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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 51 (1923)

Schott, G.: Tiefseelotungen mittelst Echolot. 
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1° W bis 1,5° O auch eine, praktisch genommen, vollkommen ebene allerdings 
nur etwa 130 Sm lange Strecke mit Tiefen zwischen 2430 und 2530 m; die Lage 
des Schiffsweges ziemlich nahe der afrikanischen Küste sowie Malta bewirken 
dann eine ständige, aber in relativ kleinen Tiefenunterschieden sich auswirkende 
Unruhe des Bodenreliefs, die auch für die Strecke südlich von Kreta bis vor 
Port Said gilt. 
Nähere Betrachtung zeigt, daß, wenn man die Zahlenergebnisse der Echo- 
lotung mit denen früherer Drahtlotung in annähernd gleicher Position vergleicht 
— wobei ein Umkreis von 2 bis 3 Sm Durchmesser in Betracht kommt —, für 
ozeanische Tiefen von beiläufig über 2000 m das Echolot etwas geringere 
Tiefen liefert als das Drahtlot. Hierauf hat schon G. Wüst!) hingewiesen, 
Auf der Seewarte wurde, diese Tatsache s. Zt. auch sofort festgestellt, da sie 
leicht zu bemerken ist, aber schwierig ist es, einen einigermaßen genauen Betrag 
der Abweichung anzugeben. Wüst beziffert ihn nach 50 Fällen auf 154 m im 
Durchschnitt. Der Verfasser dieses Berichtes hat nur 36 ausgewählte Fälle be- 
nutzt und kommt, eben für Tiefen von über 2000 m, auf eine mittlere Differenz 
von 210 m. Diese höhere Zahl erklärt sich hauptsächlich daraus, daß diejenigen 
Fälle, in denen das Echolot größere Zahlen als das Drahtlot geliefert hat, in 
den mäßigen Tiefen von 1000 m und noch geringerer Tiefe vorgekommen sind, 
daher so gut wie ausschließlich hier fortgefallen sind: das Mittel der „Korrektion 
auf Drahtlotung“ mußte daher in unserem Berichte höher werden. Bei der Un- 
sicherheit der Ortsbestimmung und der Eintragung der Lotungen in der Karte 
einerseits, bei der Tatsache andererseits, daß die mäßigen und geringen ‚Tiefen 
in der horizontalen Dimension stark wechseln”), erschien es ratsam, sofern man 
an der Hand von Kartenmaterial die methodischen Unterschiede bei ozeanischen 
Tiefseemessungen zwischen Echolot und Drahtlot aufdecken will, bis auf weiteres 
nur die wirklich großen Zahlen zu vergleichen. Bei diesem Verfahren ist der 
Verfasser sich bewußt, daß eine als richtig noch erst zu beweisende Voraus- 
setzung gemacht wird, nämlich die, daß der Boden der eigentlichen Tiefsee 
ebener ist als der der Schelfränder und daher Unsicherheiten in Ortsbestimmung 
und Eintragung von wirklichen Tiefseelotungen den Vergleich beider Lotmethoden 
wenig stören. 
Wesentliches Gewicht auf den Unterschied (210 m gegen 154 m) wird 
übrigens nicht gelegt; das wichtige ist die Tatsache als solche. Sie wurde be- 
reits 1922 von H. Maurer®) vorausgesagt, der gezeigt hat, daß bei einer etwaigen 
Benutzung des Echolotes: als Tiefseelot die Verteilung der Tiefentemperaturen, 
Salzgehalte und Drucke für einen jeweils zu berechnenden Wert der Schall- 
geschwindigkeit im Tiefenwasser Berücksichtigung verlange, und daß zu kleine 
Tiefen schätzungsweise um 3°/, zu erwarten seien, falls das nicht geschähe: die 
Schallgeschwindigkeit im Wasser nimmt zu mit steigender Temperatur, steigen- 
dem Salzgehalt und steigendem Druck. Offenbar hat man auf dem amerika- 
nischen Schiffe Korrektionen für diese Verhältnisse nicht angebracht, erklärlicher- 
weise, bei dieser Rekognoszierungsfahrt für einen neuen Apparat. 210m sind 
nun fast 5%, einer mittleren Tiefe von 4500 m, während Wüst’s Zahl 154 m etwa 
4%, ausmacht, 
Die Drahtlotungen halte ich für innerhalb weniger Meter richtig, wenn 
sie nicht bei ungewöhnlich ungünstigen Verhältnissen (schweres Wetter, starke 
Abtrift durch Wind oder Strom) niedergebracht sind: zu viel Drahtausgabe 
bringt den Draht sicher zur Kinkenbildung und gegebenenfalls zum Bruch. Die 
von den Kabellegern erwähnte Tatsache, daß die Kabelanker meist etwas früher 
den Boden berühren als nach der Drahtlotung zu erwarten ist, verträgt sich 
hiermit: es dürfte sich nur um 5 bis 10 m handeln (Vorläufer), Der von 
E. von Drygalski kürzlich erwähnte‘), von ihm auf „Gauß‘“ beobachtete Um- 
, Naturwissenschaften, 1923 S. 287. 
°) Vgl. 8. 195 über die californischen Küstengewässer. i 
3) Marine-Rundschau, Sept. 1922, 8. 355 („Das Echolot‘). Auch G. Wüst erwähnt a. a. O. 
1923 diesen Punkt, ; 
4) Ann. d, Hydr. 1923, S. 139.
	        
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