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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August !9%3
stand, daß bei Schiffsschwankungen das Zählrad nicht die ganze Länge des aus-
laufenden Drahtes zählt, war dem Verfasser neu; auf „Valdivia“ haben wir
dergleichen nicht bemerkt. Es ist wohl zweifelhaft, ob dieser eine zu kleine
Tiefe ergebende Vorgang wirklich häufig auftritt; wäre es der Fall, so würde
sich die Differenz Drahtlot—Echolot in positivem Sinne vergrößern, die Er-
klärung für die zweifellos systematischen Unterschiede zwischen beiden Lotarten
schwieriger werden.
Über alle diese technischen Fragen kann unmöglich heute, ohne Versuche
ad hoc, entschieden werden. Die Weiterbenutzung des Echolotes wird von selbst
zur Klärung führen. Aber es sind schon jetzt auch Fälle vorhanden, in denen
wir umgekehrt die bisherigen, in den Karten stehenden Tiefenzahlen nach dem
Echolot korrigieren können oder müssen. Am östlichen Außenrande des Malta
mit Sizilien verbindenden Schelfes unter 15° 39’ O-Lg. und 15° 45’ O-Lg. (rund
35° 40’ N) hat „Stewart“ je eine Tiefe von 510 m und 638 m gelotet, während die
Seekarte in unmittelbarer Nähe bisher 2195 m und 2377 m gibt. Nördlich und
südlich von dem Reisewege aber verzeichnet die Karte den Echolotungen ent-
sprechende Zahlen von rund 500 bis 700 m. Es dürfte sicher sein, daß die zwei
älteren Drahtlotungen mit 2195 und 2377 m in ihrer Position aus irgendeinem
Grunde unrichtig bestimmt oder unrichtig verzeichnet sind und einige wenige
Seemeilen ostwärts verschoben werden müssen, wodurch dann das ganze Bild des
Isobathenverlaufes richtiggestellt wird. Diese 1500 m und mehr betragenden
zwei Differenzen zwischen Echolot und Drahtlot können methodisch nicht be-
wertet werden,
Versager und Fehler bei der Echolotmethode werden, wie bei jeder
menschlichen Einrichtung, ebenfalls vorkommen. So will es z. B. scheinen, daß
die von „Stewart“ unter 27,5° O-Lg., 32,6° N-Br. westlich von Port Said mit
1054 Faden — 1928 m angegebene Tiefe in einem rundum 3000 m tiefen Meer
doch wohl nicht richtig ist. Ganz lokale, steile Erhebungen sind genug bekannt,
selbst mit größeren Böschungswinkeln als sie sich in diesem Falle (7°) ergeben
würden; äber die außerordentlich kleine Basis von nur rund 10 Sm, auf der
die Untiefe in einem sonst schwach bewegten Boden stehen würde, macht die
Lotzahl 1928 m hinreichend verdächtig.
Jedenfalls muß weitgehende Kritik bei der Auswahl derjenigen Lotzahlen
walten, die über die Größenordnung des mittleren Unterschiedes Drahtlot—Echo-
lot Auskunft geben sollen.
Was nun die an Bord des „Stewart“ benutzte Apparatur anlangt, so
hat ein der Seewarte durch das Hydrographische Amt übermittelter Bericht des
Ingenieur -Bureaus des Navy Department zu Washington mancherlei weitere
Aufklärung gebracht,. ohne daß begreiflicherweise die Einzeltechnik ersichtlich
würde. Zwei Vorkehrungen sind an Bord; für Tiefen von weniger als 90 Faden
der „Standard Navy sound receiver“, der die Tiefe ergibt durch Bestimmung
des Winkels zwischen den Verbindungslinien der Empfänger (St-B. und B-B.) und
dem Meeresboden an der Stelle, wo der Schall reflektiert wird. Für größere
Tiefen wird, wie bei dem Behm-Echolot, das Zeitintervall ganz genau bestimmt
zwischen dem Moment der Schallerweckung und des Echoempfangs; diese Apparatur
heißt der „Navy sonic depth finder“. Wegen weiterer Einzelheiten; auch über
die Schallerzeugung, verweist der Bericht an die Submarine Signal Company in
Boston, Mass., die eine Type am Markt halte; dagegen sind die speziellen Vor-
richtungen der Marine bis auf weiteres geheim. Beachtenswert ist noch die
Bemerkung, daß in einigen Fällen mittelst des Echos auch horizontal der Abstand
des Schiffes von der Küste sich habe bestimmen lassen. —
Nun ist endlich vor kurzem in Deutschland eine vom Hydrographischen
Amt der V. St. Am, im März 1923 herausgegebene Tiefenkarte (Nr. 5194) der
californischen Küstengewässer eingegangen, die der Seewarte durch den Chef
der Marineleitung zur Kenntnis kam: sie beruht auf den Echolotungen der
U. S. S. „Corry“ und U. S. S. „Hull“ 1922 zwischen San Francisco und Pt. Descanso
(bei San Diego an der mexikanischen Grenze) und ist die erste, nach der
neuen Vermessungsmethode hergestellte Isobathenkarte: und das be-