich von Pt. Conception, wo die eingelagerten Inseln unruhige Bodengestaltung
erwarten ließen, sogar in Abständen von je 5 Sm. Da auf diesen Kurslinien
zwischen je zwei Echolotungen nur 1 bis 2 Sm Abstand genommen wurde, ergab
sich ein dichtes Netz von ungefähr 5000 Tiefenmessungen auf einer Gesamtdistanz
von 5800 Sm und auf einer Fläche von 34000 Squaremiles == nahezu 100000 km2.1)
38 Tage Lotarbeit waren erforderlich bei 12 Sm stündlicher Fahrt, nicht bloß
eine tüchtige nautische Leistung, sondern ein methodisch überaus wertvoller
Vorgang und ein Ergebnis von weitreichender, geographischer Be-
deutung.
Methodisch ist diese erste akustische Vermessung einer größeren Fläche
Tiefseeboden wichtig, da solche Vermessung eine starke Ersparnis an Zeit und
Geld darstellt, da ihre Genauigkeit — mindestens im relativen Verhältnis der
Zahlen zueinander — größer sein wird als die der Drahtlotungen, weil bei
Ffahrendem Schiff Kurs und Distanz gut gehalten werden und daher die Position
sicherer erscheint als dann, wenn das Schiff für !/, bis 1 Stunde gestoppt treibt,
dann wieder auf Kurs gebracht werden muß und so fort. Ozeanographisch aber
liegt der durch das Verfahren erzielte außerordentliche Gewinn auf der Hand.
Die Isobathen sind von 100 zu 100 Faden eingezeichnet, und wenn auch die
Einzelzahlen nicht gegeben sind — bei einem ÄAquatorialmaßstab von 1:1000000
verständlich —, so.ist doch bei der großen Zahl der Lotungen die Isobathen-
führung sicher leicht und zwangsläufig gewesen. Das dargestellte Gebiet reicht
bis an den Tiefseeboden von 4000 m eben heran, umfaßt also den Schelf und
seine gesamte Abdachung hinab zur Tiefsee. Zum ersten Male sehen wir eine
überraschende Fülle und Mannigfaltigkeit auch untermeerischer Böden in
relativ schon großen Tiefen. In buntem Wechsel drängen sich die Isobathen
bald zusammen, bald ziehen sie sich von einander weg, folgt steile Erhebung
auf wannen- und rinnenförmige Einsenkung; Bergkuppen und Löcher entschleiern
sich, wo bisher nur wenige Tiefenlinien in einförmigem Verlaufe anzunehmen
waren. Freilich wird man dies verblüffende Ergebnis nicht voreilig ver-
allgemeinern dürfen. Der nördliche Teil des auf der amerikanischen Karte dar-
gestellten Gebietes nördlich von Pt. Conception ist von einer deutlich einfacheren
Bodengestaltung als der südliche, dem reihenförmig angeordnete Inseln ein-
gelagert sind; aber es fehlen auch in der nördlichen Hälfte die wechselvollen
Formen nicht.
So hoch diese erste akustisch gewonnene Tiefseekarte einzuschätzen ist,
es bleiben natürlich für die Zukunft noch zahlreiche dringende Wünsche bestehen.
Die Echolotungen der U. S. S. „Corry“ und „Hull“ schneiden den eigentlichen
Tiefseeboden nur eben am Außenrande an; besonders eindrücklich wird diese
Tatsache dann, wenn man sich z. B. auf der bekannten Grollschen Tiefenkarte
des Stillen Ozeans (1:40000000) das vor der californischen Küste vermessene
Gebiet abgrenzt. Die große grundsätzliche Frage, wie der Tiefseeboden der
gewaltigen Mulden und Becken in seinen Kleinformen aussieht, ist noch zu be-
antworten und kann nur ihrer Lösung näher gebracht werden durch systema-
tische Echolotarbeit auf mehreren, sorgsam ausgewählten Flächen der wahren
landfernen Tiefsee. Derjenigen Nation, die auch hierfür Mittel und Wege auf-
bringt, wird ein bleibendes Verdienst bei der Aufhellung eines der wichtigsten
geographischen, ozeanographischen, geophysikalischen Probleme zufallen.
) Etwas weniger als das Areal von Island.