190 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1923.
auswärts, treten Verlagerungen des Angriffspunktes der Auftriebskraft des Ballons
am Wagearm ein, durch die sich nicht unerhebliche Verschiedenheiten in der
Angabe der Tragkraft einstellen,
Die von mir angegebene Gasfüllwage mit vertikal bleibendem Schlauch-
mundstück und Flüssigkeitsdichtung (Fig. 3), die auf dem Prinzip der Rober-
valschen Tafelwage gegründet ist, besitzt den unter 2 angeführten Fehler nicht
und kann daher zur
gehauesten Auftriebsbe-
stimmung von Pilot-
ballonen mit beliebig stei-
fem Füllansatz verwendet
werden.
Die Hauptzeichnung
der Fig. 3 zeigt die Ge-
samtansicht der Wage
und die rechter Hand
befindliche schematische
Nebenzeichnung unter-
richtet über die Zu-
führung des Wasserstoff-
gases und die Flüssig-
keitsdichtung. Die Zeich-
nung dürfte nach dem
Vorhergehenden kaum
einer Erklärung mehr
bedürfen. Es sei nur auf
. die abweichende Form
der Gewichte G, die durch den Querschnitt des Behälters B, bedingt ist, und
die Anbringung des Tellers (Wagschale) T am Behälter B, hingewiesen.
Bei Verwendung eines Reduzierventils an der Wasserstoffflasche und einiger-
maßen vorsichtigem Öffnen der Flasche bei Beginn der Füllung geht die Be-
nutzung der Wage anstandslos und ohne jedes Verspritzen der zur Dichtung
verwendeten Flüssigkeit vor sich.
Schließlich sei erwähnt, daß die Gasfüllwagen in mehreren Exemplaren in
Gebrauch standen und sich gut bewährt haben.
IHN. Keildrachen von Ing. Aurel v. Büky)).
Die ungünstige vertikale Windverteilung im Gebirge, bei welcher beinahe
windstille Schichten mit Sturmzonen abwechseln, sowie die große Böigkeit des
dort herrschenden Windes veranlaßten Büky, einen neuen, leichten, widerstands-
fähigen und stabilen Drachentyp, den Keildrachen, zu konstruieren. Die Praxis
forderte, daß die Konstruktion einfach sei und mit Rücksicht auf die damalige
Knappheit an ausländischem Material nur inländisches Material verwendet werde.
Von der Überlegung ausgehend, daß die in eine Schneide zusammen-
laufenden vorderen Flächen eines Keilform besitzenden Drachens stärker stabilisieren
müssen als die Querflächen der gewöhnlichen Kastendrachen, fiel die Wahl auf
einen dreieckigen Querschnitt. Die Dreieckform ist überdies einfach, verlangt
weniger Stäbe und Beschläge und gestattet auf diese Weise Gewichtsersparnisse.
Das linke Bild der Fig, 4 zeigt das Gerüst des Keildrachens ohne Lein-
wand. Es besteht aus vier rechtwinkligen, gleichschenkligen Dreiecken, von
denen eines in der rechten oberen Zeichnung derselben Figur im Detail dar-
gestellt ist. Jedes Dreieck besteht aus zwei unter rechtem Winkel zusammen-
gefügten Vorderstäben V und einem mit den Vorderstäben unter 45° zusammen-
stoßenden Hinterstab H. Die 4 Dreiecke sind in üblicher Weise durch 3 Längs-
stäbe L verbunden. Ein Keildrachen braucht also 3 Längsstäbe L, 4 Hinterstäbe H,
1) Aus A, v. Büky, Neuerungen der aerologischen Aufstiegstechnik an der k, u. k, Feld-
drachenstation Nr. 1, Ritten bei Bozen, 15. Dezember 1917.